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Kosten des Netzausbaus sind bekannt

Schließlich zeichnet Katherina Reiche ein Bild von explodierenden Kosten für Netzausbau und Speicher und spricht von einer Deindustrialisierung, irritierenderweise in einem Moment, da Länder wie Südkorea oder Japan wegen des Kriegs im Iran über radikale Energiesparmaßnahmen bei Öl und Gas beraten. Sie rechnet vor, dass das Stromnetz im Jahr 2035 bis zu 90 Milliarden Euro kosten könnte.

Allerdings hätte sie diese sehr stolze Summe einmal auf die kWh Strom umrechnen sollen und berücksichtigen müssen, dass die Stromproduktion bis dahin deutlich angestiegen sein wird. Im Schnitt ergibt das 10 Cent je kWh, was auf dem Niveau der aktuellen Netzentgelte liegen würde.

Faktor Zeit wird unterschätzt

Was die Bundeswirtschaftsministerin im Grunde komplett außer Acht lässt, ist die Zeit. Denn nur dann hat sie recht. Stand jetzt kann die Energiewende nicht gelingen. Zu viel Energie fließt in Verkehr und Wärme, die ineffizient umgesetzt wird. In 10 oder 15 Jahren wird das anders aussehen – so wie das deutsche Stromnetz und Straßenbild vor 15 Jahren anders ausgesehen haben.

Es gab keine bezahlbaren Elektroautos, keinen Fachbetrieb, der ohne Weiteres eine Wärmepumpe installiert hätte, kein Balkonkraftwerk für 300 Euro und keine Stromspeicher, die in Containerform neben einem Windpark platziert worden sind.

All diese Komponenten müssen nach und nach aufgebaut werden. Das Stromnetz muss intelligenter werden – wird es auch, nur halt sehr langsam. Und modernisiert werden müssten Leitungen, Umspannwerke und Leitzentrale ohnehin. Das gehört bei einem modernen Industrieland dazu.

Ausbau der Erneuerbaren geht weiter

Statt mit falschen Zahlen und zweifelhaften Zusammenhängen das Bild eines überteuerten und deindustrialisierten Landes zu zeichnen, könnte das Wirtschaftsministerium mit den richtigen Steuern und Subventionen die Reduzierung der Abhängigkeit von Gas und Öl mitgestalten. Stattdessen wurden in letzter Zeit vor allem Gasheizungen und Verbrennungsmotoren am Leben erhalten, während verlässlich eine Gaskrise auf die nächste folgt.

Ein paar weitere Zahlen sprechen dafür, dass es mit den erneuerbaren Energien vielleicht doch noch klappen könnte, auch ohne Frau Reiches Zutun. In den letzten 25 Jahren stieg die Stromproduktion in Deutschland aus Wind und Sonne jährlich um 7 Prozent, egal unter welcher Wirtschaftsministerin. Ausgehend von 290 Terawattstunden im Jahr 2025(öffnet im neuen Fenster) ergäbe dies für das Jahr 2050 eine Stromerzeugung von 1.500 Terawattstunden, was in optimistischen Schätzungen der Höhe des Primärenergiebedarfs in jenem Jahr entspricht.

Weitere Energiequellen, ob bayerische Fusionskraftwerke oder über das Land verteilte Miniatomkraftwerke, sind in der Rechnung noch nicht einmal berücksichtigt. Gasturbinen ebenfalls nicht.


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