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Scentee im Test: Facebook riecht nach Erdbeere

Mit dem Duftspender Scentee verströmen Smartphone und Tablet Gerüche, wenn E-Mails oder Facebook -Benachrichtigungen eintreffen - von Kaffee über Lavendel bis Rosmarin. Richtig interessant wird das Konzept bei Multimediaanwendungen.
/ Tobias Költzsch
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Der Duftspender Scentee an einem iPad Mini (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Der Duftspender Scentee an einem iPad Mini Bild: Tobias Költzsch/Golem.de

Benachrichtigungen riechen statt hören - mit Scentee wird das Smartphone oder Tablet zum Duftspender. Der kleine Aufsatz für den Kopfhörerausgang gibt jedes Mal einen Duftstoß frei, wenn der Nutzer eine E-Mail oder Facebook-Benachrichtigung bekommt. Auch manuell kann der Nutzer die Duftbombe auslösen - oder zeitgesteuert in frei wählbaren Intervallen. Doch das Gerät ist nicht nur eine Spielerei für den Alltag, sondern eröffnet spannende Perspektiven, Multimediainhalte mit neuem Sinn zu erleben: dem Geruchssinn.

Scentee - Test
Scentee - Test (00:38)

Scentee besteht aus einer Basiseinheit, die über den Kopfhöreranschluss mit dem Smartphone oder Tablet verbunden wird. Diese hat einen eingebauten LED-Ring, der bei Benachrichtigungen in unterschiedlichen Farben leuchtet. Für den Geruch sorgt eine Duftkartusche, die in die Basiseinheit eingelegt wird. Aktuell bietet der Hersteller fünf Geruchsrichtungen an: Rosen, Erdbeere, Kaffee, Lavendel und Rosmarin. Das Angebot soll sich bald vergrößern. Mit der Scentee-Basiseinheit können mehrere Duftkartuschen parallel genutzt werden; wird eine Kartusche nicht verwendet, sorgt ein Stöpsel auf dem Sprühloch dafür, dass der Geruch in der kleinen Kapsel bleibt.

Damit Scentee funktioniert, ist eine spezielle App notwendig. Über sie verwaltet der Nutzer die auslösenden Benachrichtigungen; sie steht für iOS und Android zur Verfügung. In der aktuellen Version 1.2.0 versprüht das Scentee beim Eingang neuer E-Mails und VoIP-Anrufe sowie bei neuen Facebook-Benachrichtigungen seinen Duft. Probleme macht die Scentee-App unter Android: Der automatische Sprühvorgang funktioniert hier nicht, wir können den Scentee-Spender nur manuell auslösen. Das haben wir mit mehreren Android-Geräten unterschiedlicher Hersteller ausprobiert.

Lavendel oder Erdbeere auf Knopfdruck

Im Test mit einem iPad funktioniert die Duftbenachrichtigung beim Eingang neuer E-Mails oder Facebook-Benachrichtigungen jedoch sehr gut: Sobald eine neue Nachricht eintrifft, können wir diese erriechen. Der Sprühstoß kann in vier verschiedenen Längen erfolgen: 0,5, 1, 3 oder 5 Sekunden. Zudem kann die Farbe gewählt werden, in der der LED-Ring des Scentee beim Auslösen leuchtet. Scentee kann eigentlich auch in selbst zu bestimmenden Intervallen sprühen, das hat bei uns allerdings nicht funktioniert. Auch manuell lässt sich Scentee auslösen, dazu muss der Nutzer einfach eine Schaltfläche in der App drücken.

Grillen mit dem Scentee

Interessanter ist Scentee, wenn die Düfte an Multimediainhalte geknüpft werden. Hierfür hat Scentee bereits eine weitere App veröffentlicht: Hana Yakiniku, "Nasen-Yakiniku". Hier werden dem Nutzer verschiedene Arten von Yakiniku, einem japanischen Barbecue, in kleinen Filmen gezeigt. Über passende Geruchskartuschen kann der Nutzer dazu den Duft der brutzelnden Speisen erleben - wahlweise Rippchen, Rinderzunge oder gebutterte Kartoffeln. Was wie die kulinarische Zukunft aus einem dystopischen Science-Fiction-Film der 1950er Jahre klingt, zeigt durchaus die Perspektiven von Scentee: Gerade bei Spielen und kleinen Filmen könnte die Verbindung aus Geruch und Bild gut funktionieren und zu interessanten Wahrnehmungserlebnissen führen.

Für unterwegs eignet sich das Scentee aufgrund der Bauform wohl eher nicht, es ist für Innenräume gedacht. In unseren Büroräumen runzelten die Kollegen allerdings die Stirn über die wechselnden Gerüche von Lavendel und Erdbeere - nicht auszudenken, wie sie bei der Rippchen-Kartusche reagiert hätten. Unauffälliger wäre hier wohl der Kaffeegeruch gewesen, der dann aber seine Signalwirkung verfehlt hätte. Denn der Duftspender hat ein prinzipielles Problem: Wenn der Duft bereits in der Luft ist, sind weitere Benachrichtigungen deutlich schwerer zu erschnuppern. Zudem ist der Funktionsumfang aktuell noch sehr begrenzt, da nur wenige Apps unterstützt werden - laut den Scentee-Machern sind aber weitere in Vorbereitung.

Scentee kann über den Onlineshop des Herstellers(öffnet im neuen Fenster) bestellt werden. Das Einsteiger-Set mit der Basiseinheit und einer Duftkartusche kostet 35 US-Dollar, zusätzliche Duftkartuschen kosten jeweils 5 US-Dollar. Dazu kommen pro Bestellung Versandkosten von 30 US-Dollar plus eventuelle Zollgebühren und Mehrwertsteuer. Das Grillset Hana Yakiniku kann momentan nur über das japanische Amazon(öffnet im neuen Fenster) bestellt werden und kostet umgerechnet 35 Euro plus Versandkosten und Zollgebühren.

Fazit

Scentee ist nichts, was man wirklich braucht, sondern eine lustige Spielerei: Per Duft über eingegangene Nachrichten informiert zu werden, ist weder unverzichtbar noch besonders alltagstauglich. Zudem funktioniert Scentee bisher wirklich zuverlässig nur mit iOS-Geräten - und auch hier ist der Funktionsumfang noch limitiert, da es kaum unterstützte Apps gibt. Ein witziger Zeitvertreib ist Scentee aber allemal und mit umgerechnet um die 50 Euro auch nicht allzu teuer.

Sollte es der Hersteller des Scentee schaffen, auch Multimediainhalte zu odorisieren, könnte das Konzept ernsthaft interessant werden. In Spiele oder andere Inhalte eingebunden, könnte Scentee Gerüche mit visuellen Inhalten verbinden. Was der Hersteller hier künftig zeigen wird, bleibt abzuwarten. Bereits jetzt gibt es mit der Grill-App Hana Yakiniku einen ersten Vorgeruch, was mit Scentee gemacht werden kann - natürlich ist auch das noch eine Spielerei.


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