E-Sport-Washing und Gaming

Für Musikfestivals werden internationale Star-DJs eingeflogen, Kinos wiedereröffnet, Formel-1-Strecken gebaut, Wrestling-Matches veranstaltet und nebenbei erwirbt bin Salman über den PIF auch noch den britischen Fußballverein Newcastle United.

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Diese und weitere Modernisierungsmaßnahmen laufen unter dem Namen Vision 2030 zusammen. Das 2016 von bin Salman gestartete Projekt soll das Königreich weg von der auf Öl ausgerichteten Wirtschaft hin zu einer progressiven Ökonomie führen.

Diese Offenheit hat laut Sons allerdings ihren Preis. "Das geht einher mit einer Zunahme der politischen Repression", sagt er. "Kritik am Kronprinzen und seiner Vision 2030 ist zu einem sehr großen Problem geworden und führt dazu, dass Kritiker verhaftet oder unter Hausarrest gestellt werden. Das hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen."

Belegt werden Sons' Aussagen unter anderem durch einen Bericht der NGO Americans for Democracy & Human Rights in Bahrain.

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Neben Investitionen in ausländische Firmen gehören auch die Stärkung der saudi-arabischen Wirtschaft und die Durchführung sogenannter Giga-Projekte wie der Mega-Metropole Neom zu den Zielsetzungen des PIF.

Dort soll beispielsweise das erste AAA-Spielestudio in der Region entstehen - und das, obwohl das Projekt erst 2020 durch den Entzug des Sponsorenstatus für die League of Legends European Championship negative Schlagzeilen machte.

Saudi-Arabien hat ein Problem mit Menschenrechten

Der Grund für die schlechte Presse: Saudi-Arabiens Umgang mit Menschenrechten. Neben der seit 2015 andauernden Militärintervention im Jemen dürfte der Mord am Journalisten und Medienberater Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat von Istanbul das derzeit prägendste Ereignis in dieser Hinsicht sein

Das dürfte ein Grund sein für bin Salman, der von Kritikern bis heute mit der Tat in Verbindung gebracht wird, das Image des Königreichs noch energischer aufzupolieren.

"Mohammed bin Salman ist zu einer persona non grata in den USA geworden, und auch kein deutscher Politiker würde derzeit auf die Idee kommen, sich mit ihm sehen zu lassen", sagt Sons. "Das hat dazu geführt, dass Saudi-Arabien sich anderen Partnern zuwendet, China zum Beispiel, Indien oder Russland."

Innerhalb des Königreichs habe man den Mord zwar auch als politische Katastrophe wahrgenommen und Sons' Gesprächspartner in Saudi-Arabien seien schockiert ob der Grausamkeit gewesen. Gleichzeitig hätten sie sich aber enttäuscht darüber gezeigt, dass man immer nur über die negativen Entwicklungen im Land berichte.

Neuer Nationalismus

Das wiederum spielt laut Sons bin Salman in die Karten. "Er nutzt den Khashoggi-Mord auf subtile Weise, um zu sagen: 'Wir müssen die Reihen schließen und versuchen, gemeinsam zu agieren. Ich bin euer Schutzpatron, der euch in eine neue Zeit führt, und dafür verlange ich von euch Vertrauen und Loyalität'", sagt der Wissenschaftler.

"Das führt dazu, dass man in Saudi-Arabien einen neuen Nationalismus erlebt, und Mohammed bin Salman ist derjenige, der das schürt. Damit zeigt er, dass es keine Alternative zum Kronprinzen gibt, die Alternative wäre Chaos und Anarchie."

Seine Untertanen scheint bin Salman damit auf seine Seite ziehen zu können, aber wie sieht es mit seinen Geschäftspartnern aus?

Computerspiele, das apolitische Medium?

Weder die Pressestelle des PIF noch die des ehemaligen ESL-Besitzers MTG reagierten auf entsprechende Nachfragen von Golem.de. Daniel Ackermann von ESL Gaming gibt sich hingegen neutral: "Unsere Eigentümer sind ein rein kommerzielles Unternehmen und als solches bleibt unsere unpolitische Haltung unverändert", teilt der Pressesprecher Golem.de auf Anfrage mit.

"Wir bleiben eine globale Organisation, die Wettbewerbe für Gamer auf der ganzen Welt veranstaltet." Auf dem Papier mag die Savvy Gaming Group ein kommerzielles Unternehmen sein, de facto ist sie allerdings eher eine von Staatsgeldern finanzierte Organisation, die sich gut im Portfolio der Investitionen des Kronprinzen macht.

Sprechen Kritiker im Rahmen des Kaufs von Newcastle United und dem Bau einer Formel-1-Strecke von "Sportswashing", könnte man hier also von "E-Sportswashing" sprechen, das auch in naher Zukunft noch große Bedeutung haben dürfte.

Horizon Forbidden West - [PlayStation 5]

So will der PIF beispielsweise weitere 17 Prozent am Prügelspielproduzenten SNK erwerben - und hätte damit eine 51-Prozent-Mehrheit und sein erstes internationales Videospielstudio im Portfolio, dessen Titel sich perfekt für E-Sport eignen.

Versprechungen, Initiativen und die Gründungen neuer Firmen wie der Savvy Gaming Group funktionierten allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt, auch wenn sich das Denken der jungen Menschen in Saudi-Arabien dadurch geändert habe, sagt Sebastian Sons.

"Apps zu entwickeln, Spieldesigner zu werden, Startups zu gründen, das sind Optionen, die vom Staat gefördert werden. Entsprechende Initiativen werden vielleicht nicht erfolgreich sein, aber sie haben das Klima verändert", erklärt er.

Die Zeit arbeitet gegen bin Salman

Noch hat bin Salman die Möglichkeit, sich das Vertrauen gerade der jungen Bevölkerung auf Dauer zu sichern. Die Zeit und der Trend sind allerdings gegen ihn: Laut Daten der World Bank steigt die Jugendarbeitslosigkeit, einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Umstellung des Landes, seit Einführung von Vision 2030 konstant an und war 2019 auf dem zweithöchsten Stand seit 2007.

Auch Sons sieht diese Entwicklung als den größten Stolperstein für bin Salman. "Die Geduld der Menschen ist natürlich endlich. Am Ende des Tages wird sich alles daran messen, ob die Arbeitslosigkeit gesenkt wird und neue Investitionen ins Land kommen. Damit steht und fällt sein Geschäftsmodell."

Bin Salman mag also alle Investitionsfäden in der Hand halten. Aber ob sein Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit von E-Sport und die Marke ESL Gaming, die bis zuletzt Jahr für Jahr rote Zahlen geschrieben hat, auch außerhalb der E-Sport-affinen saudi-arabischen Jugend Früchte trägt, ist mehr als fraglich.

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 Saudi-Arabien: Brot und Computerspiele am Persischen Golf
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The IT-Guy 07. Mär 2022

Vorbei mit weiblichen Spielerinnen.

tomate.salat.inc 01. Mär 2022

Sie wollen weg vom Öl. Die Einnahmequelle ist langfristig nicht mehr sicher - darum...

muraga 01. Mär 2022

Solange der Westen von Tyrannen profitiert und sie es nicht übertreiben, dürfen sie...



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