Schmelzende Stecker: Der umstrittene 12VHPWR-Standard wird überarbeitet

Seit dem Launch der Geforce RTX 4090, die auf den kompakteren 12VHPWR-Stecker setzen, berichteten mehrere Menschen von schmelzenden Anschlüssen und beschädigten Grafikkarten. Nvidia tat das als einen Anwenderfehler ab . Die Stecker seien nicht richtig in die Karte eingesteckt worden und konnten sich deshalb im Betrieb lösen und überhitzen. Allerdings wird das bekannte Design nun durch einen neuen Stecker ersetzt.
Die PCI-SIG, verantwortlich für die Standardisierung von Steckern und Anschlüssen im PC-Bereich, definiert den neuen 12V-2x6-Stecker. Die Spezifikationen liegen dem Techblog Igor's Lab(öffnet im neuen Fenster) vor. Auf technischen Zeichnungen ist dort wieder eine Halterungsnase zu erkennen, die ein eingestecktes Kabel fest arretieren soll. Das Konzept erinnert an den Molex-Standard, der bisher stets gut funktioniert hat. Bei 12VHPWR stieß es aber auf Probleme.
Durch die Bauweise soll verhindert werden, dass User das Kabel mit nicht genug Kraft oder nicht weit genug einstecken. Laut Nvidia ist das die Fehlerquelle Nummer 1 bei der Installation des 12VHPWR-Steckers, der ebenfalls mit einer solchen Klemme ausgestattet ist. Der neue Stecker soll deshalb einer Zugkraft von 45 Newton standhalten.
Kürzere Pins für mehr Sicherheit
Der Stecker, der direkt auf der Grafifkkarte verbaut wird, wird wohl nur bedingt kompatibel mit dem aktuellen 12VHPWR-Standard sein. Bei 12V 2x6 sollen die vier Sense-Pins unterhalb der Energieübertragungsanschlüsse um etwa 2 mm verkürzt werden. So wird sichergestellt, dass der Stecker auch tief genug in den Slot eingesteckt wird. Andernfalls kann die Grafikkarte nicht angesprochen werden und es gibt kein Bildsignal.
Generell behält auch der neue Standard das Zwölf-Pin-Design bei, das in der Vergangenheit auf Kritik stieß. Pro Pin können 9,2 Ampere übertragen werden. Insgesamt soll das System 600 Watt bei 55 Ampere übertragen können. 75 weitere Watt Leistung können über das Mainboard eingespeist werden.
Das wird in der aktualisierten CEM-5.1-Spezifikation festgehalten, die maximal 675 Watt ermöglicht. Nach dem derzeitigen CEM 5.0 sind maximal 600 Watt aus beiden Quellen möglich. Außerdem darf der Temperaturanstieg nur 30 Grad Celsius über der Umgebungstemperatur bei voller Auslastung betragen.
Was ist mit den Biegeradien?
Der neue Standard teilt sich in vier Leistungsklassen ein: 0 Watt, 150 Watt, 300 Watt und 600 Watt. Dabei werden Sense-Pin 1 und Sense-Pin 0 ausgelesen. Werden die beiden Pins kurzgeschlossen, werden 150 Watt definiert. Wird Pin 1 offengelassen und Pin 0 geerdet, werden 300 Watt erreicht. Das Kurzschließen zweier Pins ist neu und dürfte laut Igor's Lab neue Netzteile erfordern.
Nicht ganz klar ist hingegen, wie der neue Steckertyp ein weiteres Problem mit dem Kabel angeht. User sollten bei 12VHPWR bestimmte Biegeradien einhalten, die nicht bei allen PC-Gehäusen realistisch umsetzbar sind. Und trotzdem positionieren viele Grafikkarten ihren Stecker dort, wo früher die Molex-Anschlüsse zu finden waren. Bei diesen ist es kaum wichtig, wie stark sie gebogen werden.
Die meisten PC-Builds verwenden sowieso noch eine Mischung aus Molex (PCIe 8- oder 6-Pin) und 12VHPWR, wobei nur die letzten Zentimeter bis zur Grafikkarte über den neueren Standard gelöst werden. Das Kabel verbindet sich aber mit zwei Molex-Steckern, die dann ins Netzteil führen. Es existieren mittlerweile auch Netzteile, die speziell für die neueren Kabel entwickelt wurden und auf die Adapterlösung verzichten.