Saubere Energie: Strom aus dem Gewächshaus

Mit teildurchlässigen Spiegeln zweigen Schweizer Forscher das Lichtspektrum, welches Pflanzen nicht benötigen, ab, um Strom zu erzeugen.

Artikel veröffentlicht am , Wolfgang Kempkens
Spiegel im Gewächshaus, die das Licht aufspalten
Spiegel im Gewächshaus, die das Licht aufspalten (Bild: Voltiris)

Webers Pflanzen sind wählerisch, wenn es um Licht geht. Sie nutzen nur einen Teil des Spektrums. Der Rest verpufft gewissermaßen nutzlos. Damit macht Voltiris jetzt Schluss, ein Spin-off der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) in der Schweiz. Nicolas Weber, CEO von Voltiris, hat mit seinem Team ein spezielles System für Gewächshäuser entwickelt, das die Pflanzen mit Licht versorgt und gleichzeitig Strom zum Heizen erzeugt.

Stellenmarkt
  1. Network / Security Engineer (m/w/d)
    HCD Consulting GmbH, München
  2. Projektleiter (w/m/d) im Bereich Breitbandinfrastruktur
    RBS wave GmbH, Stuttgart, Ettlingen
Detailsuche

Es arbeitet wie ein teildurchlässiger Spiegel, der die blauen und roten Teile des Sonnenlichtspektrums passieren lässt, die Farben, die die darin wachsenden Gemüsepflanzen benötigen. Den Rest, vor allem Grün und Nahinfrarot, leitet er um, sodass er auf Solarzellen fällt, die Strom erzeugen. Die Spiegel werden je nach dem Stand der Sonne bewegt, sodass sowohl Pflanzen als auch Solarzellen stets optimal versorgt werden - die Bestrahlungszeit steigt dadurch um 40 Prozent an. Die Module können an die Besonderheiten jeder Kulturart angepasst werden: Tomaten, Gurken, Blumen, Früchte und so weiter, versichert das Unternehmen.

Licht ist unabdingbar für die Fotosynthese, also die Produktion von Glukose und Sauerstoff, wobei Wasser und Kohlenstoffdioxid (CO2) gewissermaßen assistieren. Licht ist auch für den Fototropismus, das Wachstum der Pflanzen in eine Richtung, also nach oben, wichtig, sowie für den Fotoperiodismus, die wissenschaftliche Bezeichnung fürs Blühen.

Mit seiner Technik will Voltiris ein Grundproblem der Obst- und Gemüsebauern lösen, die Gewächshäuser nutzen. "Es kostet mehr als 1,5 Millionen Franken pro Jahr, ein fünf Hektar großes Gewächshaus zu heizen", sagt Weber, das entspricht derzeit 1,53 Millionen Euro. Dabei entsteht so viel CO2 wie 2.000 Menschen pro Jahr emittieren. Der Schweizerische Verband der Obst- und Gemüsebauern, der landesweit mehrere Tausende Hektar bewirtschaftet, will bis 2040 auf alle fossilen Brennstoffe verzichten, also umweltneutral produzieren. Dazu könne das Voltiris-System einen entscheidenden Beitrag leisten, heißt es aus dem Unternehmen. Der Energiebedarf eines Gewächshauses lasse sich so zu 60 bis 100 Prozent decken.

Erneuerbare Energien und Klimaschutz: Hintergründe - Techniken und Planung - Ökonomie und Ökologie - Energiewende (Deutsch)
Golem Karrierewelt
  1. Deep Dive: Data Governance Fundamentals: virtueller Ein-Tages-Workshop
    22.02.2023, Virtuell
  2. Container Technologie: Docker und Kubernetes - Theorie und Praxis: virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.-16.12.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

In diesem Sommer bestand das System seine Bewährungsprobe in zwei Gewächshäusern in den Kantonen Wallis und Graubünden. Spiegel und Solarzellen passen in den ungenutzten Raum oberhalb der Pflanzen, sind also problemlos in jedem Gewächshaus zu montieren. Das System soll sich innerhalb von vier bis sieben Jahren amortisieren, danach also Gewinne abwerfen. Sowohl die Strom- als auch die Ernteerträge entsprechen denen, die in konventionellen Gewächshäusern erzielt werden.

Die Schweiz hat in den letzten Jahren Anreize geschaffen, um die Gewächshausbetreiber zu ermutigen, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Bestehende Alternativen wie Holz, Biokraftstoff und Geothermie werden möglicherweise nicht ausreichen. Hier könnte die Sonne ins Spiel kommen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Künstliche Intelligenz
Werden Computer so schlau wie Menschen?

Das Feld der künstlichen Intelligenz hat in den letzten zehn Jahren rasante Fortschritte gemacht. Wird der Computer den Menschen in puncto Intelligenz und Kreativität einholen? Und was dann?
Von Helmut Linde

Künstliche Intelligenz: Werden Computer so schlau wie Menschen?
Artikel
  1. Die große Umfrage: Das sind Deutschlands beste IT-Arbeitgeber 2023
    Die große Umfrage
    Das sind Deutschlands beste IT-Arbeitgeber 2023

    Golem.de und Statista haben 23.000 Fachkräfte nach ihrer Arbeit gefragt. Das Ergebnis ist eine Liste der 175 besten Unternehmen für IT-Profis.

  2. Monitoring von Container-Landschaften: Prometheus ist nicht alles
    Monitoring von Container-Landschaften
    Prometheus ist nicht alles

    Betreuer von Kubernetes und Co., die sich nicht ausreichend mit der Thematik beschäftigen, nehmen beim metrikbasierte Monitoring unwissentlich einige Nachteile in Kauf. Eventuell ist es notwendig, den üblichen Tool-Stack zu ergänzen.
    Von Valentin Höbel

  3. HEDT: Intel zeigt aus Versehen 34-Core Raptor-Lake-Prozessoren
    HEDT
    Intel zeigt aus Versehen 34-Core Raptor-Lake-Prozessoren

    Auf der Innovation hat Intel offenbar unfreiwillig den Nachfolger von Cascade-Lake präsentiert. Ein Wafer enthielt statt der Raptor-Lake-Desktop-Chips augenscheinlich Workstation-Prozessoren.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • 3 Spiele für 49€ • Saturn Gutscheinheft • Günstig wie nie: LG OLED 48" 799€, Xbox Elite Controller 2 114,99€, AOC 28" 4K UHD 144 Hz 600,89€, Corsair RGB Midi-Tower 269,90€, Sandisk microSDXC 512GB 39€ • Bis zu 15% im eBay Restore • MindStar (PowerColor RX 6700 XT 489€) [Werbung]
    •  /