Schienenverkehr: Italo plant Markteintritt in deutschen Fernverkehr
Der italienische Hochgeschwindigkeitszugbetreiber Italo(öffnet im neuen Fenster) bereitet seinen Markteintritt in Deutschland vor. Ab April 2028 will das Unternehmen der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Hinter dem Projekt steht Luca Cordero di Montezemolo. Der 78-jährige italienische Unternehmer und Italo-Chairman schilderte das Vorhaben in einem Interview mit der FAZ(öffnet im neuen Fenster). Die Organisation des Betriebs soll über die neu gegründete Tochtergesellschaft Atrium SE erfolgen, die als eigenständiges Unternehmen unter deutscher Führung geplant ist.
Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich auf rund 3,6 Milliarden Euro. Diese Summe beinhaltet die Anschaffung von 30 Hochgeschwindigkeitszügen des Typs Velaro von Siemens sowie einen langfristigen Wartungsvertrag. Geplant sind täglich 56 Verbindungen. Im Stundentakt sollen Züge zwischen München, Köln und Dortmund verkehren. Ein Zweistundentakt ist für die Strecke zwischen München, Berlin und Hamburg vorgesehen.
Arbeitsplätze und Preissenkungen angekündigt
Durch den Markteintritt sollen rund 2.500 neue Arbeitsplätze in den Bereichen Service und Betrieb entstehen. Erste Einstellungen könnten bereits im Juni 2026 vorgenommen werden. An der Produktion der Züge sind laut Italo zusätzlich mehr als 5.000 Industriearbeitsplätze beteiligt, die primär in Nordrhein-Westfalen angesiedelt sind.
Montezemolo verweist bei seinen Plänen auf Erfahrungen aus dem italienischen Markt. Dort seien die Ticketpreise seit dem Einstieg von Italo im Durchschnitt um etwa 40 Prozent gesunken. Der Unternehmer erwartet ähnliche Effekte für Deutschland und geht davon aus, dass der Wettbewerb die Servicequalität verbessern und die Attraktivität des Bahnfahrens steigern wird.
Regulatorische Hürden und Widerstand
Ob der geplante Starttermin im Jahr 2028 eingehalten werden kann, hängt von den regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Italo fordert langfristige Rahmenverträge für den Zugang zu den Trassen mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren. Nur so ließen sich die hohen Investitionen absichern.
Zudem gibt es bereits Widerstand gegen diese Pläne. Der Mobilitätsanbieter Flix legte Einsprüche in einem Verwaltungs- beziehungsweise Regulierungsverfahren gegen entsprechende Vereinbarungen ein. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet(öffnet im neuen Fenster), könnten diese rechtlichen Schritte den Markteintritt verzögern. Trotz dieser Hindernisse zeigt sich Montezemolo optimistisch und betont die Absicht, langfristig in den deutschen Schienenverkehr zu investieren.



