Zum Hauptinhalt Zur Navigation

So gut ist das SpaceX-Internet: Golem.de-Leser nimmt Starlink in Betrieb

Wer an der Milchkanne der Republik wohnt, für den sind Preis und Leistung von Starlink beeindruckend. Und Datenrate und Ping sind viel besser als erwartet.
/ Achim Sawall
194 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Starlink fest installiert auf dem Dach-Balkon (Bild: Golem.de-Leser)
Starlink fest installiert auf dem Dach-Balkon Bild: Golem.de-Leser

Für einen Golem.de-Leser, der etwas abgelegen im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen wohnt, ist Starlink von dem US-Raumfahrtunternehmen SpaceX die logische Wahl bei der Internetversorgung. "Wir wohnen an der sprichwörtlichen Milchkanne der Republik" , erklärte er Golem.de am 16. April 2021. Es gebe in der Stadt zwar Angebote zu einem günstigeren Preis, allerdings bei deutlich schlechterem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Bisher erhielt sein Haushalt den 10-MBit/s-Anschluss DLS Basic des örtlichen Anbieters Osnatel für 29,99 Euro im Monat. Doch die tatsächlich gemessene Leistung lag bei circa 4 MBit/s im Download und weniger als 0,5 MBit/s im Upload. "Für meine Frau als Lehrerin im Homeoffice absolut inakzeptable Zustände. Das Hochladen korrigierter Hausaufgaben der Schüler dauerte teils mehrere Minuten pro Schüler, an Videokonferenzen war gar nicht zu denken" , erklärte er.

Vor zwei Jahren war die Rede von einem Glasfaseranschluss in seiner Straße bis Anfang 2021. Doch bis heute hätten noch keine Baumaßnahmen begonnen und auf Anfrage bei der Stadt habe es keine klaren Aussagen mehr zu einem Termin gegeben.

Glasfaser teurer als Starlink

"Die Verträge für die angekündigte Glasfaserleitung beginnen bei 49,99 Euro für 150 MBit/s. Starlink verspricht bis Ende des Jahres Raten von >1GBit/s, da wäre man dann mit Glasfaser bei 119,99 Euro. Falls der Anschluss überhaupt bis Ende des Jahres an unserem Standort verfügbar ist" , rechnet der Leser vor. Mit 99 US-Dollar im Monat ist Starlink für deutsche Verhältnisse eigentlich recht teuer. Die Hardware kostet zusätzlich einmalig 499 US-Dollar. Dafür hat der Dienst keine Volumenbegrenzung.

Die Geschwindigkeiten von Starlink schwanken noch stark. Der Leser habe über den Speedtest seines Netgear Orbi jeden Tag mehrere Messungen gemacht und dabei bei der Datenübertragungsrate Ergebnisse von 30 bis 350 MBit/s im Downlink, 20 bis 90 MBit/s im Uplink und einen Ping von 8 bis 60 ms erzielt. Zumeist seien es circa 150 MBit/s im Download, 50 MBit/s im Upload und 40 ms Ping gewesen.

Die Messung mit der Bundesnetzagentur(öffnet im neuen Fenster) ergab am 16. April 2021 eine Laufzeit von 20 ms, einen Download von 278,56 MBit/s und einen Upload von 66,47 MBit/s.

Starlink-Netzwerk über Deutschland früher als erwartet aufgespannt

Das Paket kam wie bei anderen Starlink-Betatestern in Deutschland per DHL Express aus Los Angeles. Unser Leser berichtet: "Bestellt habe ich direkt zu Registrierungsbeginn in Deutschland am 19. Februar 2021. In der Bestätigungsmail hieß es da noch: 'Starlink will begin offering service in your area beginning mid to late 2021.' Umso überraschter war ich, als es am 10. März hieß 'Your Starlink kit is ready!'"

Ganz so schnell ging es dann leider doch nicht, da Starlinks Bezahlfunktion noch nicht im Einklang mit den deutschen Sicherheits-Standard 2-Faktor-Authentifizierung bei Kreditkartenzahlungen war. Die 459 Euro Restbetrag – 99 Euro waren direkt bei Bestellung fällig – konnten deshalb nicht abgebucht werden. Auch über den Make-a-Payment-Button im Starlink-Konto sei "nichts zu machen" gewesen. Schließlich löste Starlink das Problem.

Am 18. März wurde dann tatsächlich das Kit verschickt. Nach kurzem Transport und vier Tagen im Zoll kam es am 24. März an.

Anders als Nutzer aus den USA berichteten , dauerte dass Einbuchen und Kalibieren hier nicht über eine Stunde. "Da das Kit bereits fertig verkabelt ankommt, muss man nur den Netzstecker einstecken und die Schüssel mit freier Sicht in den Himmel aufstellen. Das Einbuchen beziehungsweise die Suche nach Satelliten hat bei mir circa 20 Minuten gedauert, im Setup-Guide stehen circa 15 Minuten."

Starlink kommt mit WLAN-Router

Ein WLAN-Router gehört zum Paket, muss aber nach der ersten Einrichtung nicht verwendet werden. Man kann auch eigene Geräte direkt per Ethernet an das Modem/Netzteil anschließen. Dann hat man allerdings keinen Zugriff mehr auf die Verbindungsstatistik. Der mitgelieferte Router hat eine weitere Ethernet-Buchse zum Anschluss anderer Geräte. Es gibt aber keine Oberfläche und außer der SSID und dem zugehörigen Passwort lässt sich nichts einstellen. Und auch diese Einstellung war nur durch Reset möglich. Hier soll es noch Verbesserungen geben.

Tester berichten laut Business Insider(öffnet im neuen Fenster) von Problemen beim Streamen von Netflix, Amazon Video oder ähnlichen Diensten mit Starlink. "Nachdem das WLAN umgestellt war, lief alles wie gewohnt. Nur dass am Anfang des Streams in der Regel keine Kompressions-Artefakte mehr zu sehen sind" , sagte der Golem.de-Leser.

Abbrüche wegen Systemaufbau dauern nur Sekunden

"Wir hatten es bisher zweimal, dass beim Streamen kurz das Bild eingefroren ist. Laut App haben wir pro Tag zwischen 2 und 15 Minuten keine Verbindung wegen 'Beta Downtime', also gewollter Unterbrechungen in Folge des Systemaufbaus. Die Abbrüche dauern aber jeweils nur wenige Sekunden" , erklärte er.

Starlink Mission 18.08.2020
Starlink Mission 18.08.2020 (1:03:18)

Dass das Set verkabelt ausgeliefert wird, ergibt laut den Testerfahrungen "wenig Sinn, da das Kabel ja irgendwie in das Haus muss. Da es aber nur ein Kabel ist und sowohl Schüssel als auch Router über PoE versorgt werden, stört die Hardware mich nicht weiter. Von der Schüssel geht ein 30-m-Netzwerkkabel ins Netzteil und von dort eines zum Router. Einen Stromanschluss benötigt nur das Netzteil." Die Schüssel wurde mit einer separat im Starlink-Shop erhältlichen Montageplatte an den Balkon geschraubt. Sie passte zufällig genau hinter einen bereits installieren Sichtschutz, der zudem den benötigten Himmelsbereich nicht verdeckt.

In der Beta-Phase ist die Satellitenverbindung nur an der in der Bestellung angegebenen Adresse möglich, was sich später vielleicht ändern wird. Doch unser Leser will die Starlink-Anlage behalten und hat das Kabel bereits in der Hauswand verklebt.


Relevante Themen