Startkosten im Detail

SpaceX wird wahrscheinlich 26 oder 27 Satelliten pro Rakete starten. Die beantragte Zahl der Satelliten pro orbitaler Ebene entspricht immer einem Vielfachen von 25, hinzu kommt noch jeweils ein Ersatzsatellit. Außerdem wiegen 27 Satelliten mit einer Masse von je 386 Kilogramm knapp 10,5 Tonnen, was knapp unter der maximalen Belastungsfähigkeit des derzeit größten Nutzlastadapters in der Falcon 9 im User Guide der Rakete liegt.

Die insgesamt 177 Starts würden 11 Milliarden US-Dollar kosten, wenn sie zum kommerziellen Startpreis einer Falcon-9-Rakete verkauft würden, die nicht wiederverwendet wird (62 Millionen US-Dollar pro Start). Durch die Wiederverwendung der ersten Stufe soll der kommerzielle Preis einer Falcon-9-Rakete um etwa ein Drittel, auf rund 40 Millionen US-Dollar sinken. Zukünftige Entwicklungsstufen der Falcon 9 sollen häufiger wiederverwendet werden können, womit die Kosten noch weiter sinken dürften.

27 Satelliten sind jedenfalls leicht genug für den Rückflug der ersten Stufe in die Nähe der Startrampe, um sie dort mit minimalem Aufwand wiederverwenden zu können. SpaceX hat noch bis ins Jahr 2019 Zeit, um das Verfahren zu optimieren. Außerdem werden die Starts von SpaceX zu Selbstkosten durchgeführt, ohne die sonst übliche Profitmarge. Die Startkosten für die rund 4.500 Satelliten werden damit in der Größenordnung von 5 bis 6 Milliarden US-Dollar liegen.

Es bleiben 1 bis 2 Millionen US-Dollar pro Satellit

Somit verblieben im Budget noch etwa 5 bis 10 Milliarden US-Dollar für die Herstellung der eigentlichen Satelliten, oder etwa ein bis zwei Millionen US-Dollar pro Stück. SpaceX will etwa 60-mal so viele Satelliten wie Iridium bauen, in der halben Größe. Auch den Bau der Satelliten wird SpaceX zu Selbstkosten durchführen und nicht an eine Fremdfirma abgeben. Kosten in der Größenordnung von ein oder zwei Millionen US-Dollar pro Stück sollten unter diesen Voraussetzungen erreichbar sein.

Die Kostenschätzung ist also durchaus realistisch. Auch die notwendige Startrate ist keineswegs weltfremd. In den 1970er und 1980er Jahren startete im Schnitt mehr als eine Sojus-Rakete pro Woche. Dazu kamen noch Proton- und Kosmos-Raketen, die zusammen ähnlich häufig flogen. Erst durch das Ende des kalten Krieges erlebte die Raumfahrt einen starken Rückgang der Zahl der Raketenstarts in den 1990er und 2000er Jahren. Nur dadurch erscheinen heute die geplanten Startraten von SpaceX als wahnwitzig hoch, nicht weil sie unrealistisch sind.

Auch die Größe der notwendigen Investitionen bewegt sich nicht völlig außerhalb des Rahmens von großen, mehrjährigen Projekten in der Wirtschaft. Im Jahr 2014 liefen beispielsweise Projekte zum Bau von Unterseekabeln im Gesamtwert von 22,6 Milliarden US-Dollar. In der Halbleiterindustrie werden regelmäßig Milliardenbeträge für den Bau von Fabriken investiert. So plant allein TSMC nur für Anlagen in Taiwan Investitionen im Wert von über 15 Milliarden US-Dollar.

Natürlich wird SpaceX beweisen müssen, dass sein Projekt die Investition wert ist und tatsächlich Geld einbringt. Das Potenzial dafür ist definitiv vorhanden. Der weltweite Umsatz in der Telekommunikation betrug zuletzt rund 2.200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Zur Finanzierung der Satellitenkonstellation reicht schon etwas mehr als ein Tausendstel davon aus.

Die Satellitenkonstellation von SpaceX ist fraglos ein großes Projekt. Die vollständige Finanzierung muss erst noch gesichert werden, die Beteiligung von Google in Höhe von einer Milliarde US-Dollar reicht bisher nur für den Anfang. Aber die Durchführung an sich ist absolut realistisch. Größe allein ist noch kein Zeichen von Größenwahn.

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 Satelliteninternet: Wie größenwahnsinnig ist SpaceX?
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Ovaron 27. Nov 2016

Urban Legend. Es gibt kaum etwas was mehr Treibstoff verschlingen würde als eine...

jo-1 26. Nov 2016

6 - 15 ms für's Ping und > 206/19,5 für sehr bezahlbares Geld Mobil reicht mir 4G für...

Peter(TOO) 26. Nov 2016

Bei der aktuellen Technik hat man das Problem, dass sich der Datenverkehr eigentlich nur...

tingelchen 22. Nov 2016

Klar. Ohne Investition kein Gewinn. Nur die Risikobereitschaft ist dabei eher zurück...



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