Schleswig-Holstein: Bye, bye Microsoft, hello Open Source

Schleswig-Holsteins Regierung stellt heute ihre Open-Source-Strategie vor. Beim Umstieg von Microsoft stehen jetzt besonders schwierige Bereiche an, sagt Digitalminister Jan Philipp Albrecht.

Ein Interview von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
Jan Philipp Albrecht
Jan Philipp Albrecht (Bild: Ruprecht Stempell)

In Schleswig-Holstein läuft auf den IT-Systemen der Landesverwaltung noch überwiegend Microsoft. Nicht nur, um Geld und Energie zu sparen, sondern vor allem, um flexibler zu werden, will die Landesregierung nun bis 2025 auf Open Source umstellen. Im Interview erklärt der schleswig-holsteinische Digitalminister Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen) die Gründe und erzählt, welche Herausforderungen beim Umstieg als nächstes zu meistern sind.

Inhalt:
  1. Schleswig-Holstein: Bye, bye Microsoft, hello Open Source
  2. Open Source in der Verwaltung: grüner, billiger, sicherer?

Golem.de: Wo und wie soll der Umstieg von Microsoft auf Open Source in Schleswig-Holstein erfolgen?

Jan Philipp Albrecht: Wir haben in den Koalitionsverhandlungen zur Jamaika-Regierung vereinbart, dass wir weitestmöglich auf Open Source umsteigen wollen. Dazu haben wir vom Landtag den entsprechenden Auftrag erhalten, innerhalb von zwei Jahren eine Open-Source-Strategie zu entwickeln. Wir stellen sie am heutigen Freitag in unserem Regierungsbericht vor.

"Die Anwendungssoftware ist ein dickes Brett"

In den allermeisten Bereichen der Verwaltung des Landes haben wir im Backend-Bereich bereits weitestgehend auf Open Source umgestellt. Bei den Kommunikationsdiensten sind wir auch schon sehr weit. Jetzt geht es an die Bereiche, die natürlich überall ein dickes Brett darstellen, nämlich die Anwendungssoftware. Hier wollen wir 2025 einen kompletten Umstieg erreichen.

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Golem.de: Von welchem Betriebssystem aus erfolgt der Umstieg?

Albrecht: Wir befinden uns auf Windows 10, von dem wir uns ebenso Stück für Stück wegbewegen wollen. In manchen Verwaltungsbereichen sind die Verwaltungsverfahren sehr schwierig umzustellen, aber in anderen Bereichen ist es einfacher möglich, zum Beispiel bei den Lehrerinnen und Lehrern.

Golem.de: Wie reagiert denn Microsoft auf diese Entwicklung?

Albrecht: Wir haben immer wieder mit Microsoft Gespräche geführt und bleiben auch weiterhin in gutem Kontakt. Denn es wird weiterhin Bereiche geben, in denen wir zumindest für eine gewisse Zeit auch deren Software einsetzen. Aber diese muss denselben Kriterien und Anforderungen entsprechen. Insbesondere geht es uns um Anpassungen an unsere Bedürfnisse. Wir wollen die Souveränität über Gestaltungsfragen erreichen und flexibel bestimmen, wie die Verfahren aussehen und wie die Daten verarbeitet werden.

Golem.de: Microsoft verweist hier gerne darauf, dass etliche seiner Anwendungen ja auch bereits Open Source sind.

Albrecht: Jeder weiß, dass zwar Teile als Open Source zur Verfügung stehen, dies aber seine Grenzen hat. Die Infrastruktur bei Microsoft ist eben alles andere als open. Hier geht es vor allem um die Schnittstellen.

Ausstieg aus Microsoft hat viele Vorteile

Albrecht: Es ist uns wichtig, dass die Verwaltung eine bestimmte Flexibilität in der Handhabung der eigenen Infrastruktur hat. Es ist wichtig, dass wir in der Frage der Kontrolle und der Überprüfung der Datenverarbeitungsvorgänge vollumfängliche Handlungsfreiheit haben.

Es ist uns wichtig, auch die Kostenstruktur im Blick zu behalten, die natürlich sich unterschiedlich zusammensetzt, je nachdem, welchen Weg man beschreitet. Uns ist es wichtig, die Mittel eher im Bereich von Service und Dienstleistung einzusetzen. Es geht darum, nicht für einen sehr hohen Preis einfach eine Lösung für alle zu installieren, wobei dann bestimmte Wünsche nicht oder nur schwer erfüllt werden können.

Golem.de: Wo gab es denn in der Vergangenheit Probleme?

Albrecht: Es ist bei uns häufig der Fall, dass wir bei bestimmten Diensten mit den entsprechenden Angeboten von Microsoft an unsere Grenzen gestoßen sind, etwa wenn es um die Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern oder auch innerhalb der Verwaltung geht. Uns geht es deshalb darum, der Verwaltung in ihrer Infrastruktur möglichst viele Spielräume zu schaffen, so dass sie bestimmen kann, wie die Anwendungen tatsächlich zum Einsatz kommen.

Golem.de: Sehen Sie da auch Chancen, dass die anderen Bundesländer mitziehen?

Albrecht: Ich freue mich, dass die Hamburger ihre Systeme nun auch teilweise auf Open Source umstellen wollen. Im Rahmen der Zusammenarbeit bei Dataport drängen wir auch bei den anderen Ländern darauf, möglichst Open-Source-Anwendungen immer mitzudenken und gemeinsame Schnittstellen zu verwenden.

Golem.de: Wie sieht es seitens des Bundes aus, der ja beispielsweise die Rahmenverträge mit Microsoft allein verhandelt hat?

Albrecht: Der Bund zeigt sich leider immer noch sehr zurückhaltend. Mein Gefühl sagt mir im Moment, dass wir an dieser Front doch relativ allein kämpfen werden. Aber letztlich wird auch der Bund am Ende unter Druck geraten, weil die Situation ja klar ist. Die Frage der digitalen Souveränität wird eine größere Rolle spielen, allein schon aus Sicherheitsinteressen.

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Open Source in der Verwaltung: grüner, billiger, sicherer? 
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ikhaya 02. Jul 2020

Solange man bestehendes nutzt weil anderes nicht gut genug ist, wird der Zustand sich...

S76 29. Jun 2020

Man sollte mal ermitteln, wie viele Kosten eigentlich durch solche Ineffizienzen von...

honk 26. Jun 2020

Nur geht es hier um ein Office Paket, nicht um Windows.

honk 26. Jun 2020

Ist doch relativ klar. Wer bisher nur mit Kreide und Schwamm gearbeitet hat, hat andere...

honk 26. Jun 2020

Und genau daran hapert es in diesem Ministerium für Digitalisierung. Die ist auch erst...



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