Satellitennetz: Amazon Leo rückt dem Start näher
Amazon Leo ist erstmals groß genug für einen begrenzten Start des eigenen Satelliteninternets. Nach dem jüngsten Flug einer Atlas-V-Rakete zählt die Konstellation 396 ausgesetzte Satelliten im niedrigen Erdorbit. Das geht aus Amazons laufend aktualisierter Missionsübersicht(öffnet im neuen Fenster) hervor.
Warum dieser Stand für den lange unter dem Namen Project Kuiper entwickelten Dienst wichtig ist, machte Chris Weber deutlich(öffnet im neuen Fenster), der bei Amazon Leo für Geschäft und Produktentwicklung zuständig ist. Ihm zufolge reicht die derzeitige Satellitengruppe inzwischen aus, um in ersten Breitenbereichen einen kontinuierlichen Dienst anzubieten. Damit sieht sich Amazon weiter auf Kurs, die geplante kommerzielle Verfügbarkeit noch in diesem Jahr zu erreichen.
Der jüngste Zuwachs stammt aus Amazons achter und letzter Atlas-V-Mission für Leo. Bei dem Flug mit United Launch Alliance (ULA) kamen 29 weitere Satelliten hinzu. Insgesamt brachte diese Startserie 224 Leo-Satelliten in den Orbit. Sie werden zunächst auf rund 465 Kilometern getestet und anschließend auf 630 Kilometer angehoben. Von dort aus sollen sie später den Internetdienst Amazons unterstützen.
Starlink bleibt der Maßstab
Der Vergleich mit Starlink zeigt noch einen großen Abstand. SpaceX ist mit seinem Satelliteninternet seit Jahren am Markt und betreibt nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Starlink-Satelliten. Während Starlink sein Netz vor allem erweitern und erneuern muss, muss Amazon Leo erst in die Breite bringen. Entscheidend ist nun, ob der Konzern zügig nachlegt und daraus ein Angebot macht, das Kunden tatsächlich buchen und nutzen können.
Dafür soll die nächste Startphase mehr Tempo bringen. Nach dem Ende der Atlas-V-Flüge rückt bei ULA die Schwerlastrakete Vulcan in den Mittelpunkt. Sie soll zunächst 40 Leo-Satelliten pro Mission tragen, elf mehr als die vergangenen Atlas-V-Starts. Parallel macht Amazon in Florida weitere Satelliten für den ersten Vulcan-Start und spätere Missionen startklar. Mit mehr als 100 gesicherten Starts reservierte der Konzern dafür bereits einen großen Teil der nötigen Transportkapazität.
FCC-Frist bleibt bestehen
Regulatorisch bleibt der Zeitplan trotzdem ambitioniert. Die FCC hatte Amazon 2020 zunächst eine Konstellation mit 3.236 Satelliten genehmigt. Nach späteren Anpassungen (PDF-Dokument)(öffnet im neuen Fenster) umfasst die aktuelle Gen1-Genehmigung 3.232 Satelliten. Eigentlich sollte bis Ende Juli 2026 die Hälfte davon in Betrieb sein. Anfang Juni gewährte die Behörde dem Konzern jedoch eine begrenzte Ausnahme.
Die Begründung zeigt zugleich, warum die Auflage nicht einfach verschwindet: Eine weitere große Satelliteninternetkonstellation neben Starlink liegt aus Sicht der FCC im öffentlichen Interesse. Die Frist für den vollständigen Ausbau bis Ende Juli 2029 bleibt aber bestehen. Gemessen an den 396 ausgesetzten Satelliten fehlen Amazon damit noch 2.836 Einheiten bis zur regulatorischen Zielmarke.
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