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Schattenbibliothek: Labels fordern 322 Millionen US-Dollar von Anna's Archive

Wegen des Schürfens von Millionen Spotify -Songs fordern Musikkonzerne nun Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe.
/ Nils Matthiesen
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Schadensersatzforderungen in astronomischer Dimension gegen Anna's Archive (Symbolbild) (Bild: Karolina Grabowska / Pexels)
Schadensersatzforderungen in astronomischer Dimension gegen Anna's Archive (Symbolbild) Bild: Karolina Grabowska / Pexels

Die Luft für die Schattenbibliothek Anna's Archive wird dünner. Nachdem das Portal Metadaten von über 250 Millionen Titeln und rund 86 Millionen Audiodateien der Streamingplattform Spotify extrahiert haben soll, fordern Spotify sowie die Major-Labels Sony, Universal Music Group (UMG) und Warner nun ein Versäumnisurteil in Rekordhöhe. Das berichtet Arstechnica(öffnet im neuen Fenster) . Insgesamt beläuft sich die geforderte Summe auf rund 322 Millionen US-Dollar. Die Betreiber reagierten bisher nicht auf die gerichtlichen Vorladungen in den USA, was das zuständige Gericht in New York bereits zertifizierte.

Juristische Trennung der Millionen-Forderungen

Die Kläger stützen ihre Forderungen auf zwei unterschiedliche rechtliche Säulen: Spotify verlangt allein 300 Millionen US-Dollar Schadensersatz wegen Verstößen gegen den Digital Millennium Copyright Act (DMCA). Diese Summe basiert auf einer Strafe von 2.500 US-Dollar für jede der rund 120.000 Dateien(öffnet im neuen Fenster) , die im Rahmen der Ermittlungen als Beweis für die Umgehung technischer Schutzmaßnahmen gesichert wurden. Die beteiligten Labels fordern zusätzlich insgesamt 22,2 Millionen US-Dollar für die Verletzung von Urheberrechten an einer kleinen Auswahl von jeweils etwa 50 Werken pro Label, was dem gesetzlichen Höchstsatz von 150.000 US-Dollar pro Titel entspricht.

Die astronomische Dimension des Falls zeigt sich in der theoretischen Hochrechnung: Würden die Labels diesen Satz auf die gesamte Sammlung von 86 Millionen Titeln anwenden, ergäbe sich eine Summe von etwa 13 Billionen US-Dollar. Die Kläger beschreiben das Vorgehen der Plattform als "eklatante und vorsätzliche Missachtung" geltenden Rechts.

Embargo nach "versehentlicher" Veröffentlichung

Obwohl Anna's Archive laut Klage fast 300 Terabyte an Daten von Spotify gescrapt hat, wurden bisher primär Metadaten zugänglich gemacht. Die Betreiber scheinen angesichts der massiven Klagewelle nun vorsichtiger zu agieren. Auf Reddit gab AnnaArchivist an, dass die Veröffentlichung der Musik-Torrents im Februar "versehentlich" erfolgt sei. Man habe diese nun mit einem Embargo belegt, da es "den zusätzlichen Ärger mit den Anwälten der Musikindustrie nicht wert" sei, bis man die eigene Resilienz gestärkt habe.

Trotz der Sperrung der Domains .org durch die Public Interest Registry sowie .li und .se durch Cloudflare bleibt die Plattform über Mirror-Seiten erreichbar. Cloudflare-Rechtsvorständin Alissa Starzak sagte Ars Technica, dass das Abschalten von DNS-Diensten oft nur eine kurzfristige Hürde darstelle, da die Inhalte selbst dadurch nicht gelöscht werden. Die Betreiber agieren weiterhin anonym, da sie sich wohl des Risikos langjähriger Haftstrafen bewusst sind.


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