Schnelle Hardwarezyklen: KI-Hyperscaler könnten zu viel Gewinn erwarten
Der KI-Boom hat die Börsenbewertung der hier führenden Unternehmen in ungekannte Höhen katapultiert. Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und nicht zuletzt Nvidia werden mit Billionen bewertet. Insbesondere bei den großen Clouddienstleistern zweifelt das Wirtschaftsmagazin The Economist(öffnet im neuen Fenster) aber, ob diese Bewertungen gerechtfertigt sind. Denn deren Gewinne könnten deutlich niedriger ausfallen als erwartet.
Der Grund dafür ist Nvidias beschleunigte Hardware-Roadmap. Jährlich will das Unternehmen neue KI-Beschleuniger auf den Markt bringen, jeweils mit mindestens verdoppelter Rechenleistung und großen Sprüngen bei der Speicherausstattung. Damit stellt sich unweigerlich die Frage, wie lange die alten Beschleuniger wirtschaftlich genutzt werden können. Denn keines der Unternehmen wird sich erlauben können, eine Generation zu überspringen.
Die Kritik des Economist an den Gewinnerwartungen der Unternehmen setzt daher bei den Abschreibungszeiträumen an. Die lägen bei den genannten Unternehmen für Server bei fünf bis sechs Jahren. Müsste ein Teil der Nvidia-Hardware innerhalb von ein bis drei Jahren abgeschrieben werden, könnten die Gewinne fünf bis zehn Prozent niedriger ausfallen. Zu dem Schluss kam die Bank Barclays.
Niedrigere Gewinne würden Börsenwert drücken
Der Economist rechnet gar mit bis zu zwölf Prozent niedrigerem Gewinn, geht dabei aber davon aus, dass zwei Drittel der Nvidia-Hardware, für die Alphabet, Amazon, Microsoft und Meta 2024 jeweils grob 15 Milliarden US-Dollar ausgegeben haben sollen, nach einem Jahr abgeschrieben werden müsste.
Ein geringerer Gewinn würde aber auch die als gerechtfertigt eingeschätzte Börsenbewertung der Unternehmen beeinflussen. Sollte tatsächlich ein großer Teil der extrem teuren KI-Hardware künftig nach nur einem Jahr abgeschrieben werden müssen, könnten die Bewertungen laut Economist um ein Drittel zu hoch sein. Dabei handelt es sich zwar nur um Abschätzungen, da die Unternehmen den Wert ihrer Hardware nicht separat ausweisen und ein Abschreibungszeitraum von einem Jahr sehr wahrscheinlich zu pessimistisch ist.
Nutzen lässt sich die Hardware ja weiter – die Frage ist nur, wie lange es sich rechnet. Amazon und Alphabet setzen zwar auch auf eigene Hardware, aber auch hier müssen die Innovationszyklen schneller werden, um nicht hinter Nvidia zurückzufallen. Dass Nvidias beschleunigte Roadmap finanziell für die Unternehmen zum Problem werden könnte, ist damit nachvollziehbar. Nur auf Nvidias Gewinne haben die schnelleren Produktzyklen wohl zumindest keine negativen Auswirkungen.
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