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Schiffbau: Rekordversuch mit Pedal-Trimaran

Der Radprofi Paul Spencer will die Welt in einem speziellen Pedal-Trimaran umrunden – ganz ohne Segel oder Motor.
/ Nils Matthiesen
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Der Trimaran Pedal Beast (Bild: Bild: Paul Spencer)
Der Trimaran Pedal Beast Bild: Bild: Paul Spencer

Der britische Ausdauersportler Paul Spencer(öffnet im neuen Fenster) , bekannt für seine Weltrekorde auf dem Fahrrad, verfolgt ein neues Ziel: Er plant die erste Weltumrundung in einem Boot, das ausschließlich durch menschliche Muskelkraft angetrieben wird. Gemeinsam mit dem neuseeländischen Bootsdesigner Craig Loomes von Lomocean Marine(öffnet im neuen Fenster) entwickelte er dafür den Trimaran Pedal Beast.

Das Projekt mit dem Titel Pedal Round the World(öffnet im neuen Fenster) sieht vor, insgesamt rund 50.000 Kilometer zurückzulegen, davon ca. 10.000 Kilometer über Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean ohne die Hilfe von Segeln oder Motoren. Die restliche Strecke will Spencer mit dem Rad über Land absolvieren.

Bei dem Boot handelt es sich um eine 38 Fuß (ca. 11,6 Meter) lange Spezialkonstruktion aus Kohlefaser. Anders als bei herkömmlichen Ruderbooten, die für Ozeanüberquerungen genutzt werden, setzt Spencer auf einen effizienten Pedalantrieb. Dieser überträgt die Kraft der Beine auf zwei gegenläufige Propeller.

Laut Loomes ist das Treten über lange Zeiträume deutlich effizienter als das Rudern mit den Armen, da die Pedalbewegung kontinuierlich erfolgt, während beim Rudern viel Energie im Rückholschlag verloren geht.

Spezialkonstruktion aus Neuseeland

Die Konstruktion basiert auf dem Ruderboot Tasman Rower, das 2012 von Lomocean Marine entworfen und von Pachoud Yachts gebaut wurde. Spencer entdeckte das Boot auf der Lomocean-Webseite und erwarb es 2019.

Das Besondere am Design ist das Propellersystem: Die Wellen und Naben der beiden Propeller befinden sich oberhalb der Wasseroberfläche, was den hydrodynamischen Widerstand erheblich reduziert und große Propellerblätter ermöglicht. Zudem ist eine Schwungscheibe mit hoher Trägheit integriert, die die toten Punkte jeder Pedalumdrehung ausgleicht.

Spezialanfertigung für extreme Bedingungen

Komfort ist an Bord der Pedal Beast Mangelware. Eine kleine, isolierte Kabine dient als Schlafplatz und Schutzraum bei Stürmen. Die technische Ausstattung umfasst Navigationsgeräte, Satellitenkommunikation und eine elektrische Entsalzungsanlage zur Trinkwassergewinnung. Da weder Wind noch Treibstoff zur Fortbewegung genutzt werden dürfen, stammt die gesamte Energie für die Systeme aus Solarpaneelen, die auf dem Deck des Trimarans installiert sind.

Spencer hat zwei Pedalpositionen zur Verfügung: einen Liegesitz in der geschlossenen Kabine für raue Bedingungen und einen normalen Fahrradsattel, auf dem er bei gutem Wetter aufrecht sitzen und aus dem Boot herausschauen kann. Zusätzlich wurde vorne am Boot installiert ein ausklappbares Schwert, das die Kursstabilität verbessert, außerdem gibt es ein separates Rettungsboot.

Nachhaltigkeit und Ausdauer im Fokus

Das Duo begreift die Expedition nicht nur als sportliche Herausforderung, sondern auch als Demonstration für nachhaltige Mobilität. Die Reise wird voraussichtlich zwischen zwei und drei Jahren dauern.

Paul Spencer hält bereits drei Weltrekorde im Radfahren, darunter Fahrten durch 42 Länder auf sechs Kontinenten. Die logistischen und mentalen Anforderungen auf offener See sind jedoch ungleich höher.

Der aktuelle Guinness-Weltrekord für die schnellste menschenkraftbetriebene Weltumrundung liegt bei fünf Jahren und elf Tagen, aufgestellt im Jahr 2012 von Erden Eruç, der hauptsächlich ein Ruderboot nutzte. Spencer hofft, dies deutlich zu unterbieten, da der Pedalantrieb effizienter ist als Rudern.

Spencer sammelt mit seiner Expedition auch Spenden für die Lupus Foundation,(öffnet im neuen Fenster) da seine Schwester ihr ganzes Leben mit dieser Autoimmunerkrankung gelebt hat.

Aktuelle Testphase

Im Dezember 2024 begann Spencer mit den Seetests vor der Küste Neuseelands. Dabei prüfte er die Zuverlässigkeit des mechanischen Antriebsstrangs und die Stabilität des Trimarans bei unterschiedlichem Wellengang.

Für Januar bis Februar 2026 ist eine Test-Überquerung der Tasmanstraße geplant, für die das Boot ursprünglich als Ruderboot konzipiert war. Der genaue Termin für den Weltrekordversuch steht noch nicht fest.


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