Saudi-Arabien: Brot und Computerspiele am Persischen Golf

Eine Milliarde US-Dollar ist Saudi-Arabien der E-Sport-Konzern ESL Gaming wert. Was steckt dahinter?

Artikel von Florian Zandt veröffentlicht am
Saudische Besucher einer Messe in Dubai
Saudische Besucher einer Messe in Dubai (Bild: Karim Sahib/AFP via Getty Images)

2022 ist schon jetzt ein gutes Jahr für Deals in Milliardenhöhe in der Gaming-Branche. Take-Two kauft Zynga, Microsoft kauft Activision Blizzard King, Sony kauft Bungie.

Inhalt:
  1. Saudi-Arabien: Brot und Computerspiele am Persischen Golf
  2. E-Sport-Washing und Gaming

Bei derart großen Namen kommt es schon mal vor, dass kleinere, aber potenziell symbolträchtige Geschäfte weniger Aufmerksamkeit bekommen. So wie der Deal zwischen der Savvy Gaming Group und dem schwedischen Medienkonzern MTG.

Letzterer verkauft den deutschen E-Sport-Konzern ESL Gaming für rund eine Milliarde US-Dollar an Erstere. Ändern soll sich laut ESL-Sprecher Daniel Ackermann dadurch erstmal nichts.

"Unsere Organisationsstruktur ist dieselbe wie zuvor, unsere Vision und unsere Führung sind dieselben geblieben", sagt Ackermann auf Nachfrage von Golem.de. "Wir haben nicht vor, Veranstaltungen von einer Region in eine andere zu verlegen, es sei denn, dies passt zu unserer Gesamtstrategie."

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So weit, so normal. Nur: Die Savvy Gaming Group (SGG) ist im Unterschied zu Sony, Microsoft oder Take-Two kein privates Unternehmen, sondern wird durch den saudi-arabischen Staat finanziert.

Das ist nur eines der Beispiele für die Strategie des Königreichs, durch staatlich gelenkte Firmen positive Presse zu generieren und Popkultur offensiv und auf allen Kanälen als Imagepolitur zu nutzen, um von zunehmenden Repressionen abzulenken.

Weg vom Öl, hin zur Technologie

Ende Januar bot die Webseite des neu gegründeten Unternehmens noch Infos zur Zielsetzung unter dem Motto "Level Up The Playing Field", Computerspiele und E-Sport wurden als Werkzeug für "bessere Unterhaltung, Gesundheit und Bildung" bezeichnet. Wenige Tage später ging die Seite wieder offline.

Die SGG gehört dem 1971 gegründeten saudi-arabischen Public Investment Fund (PIF), einem der größten Staatsfonds der Welt mit einem Vermögen von etwa 580 Milliarden US-Dollar. Vorsitzender von beiden Organisationen: der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman, der für eine neue Ausrichtung des Golfstaats steht und das Königreich de facto regiert.

"Unter Mohammed bin Salman ist aus einer Mehrprinzen- eine Einprinzenautokratie geworden. Er hat die meiste Macht auf sich als Person vereint, delegiert aber natürlich", erklärt Sebastian Sons.

Beteiligungen an Electronic Arts und Activision Blizzard

Sons beschäftigt sich seit zehn Jahren mit den Entwicklungen im Königreich und forscht am Center for Applied Research in Partnership with the Orient in Bonn unter anderem zur Außen- und Entwicklungspolitik von Saudi-Arabien.

"Um sich herum hat er ein Netzwerk aus teilweise sehr jungen Familienmitgliedern oder Technokraten installiert, die in seinem Sinne Politik machen. Dieses Netzwerk, ergänzt durch eine Riege an erfahrenen Diplomaten und Politikern, ist sein Machtzentrum."

Der Kauf von ESL Gaming ist nicht der erste Schritt von bin Salman in den Computerspielesektor, aber einer der größten. Über die vergangenen Monate hat der PIF bereits rund vier Milliarden US-Dollar in Anteile an Activision Blizzard King, Capcom, Nexon und Electronic Arts und Take-Two investiert.

Bei den Marktwerten der Unternehmen springen dabei zwar nur Beteiligungen in einstelliger Prozenthöhe heraus, aber da die Spielebranche boomt, fließt durch steigende Dividende auch mehr Geld in die Staatskasse.

Horizon Forbidden West - [PlayStation 5]

Eine inhaltliche Beschäftigung mit den vertriebenen Titeln dürfte dabei zweitrangig sein. Mit großer Wahrscheinlichkeit ging es ausschließlich um wirtschaftliche Diversifizierung und Image-Arbeit.

Die Strategie dürfte aufgehen: Rund 90 Prozent der 23 Millionen saudi-arabischen Gamer beschäftigen sich laut einer Studie der Boston Consulting Group mit E-Sport, im Königreich selbst leben etwa 100 professionelle Athleten.

Schon 2018 ging die Saudi Arabian Federation for Electronic and Intellectual Sports eine Partnerschaft mit Global E-Sport Resources ein, um diesen spezifischen Computerspielesektor weiterzuentwickeln. Im Sommer 2021 richtete die Sportbehörde des Königreichs ein Wohltätigkeits-E-Sport-Turnier aus.

Unterhaltung für eine neue Generation

Auch sonst bemüht sich bin Salman, dem Königreich nach außen einen modernen, offenen Anstrich zu geben. "Man möchte der jungen Bevölkerung zeigen, dass man ihnen Brot und Spiele gibt", erklärt Sons. Man zeige, "dass man im Unterhaltungssegment Jobs anbietet".

"Die Jugendarbeitslosigkeit ist bei etwa 30 Prozent, da ist der Tourismus und die Unterhaltungsbranche ein lukrativer Markt." Neue Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe würden gerade von der jungen, sehr gut ausgebildeten Mittelschicht aus den Städten gut angenommen.

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E-Sport-Washing und Gaming 
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The IT-Guy 07. Mär 2022

Vorbei mit weiblichen Spielerinnen.

tomate.salat.inc 01. Mär 2022

Sie wollen weg vom Öl. Die Einnahmequelle ist langfristig nicht mehr sicher - darum...

muraga 01. Mär 2022

Solange der Westen von Tyrannen profitiert und sie es nicht übertreiben, dürfen sie...



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