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Schlauere Amazon-KI für Echo und Fire TV: Alexa kann bald chatten und Bilder malen

Im Zuge des KI-Trends baut Amazon sein Sprachmodell aus und will Alexa viel natürlichere Konversationen und sogar etwas Kreativität beibringen. Einiges konnte Golem.de schon ausprobieren.
/ Berti Kolbow-Lehradt
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Amazons Alexa soll chatten wie ein Mensch. (Bild: Berti Kolbow-Lehradt)
Amazons Alexa soll chatten wie ein Mensch. Bild: Berti Kolbow-Lehradt

Die Sprachassistentin Amazon Alexa antwortet bisher nur hilfreich und erfüllt Aufgaben nur zuverlässig, wenn man sie ganz genau darum bittet. Formuliert man eine Anfrage nur ein wenig abweichend vom programmierten Befehlssatz oder erklärt man ihr nicht haargenau, was man will, regiert sie falsch oder gar nicht. Diese Begriffsstutzigkeit will Amazon ihr mit einem neuem großen Sprachmodell als Unterbau austreiben, kündigte der Tech-Konzern bei einem Event vor ausgewählten Medien in den USA an.

Das Ziel: Eine Unterhaltung mit Alexa soll sich endlich annähernd so natürlich anfühlen wie mit einem Menschen. Das soll Vorteile bei Wissensabfragen mit Echo-Geräten, aber auch bei Bitten um Programmtipps mit Fire-TV-Geräten bringen. Das wäre ein deutlich größerer Sprung als die Mini-Ergänzungen für Alexa , die Amazon auf Basis des aktuellen Sprachmodells plant.

Auf den Trend zur sogenannten generativen KI springt Amazon auch auf. Auf Fernsehern soll Alexa private Urlaubsfotos in Kunstwerke verwandeln können. Die neuen Fähigkeiten werden von den USA auch demnächst nach Deutschland kommen. Golem.de konnte sich bereits einen Eindruck verschaffen.

Let's Chat: Alexa lernt natürliche Unterhaltungen

Folgefragen, ohne vorher das Aufweckwort "Alexa" zu sagen, gehen schon länger. Künftig soll die Sprachassistenz auch nach viel mehr Fragen als zuvor bei der Sache bleiben. Zudem soll es kein Problem sein, wenn Nutzer zwischendurch das Thema wechseln und später auf die Ausgangsfrage zurückkommen. Die Antworten sollen zudem viel schneller und ohne Denkpause kommen.

Auf der Eventbühne demonstrierte Amazons scheidender Hardware-Chef Dave Limp das anhand von Fragen zu einem Footballteam, etwa wann es das nächste Mal spielt und wie zuletzt die Ergebnisse waren. Die Antworten kamen tatsächlich schneller und Alexa verlor nicht den Faden. Allerdings hörte sie nicht immer auf Anhieb. Ein bisschen Eigensinnigkeit wird ihr wohl auch mit dem verbesserten Sprachmodell erhalten bleiben.

In vorab aufgezeichneten Demovideos baten Testprobanden Alexa auf Echo-Geräten, ein Gedicht zu verfassen. Mittendrin unterbrachen sie sie und verfeinerten die Vorgaben, ohne die ganze Aufgabenstellung zu wiederholen. Alexa konnte trotzdem folgen.

Amazon zeigt Verbesserungen bei Alexa (Herstellervideo)
Amazon zeigt Verbesserungen bei Alexa (Herstellervideo) (15:48)

Diese neue Konversationsfähigkeiten nannte Dave Limp "Let's Chat" . Wer sie nutzen will, muss "Alexa, let's chat" sagen und dann den Wunsch nennen. Es handelt sich also zunächst um eine klar umrissene Sandbox für begrenzte Themen. Dazu werden auch Statusabfragen und Steuerbefehle für das Smart Home zählen. Ausgewählte Probanden können die Funktion im Laufe des Jahres in den USA als Preview ausprobieren. Anfang nächstens Jahres kommt sie dann als finale Fassung auf alle Geräte in den USA. Ein späterer Start in Deutschland ist wahrscheinlich, ein Zeitfenster gibt es dafür nicht.

Noch Zukunftsmusik ist der Plan von Amazon, mithilfe generativer KI die Kameras von Echo-Show-Geräten stärker zu nutzen, um angezeigte Inhalte zu personalisieren. Hier wäre Abhilfe bitter nötig. Beim Echo Show 15 hat das mit dem bisherigen Software-Unterbau nicht gut geklappt.

Fire TV mit individueller Suchhilfe von Alexa

Let's Chat konnten wir noch nicht ausprobieren, eine andere neue Konversationsfähigkeit von Alexa schon. Bei der Suche nach Programmtipps in der Bedienoberfläche von Sticks und Fernsehern mit Fire-TV-Oberfläche hilft sie künftig individueller. Der für Alexa auf den Fire TVs zuständige Manager Daniel Rausch zeigte, wie man nicht per Kommando nach Actionfilmen sucht, sondern die Ergebnisse mit Folgefragen weiter filtert, etwa mit Wünschen nach Gratisfilmen, solchen, die man noch nicht gesehen hat oder jugendfreien. Die jeweiligen vorherigen Fragen brauchte Rausch nicht zu wiederholen. Alexa verstand den Kontext.

Die Funktion konnten wir anschließend selbst ausprobieren. Sie klappte gut, bot aber nur eine begrenzte Auswahl von Filterfragen. Welche infrage kommen, zeigte die Fire-TV-Oberfläche als Inspiration an. Die neue Fire-TV-Suche mit Alexa hält als finale Fassung bis "Ende des Jahres" Einzug auf Geräte in den USA. Ein Deutschlandstart im kommenden Jahr ist sehr wahrscheinlich.

Alexa macht aus Urlaubsbildern Kunstwerke

Wer abseits der Filmwiedergabe das TV-Display mit einem Bildschirmschoner aufhübscht, muss sich bald nicht mehr auf die Auswahl abgespeicherter Medienkonserven beschränken. Per Alexa-Befehl erstellt man sich selbst welche. Generative KI erzeugt auf Basis der Vorgaben entsprechende Bilder. Dabei sind zwei Ansätze möglich. Entweder erschafft der Bildgenerator komplett neue Kreationen. Diese Funktion hatte Amazon bereits bei der Vorstellung des markeneigenen Fire-TV-Smart-TV Omni QLED im Frühjahr dieses Jahres vorgestellt. Oder man nimmt abgespeicherte private Fotos und lässt sie durch einen Alexa-Befehl künstlerisch verändern.

Amazon-Manager Daniel Rausch zeigte auf der Bühne, wie aus einem Urlaubsfoto ein kubistisches Gemälde entstehen kann. In einer Demo konnten wir das eigenhändig nachvollziehen. Die generierten Entwürfe bietet die Fire-TV-Oberfläche in verschiedenen Versionen an. Anschließend gibt es weitere passende Kunstrichtungen, die man darauf anwenden könnte, etwa den Stil des amerikanischen Malers Edward Hopper.

Amazon zeigt Neuigkeiten bei FireTV (Herstellervideo)
Amazon zeigt Neuigkeiten bei FireTV (Herstellervideo) (11:38)

Der Kunstwerk-Generator soll noch dieses Jahr als Update auf das Betriebssystem Fire OS kommen, der KI-Editor für Urlaubsbilder Anfang kommenden Jahres. Ein Deutschlandstart darf als sicher gelten, der Termin ist unbekannt.


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