Scharfe Kritik an Pistorius: Milliardenprojekt Digitalfunk funktioniert im Leopard nicht
Angesichts enormer Probleme bei der Ausrüstung der Bundeswehrfahrzeuge mit Digitalfunk wächst der Druck auf Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Geplant war die Serienintegration von etwa 10.000 Kampf- und Unterstützungsfahrzeugen der Bundeswehr ab Januar 2025. Aber bisher haben erst acht von etwa 150 Fahrzeugtypen eine Genehmigung zur Nutzung bekommen.
Die Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) gilt als zentral für die Einsatzfähigkeit, gerade für den Funkverkehr innerhalb der Nato. D-LBO soll auch dazu beitragen, dass das deutsche Militär für den Gegner nicht so leicht aufzuspüren ist.
Der Grünen-Verteidigungspolitiker Niklas Wagener hatte sich beim Panzerbataillon 393 im thüringischen Ort Bad Frankenhausen eine Umrüststraße angesehen und berichtete von großen Problemen. "Zwei Schrauber brauchen jeweils 200 Stunden, also fünf Wochen, bis das bei einem Leopard 2 eingebaut ist" , sagte Wagener der Süddeutschen Zeitung.
Übermittlung eines digitalen Lagebilds dauert bis zu 20 Minuten
Aber es gebe auch Probleme mit der Software. Beim Funken treten immer drei Sekunden Verzögerung auf, was im Krieg oder beim Anflug von Drohnen tödlich sein kann. Und Wagener berichtet, dass die Übermittlung eines digitalen Lagebilds zehn bis 20 Minuten dauern könne. Da sei der Feind längst woanders. Wageners Fazit: "Die verbandsweise Umrüstung ist gescheitert. Also das Konzept, dass ein Bataillon mit den ganzen Fahrzeugen zur Umrüstung kommt und in ein paar Wochen die Digitalisierung vollendet ist. In Schlüsselfahrzeugen wie dem Boxer ist es nicht gelungen, die Systeme erfolgreich einzubauen." Er sei erzürnt, wie sehr Pistorius die Probleme verschleppt habe.
Für das Projekt Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO) sind mehrere Milliarden Euro aus dem Bundeswehr-Sondervermögen vorgesehen. Zwei digitale VR500-Funkgeräte , die das Halten von zwei Funkkreisen ermöglichen, kommen von Rohde & Schwarz und bieten VHF- und UHF-Übertragung. Hier ist laut dem Hersteller neben Sprache eine Datenübertragung mit maximal 10 MBit/s möglich.
Auch die Tagesschau berichtete, dass der Einbau der Digitalfunkgeräte des deutschen Herstellers Rhode & Schwarz in rund 200 verschiedene Fahrzeugtypen der Bundeswehr kompliziert sei.
Helfen soll nun ein Mischbetrieb: "Interoperabilität D-LBO mit der Altwelt" , erklärte die Bundeswehr. Laut Tagesschau sollen die alten, analogen und leicht ortbaren Funkgeräte vorerst parallel weiterbetrieben werden.
Weitere fast 160 Millionen Euro für externe Berater
Laut der Tagesschau(öffnet im neuen Fenster) vorliegenden internen Unterlagen des Verteidigungsministeriums soll die bundeseigene zentrale IT-Dienstleisterin BWI einen Vertrag über technische und logistische Dienste mit einem Volumen von rund 156,7 Millionen Euro abschließen. Auftragnehmer sind Capgemini Deutschland, Pricewaterhouse Coopers und Msg Systems.
"Die jetzt von Boris Pistorius zugestandenen Probleme bei der Integration sind in höchstem Maße irritierend" , sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Thomas Röwekamp (CDU), der Süddeutschen Zeitung. "Sie gefährden die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr, ihre Interoperabilität mit anderen Streitkräften und insbesondere auch die Einsatzfähigkeit unserer künftigen Brigade in Litauen."
Digitalfunk müsse zuverlässig funktionieren
Pistorius müsse auch öffentlich Transparenz herstellen über das Ausmaß der Probleme bei dem Milliardenprojekt. "Die Sicherheit unserer Soldatinnen und Soldaten hängt ganz wesentlich davon ab, dass zentrale Systeme wie dieser Digitalfunk zuverlässig funktionieren."
Es wird erwartet, dass die Probleme auch bei der jährlichen Bundeswehrtagung am 7. November 2025 in Berlin(öffnet im neuen Fenster) eine Rolle spielen werden. Auch Pistorius nimmt daran teil.