Schadenersatz: Störung bei 1&1 Mobilfunk hält seit 3 Tagen an
1&1 Mobilfunk hat bestätigt, dass die Störung im vierten Mobilfunknetz Deutschlands noch nicht komplett beseitigt wurde. Es kommt weiterhin zu Einschränkungen und Einwahlproblemen. Unternehmenssprecherin Lisa Pleiß sagte Golem.de auf Anfrage: "Im Zuge eines Software-Updates kam es vorgestern zu einer technischen Störung des 1&1-5G-Netzes, die im Tagesverlauf behoben wurde. Als Nachwirkung des Vorfalls kommt es in Teilen des Netzes aber weiterhin zu Einschränkungen. Diese führen beispielsweise zu temporären Einwahlproblemen. Auch ist die Anlage von neuen Tarifen, der Wechsel in andere Tarife oder die Buchung zusätzlicher Datenpakete derzeit nicht möglich."
Weiter werde "mit Hochdruck daran gearbeitet, diese Einschränkungen zu beseitigen" , erklärte Pleiß.
Die ursprüngliche Störung war bereits auf Probleme bei einem Softwareupdate in der Nacht zum 27. Mai 2024 zurückzuführen. Davon waren laut Pleiß "circa vier Prozent unserer Mobilfunkkunden" betroffen. Rein rechnerisch sind das bei 12,25 Millionen Mobilfunkverträgen rund 490.000 Mobilfunknutzer.
Die Mobilfunkbetreiber spielen bei Netzstörungen das Ausmaß für die Kunden herunter. In dem Blog Borncity wird berichtet(öffnet im neuen Fenster) , dass 49 Prozent der Störungsmeldungen sich auf das Mobiltelefon bezogen, bei 31 Prozent gab es einen totalen Blackout und 20 Prozent hatten kein mobiles Internet.
Bundesnetzagentur sieht wie üblich keinen Anlass einzugreifen
Die Bundesnetzagentur erklärte Golem.de, dass man den Vorgang beobachte, aber keinen Grund für ein Eingreifen sehe. "Aktuell ist ein Eingreifen nicht notwendig. Im Nachhinein wird der Sicherheitsvorfall gegen die Anforderungen des Katalogs der Sicherheitsanforderungen und dem Inhalt des Sicherheitskonzepts geprüft" , sagte Behördensprecherin Marta Mituta. Sollten sich hier Abweichungen oder Verbesserungspunkte zeigen, werde die Bundesnetzagentur entsprechende Änderungen einfordern.
Die Bundesnetzagentur stehe im Kontakt mit dem jeweiligen Diensteanbieter (Drillisch) als auch mit dem betroffenen Netzbetreiber 1&1 Mobilfunk. Der Netzbetreiber 1&1 Mobilfunk sei laut Paragraf 168 Telekommunikationsgesetz zur Mitteilung von Sicherheitsvorfällen verpflichtet "und ist seiner Verpflichtung fristgerecht nachgekommen" , erklärte Mituta.
Open RAN in Europa
Betriebsstörungen in Telekommunikationsnetzen lägen im Verantwortungsbereich der jeweiligen Netzbetreiber.
"Das Thema liegt bei den Verbraucherzentralen der Länder, die über die Rechte der Verbraucher in solchen Fällen informieren" , erklärte Eva Simon vom Verbraucherzentrale Bundesverband Golem.de. Bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hieß es(öffnet im neuen Fenster) : "Seit Dezember 2021 können Verbraucher bei mehr als drei Tagen Internet- oder Telefonausfall einen Schadenersatz verlangen. Um einen Anspruch auf den Schadenersatz zu haben, müssen Verbraucher zunächst umgehend nach dem Ausfall des Anschlusses den Anbieter informieren. Hat der Anbieter den Schaden zu vertreten und behebt er den Ausfall binnen zwei Tagen nicht, so kann ab dem dritten Ausfalltag eine Entschädigung verlangt werden. Allerdings nur, wenn keine Ersatzversorgung angeboten wurde. Die Höhe der Entschädigung ist im Telekommunikationsgesetz (TKG) geregelt." So stehen dem Verbraucher am dritten und vierten Tag des Ausfalls je fünf Euro Schadenersatz pro Ausfalltag oder zehn Prozent der monatlichen Grundgebühr, je nachdem, welcher Betrag höher ist, zu.
1&1 Mobilfunk betreibt das erste Netz in Europa, das komplett auf Basis von Open RAN basiert. Open RAN kann bisher keine moderne 5G-Advanced- oder 5.5-G-Technik im RAN bieten. Der Standard ist ein Versuch der Netzbetreiber, zusammen mit US-amerikanischen und japanischen Herstellern professionelle Mobilausrüstung durch einfache Hardware und Entkopplung der Funktionen und deren Abbildung in Software zu ersetzen. Auf proprietäre, hochentwickelte Chips der Ausrüster und die entsprechende Software muss verzichtet werden, weshalb man nicht auf dem aktuellsten Stand der Technik ist. Die Netzbetreiber wollen mit dem Einsatz und der Entwicklung der Me-too-Technologie Open RAN die Macht der großen Netzausrüster brechen.
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