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Satellitenspionage: Eine Relaisstation für Putins Afrikakorps

Von Wiens Dächern funkt Russland zum Afrikakorps und spioniert Datenverkehr aus. Österreichs Regierung will das nun unterbinden – mit mäßigen Aussichten.
/ Erich Moechel
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Diese Anlage steht auf einem Gebäude der russischen Botschaft im 3. Bezirk in Wien. (Bild: CC 3.0 Nomen Nescio)
Diese Anlage steht auf einem Gebäude der russischen Botschaft im 3. Bezirk in Wien. Bild: CC 3.0 Nomen Nescio
Inhalt
  1. Satellitenspionage: Eine Relaisstation für Putins Afrikakorps
  2. Eine Relaisstation für das ''Afrikakorps''
  3. Was VSAT-Terminals verraten
  4. Zur rechtlichen Lage

Die österreichische Bundesregierung bereitet eine Ausweitung des Straftatbestands der Spionage vor. Agententätigkeit für einen Drittstaat ist bis jetzt nur strafbar, wenn sie gegen österreichische Interessen gerichtet ist. Spionage gegen internationale Organisationen und EU-Staaten soll nun ebenfalls unter das Strafrecht fallen.

Von der mittlerweile international bekannten Satellitenspionagestation auf dem Dach der russischen UN-Botschaft nahe der Wiener UNO-City werden Downlinks vor allem von der Eutelsat-Flotte abgezapft. Über diese Satelliten kommunizieren zum Beispiel UN-Büros, Hilfsorganisationen oder Botschaften in Afrika mit ihren Leitstellen. Doch es gibt noch eine weitere solche Station in Wien, die bis jetzt kaum beachtet wurde.

Nachdem ORF Wien die Recherchen von Golem zu den SIGINT-Anlagen aufgegriffen hatte, wurde der Botschafter der Russischen Föderation ins Wiener Außenamt zitiert. Er wurde aufgefordert, die diplomatische Immunität von drei Botschaftsangehörigen aufzuheben, gegen die von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst wegen Spionageverdachts ermittelt werde.

Am 3. Mai 2026 wurde bekannt, dass diese drei Personen zu "Personae non gratae"erklärt wurden und Österreich bereits verlassen haben. Die russische Vertretung in Wien bezeichnete den Vorgang "als ausschließlich politisch motiviert und kategorisch inakzeptabel".

Westlich des Nullmeridians

Bei der weiteren, bis jetzt kaum beachteten Station, handelt es sich um eine Ansammlung von Sat-Antennen auf den Gebäuden der russischen Botschaft bei der Republik Österreich im 3. Bezirk, deren Ausmaß vom Straßenniveau nicht sichtbar ist. Die drei größten Dishes mit Durchmessern von 2 bis 3 m zeigen allesamt auf Orbitalpositionen westlich des Nullmeridians.

Einer dieser Dishes ist mit einer Sende-Endstufe bestückt. Er dient also nicht zur militärischen Signalaufklärung, sondern zur Kommunikation über einen Satelliten der Russischen Föderation. Über diesen Dish wird allerdings nicht mit Moskau kommuniziert, sondern mit dem westlichen Afrika.

Der Zielsatellit dieser Sendeschüssel steht auf etwa 15° West über dem Atlantik vor Westafrika. Wie alle geostationären Sats fliegt er mit rund 11.000 km/h in etwa 36.500 Kilometern Höhe über dem Äquator, was ihn scheinbar stillstehen lässt.

15° West über dem Atlantik

Zur Methodik

Die Position des fraglichen Sats wurde mit einem Sat-Ausrichtungsprogramm und zum Vergleich mit einer nautischen Software anhand der Ausrichtung der Schüssel gemessen. Die Datengrundlage dafür stammt von Luftbildaufnahmen der Magistratsabteilung 41 in Wien(öffnet im neuen Fenster). Naturgemäß sind solche Messungen aus Luftbildern nie ganz genau, sondern haben Fehlerraten. In diesem Fall wurde von einer Abweichung von +/- zwei Grad ausgegangen.

Im fraglichen Orbitalsegment stehen gleich vier russische Satelliten, zwei davon konnten ausgeschlossen werden. Elektro L2 (14,5° West)(öffnet im neuen Fenster) ist ein Wettersatellit, der betagte Ekspress AM 44 (11° West)(öffnet im neuen Fenster) hat seine Lebenszeit schon weit überschritten.

Sehr wahrscheinlich wird mit diesem Dish über Ekspress AM8 (14° West)(öffnet im neuen Fenster) kommuniziert, der über Transponder sowohl im C-Band als auch im Ku-Band verfügt. Wie alle Sats der Ekspress-Klasse ist AM8 ein Mehrzweck-Satellit, der sowohl über Transponder für TV als auch für Datendienste verfügt.


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