Satellitenkonstellation: Großbritannien und indischer Netzbetreiber kaufen Oneweb

Der Starlink-Konkurrent ist wohl vor dem Bankrott gerettet. Ausbaupläne mit 48.000 Satelliten in hohen Orbits lösen Entsetzen in astronomischen Fachkreisen aus.

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Oneweb ist wohl vor dem Bankrott gerettet.
Oneweb ist wohl vor dem Bankrott gerettet. (Bild: Oneweb / Screenshot (Golem.de))

Die Betreiber der Oneweb-Satellitenkonstellation mussten im März wegen Finanzierungsprobleme durch Softbank Bankrott anmelden, nun scheint das Unternehmen gerettet. Wie Oneweb mitteilt, gingen die Anteile in einer Auktion an ein Konsortium aus der indischen Telekommunikationsfirma Bharti Global Limited, mit über 400 Millionen Kunden eine der größten weltweit, und die "Regierung Ihrer Majestät" des Vereinigten Königreichs.

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Insgesamt beträgt die Kaufsumme rund eine Milliarde US-Dollar, die den Start und Betrieb der ersten 650 Satelliten der Konstellation sicherstellen sollen. Oneweb-Satelliten machten die Hälfte aller 2020 und 2021 geplanten Raketenstarts von Arianespace aus, deren Chef sich mit dem Ausgang der Auktion sehr zufrieden zeigte. Die Finanzierungslücke des Unternehmens ist jedoch doppelt so groß und die Suche nach weiteren Kreditgebern wird wohl zur ersten Aufgabe der neuen Anteilseigner gehören. Außerdem müssen noch die restlichen Gläubiger, das zuständige Insolvenzgericht und die Regulierungsbehörden zustimmen. Dieser Prozess soll noch bis Ende des Jahres andauern.

Britische Regierung will Galileo-Ersatz

Während sich Bharti auf das kommerzielle Telekommunikationsgeschäft mit Kunden in Indien und Afrika konzentrieren will, sieht die britische Regierung die Oneweb-Anteile als strategische Investition. Insbesondere das amerikanische Militär hat in der Vergangenheit von ähnlichen Konstellationen wie Iridium, Globalstar oder Orbcomm Gebrauch gemacht und erprobt gerade den Betrieb von Starlink.

Außerdem soll mithilfe der Satelliten ein globales Navigationssytem für Großbritannien entstehen. Der Schritt sorgte in einigen Kreisen für Irritationen, da die ähnlichen Systeme GPS, Glonass, Galileo und Beidou in viel höheren Orbits aufgebaut wurden und Oneweb nur für Nachrichtensatelliten geplant wurde. Allerdings bestehen die Satelliten aus einem flexiblen Bus, der verschiedene Nutzlasten aufnehmen kann und die für den Zweck modifiziert werden könnten. Die höheren Orbits wurden in anderen Systemen nur gewählt, um für eine globale Abdeckung weniger Satelliten starten zu müssen.

Ausbaupläne gefährden die Astronomie

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Für wesentlich größere Irritationen sorgen hingegen die von Oneweb beantragten Lizenzen zum Betrieb von etwa 48.000 Satelliten in einem Orbit von rund 1.100 km Höhe. Das sind zwar per Definition niedrige Erdorbits, sie liegen jedoch doppelt so hoch wie die Starlink-Satelliten. Ursprünglich sollten auch diese Satelliten so hoch fliegen, jedoch änderte SpaceX die Pläne, weil defekte Satelliten und Weltraumschrott in solchen Höhen über Jahrtausende in stabilen Orbits bleiben und in der Nacht viel länger astronomische Beobachtungen stören können.

Astronomen zeigen sich entsetzt über die möglichen Auswirkungen, falls die Pläne realisiert werden sollten. Wegen der höheren Orbits und kleineren Ausmaße sind die Oneweb-Satelliten zwar nicht mit bloßem Auge am Nachthimmel zu sehen, aber sie bewegen sich langsamer am Himmel als die von Starlink. Sie bleiben also länger über jedem Pixel der CCD-Sensoren und haben deshalb für die Wissenschaft ähnlich schädliche Auswirkungen wie Starlink-Satelliten der ersten Generation ohne die zur Zeit im Test befindlichen Sonnenschirme.

Wegen der höheren Orbits werden die Satelliten noch dazu in der Nacht viel länger von der Sonne angestrahlt und verschwinden im Sommer fast gar nicht mehr im Erdschatten. Praktisch alle astronomischen Beobachtungen mit mittelgroßem oder sehr weitem Gesichtsfeld wären stark vom reflektierten Licht der Satelliten betroffen. Während astronomische Vereinigungen wie die Europäische Südsternwarte (ESO) die Zusammenarbeit mit SpaceX als sehr erfolgreich lobten, gibt es keinen regelmäßigen Austausch zwischen Astronomie und dem Oneweb-Konsortium.

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