Was VSAT-Terminals verraten
Warum Datenverkehr via Satellit für "Signals Intelligence" so attraktiv ist, hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist, dass der Internetverkehr in der Regel unverschlüsselt ist. Die im Netz gebräuchliche TLS-Transportverschlüsselung endet in den Rechnern der Bodenstation, von der die Terminals gesteuert werden. Den Transfer über den Sat zum VSAT-Terminal (PDF)(öffnet im neuen Fenster) legen alle Daten in der Regel unverschlüsselt zurück.
Militär und Botschaften setzen deshalb Chiffriercomputer an beiden Seiten ein, auch PGP-verschlüsselte E-Mails funktionieren. Der übrige Internet-Traffic von Schiffen, Flugzeugen und Bohrplattformen, von Hilfsorganisationen und Unternehmen ist über die Downlinks unverschlüsselt verfügbar.
In diese Downlinks schielen die großen Schüsseln in Wien 22(öffnet im neuen Fenster) hinein. Mobilfunkfirmen aus Flächenstaaten wiederum nutzen Sat-Transponder, um große Datenmengen von den Netzperipherien an die Zentralen zu überspielen. Hier gibt es IMSI-Kennungen, Standorte und alles andere an Metadaten, was das SIGINT-Herz begehrt.
Die Verbindungen nach Osten
Die übrigen Antennen auf dem Botschaftsdach haben keine Stellmotoren, sondern sind fix auf Satelliten im Osten ausgerichtet. Aufgrund ihrer geringeren Größe und weil es sich um Offset-Dishes handelt, die senkrecht stehen, kann ihre Ausrichtung eher geschätzt als gemessen werden. Sie zeigen allesamt auf Positionen im Orbit irgendwo zwischen rund 35° und 40° Ost. Und dort stehen zwei weitere Satelliten der Ekspress-Klasse, nämlich AMU1 (36° Ost)(öffnet im neuen Fenster) und AM7 (40° Ost)(öffnet im neuen Fenster).
Da die Feeds dieser Dishes nicht sichtbar sind, lässt sich zwar nicht sagen, welche sendetauglich und welche Empfangsantennen sind. Wie die historischen Luftbildaufnahmen des Wiener Magistrats aber zeigen, sind sie schon länger so montiert. Es kann daher angenommen werden, dass über mindestens zwei dieser Schüsseln die Kommunikationen mit Russland abgewickelt werden, die von der Westseite dieser Station dann nach Afrika weitergeleitet werden und umgekehrt.



