Politische Spannungen und Gefährdung von Erdorbits

Der Abschuss fand vor dem Hintergrund außenpolitischer Spannungen zwischen Russland und den EU-Staaten statt. Bei einem zeitgleich stattfindenden Treffen der Außenminister von Deutschland, Frankreich und der Ukraine gaben diese eine Erklärung ab,, laut der sie russische Truppenbewegungen als eine Gefährdung der ukrainischen Souveränität sehen und im Fall von deren Verletzung schwerwiegende Folgen androhen.

Das Außenministerium der USA verurteilte den Abschuss als unverantwortlich und die russische Ablehnung von Waffen im Weltall als heuchlerisch. Die USA demonstrierten erstmals im Jahr 2008 den Abschuss eines defekten Satelliten mit der Begründung, eine Gefährdung der Bevölkerung durch den Treibstoff an Bord des bald abstürzenden Satelliten zu vermeiden.

Die russische Weltraumagentur Roskosmos äußerte sich nicht zum Abschuss des Satelliten, hob aber die jahrzehntelange gute Zusammenarbeit mit internationalen Partnern hervor und betonte, dass nur die gemeinsamen Anstrengungen aller Weltraummächte eine sichere Koexistenz im Weltall sichern könnten. Das russische automatische Warnsystem ASPOS OKP werde die Situation weiter beobachten, um Gefährdungen der Raumstation und der Crew auszuschließen.

Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass soll sich am 16. November der Generaldirektor von Roscosmos, Dmitry Rogozin, mit Nasa-Vertretern getroffen haben, um die Situation des Weltraummülls zu diskutieren. Das Treffen sei schon zuvor geplant gewesen, werde nun aber verlängert.

Sowjetische Antisatellitenwaffen wurden schon 1960 entwickelt

Das für den Abschuss wahrscheinlich verwendete Nudol-Antisatellitensystem absolvierte vor 6 Jahren erstmals einen erfolgreichen Testflug. Das Prinzip ist im Grunde einfach: Eine Rakete wird gestartet und die oberste Raketenstufe zur Kollision mit dem Satelliten gebracht. Für einen Abschuss muss die Rakete keinen Orbit erreichen, sondern nur die notwendige Flughöhe. Die hohe Kollisionsgeschwindigkeit garantiert die vollständige Zerstörung des Satelliten. Die Steuerung mit Hilfe eines Radars und schnell agierender Raketendüsen muss aber sehr präzise sein.

Satelliten werden seit dem Vietnamkrieg zur Aufklärung und Kommunikation vom Militär benutzt und stellen damit militärische Ziele in der Kriegsführung dar. Die Sowjetunion arbeitete deshalb bereits seit 1960 an einem "Istrebitel Sputnikov", einem Satellitenzerstörer, und soll schon 1968 erstmals einen Satelliten im Orbit zerstört haben, wie Anatoly Zak, Experte für russische Raumfahrt, für Popular Mechanics berichtet.

Weitere Tests fanden 1983 geographisch über Bayern statt, wurden aber nach heftigen Protesten und Diskussionen über Weltraumkriegsführung wegen der Eskalationsgefahr im Kalten Krieg wieder eingestellt.

Die verbleibenden Trümmer beim Abschuss von Satelliten stellen eine Gefährdung aller Aktivitäten außerhalb sehr niedriger Erdorbits dar, in denen Trümmer durch die Luftreibung in kurzer Zeit abstürzen. Im Allgemeinen wird angenommen, dass Satelliten und Trümmer oberhalb von 600 km Flughöhe mehr als 25 Jahre im Orbit verbleiben.

Die Raumfahrt wird bereits durch die Trümmer der zunehmenden Zahl von demonstrierten Satellitenabschüssen gefährdet. Es ist anzunehmen, dass eine offene Kriegsführung im Weltall die Orbits oberhalb von etwa 350-400 km über längere Zeit schwer benutzbar machen würde.

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 Satellitenabschuss: Russische Provokation gefährdet ISS und Satelliten
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Nutzer-name 17. Nov 2021

Sehr, sehr, sehr an den Haaren herbeigezogen :-)

chefin 17. Nov 2021

Berechne mal die Keplergeschwindigkeit für einen Orbit. Je höher desdo kleiner diese...

Muhaha 17. Nov 2021

Aus der deutschen und internationalen Lügenpresse. Woher denn sonst? In Nordkorea ist...

Eisklaue 17. Nov 2021

https://th.bing.com/th/id/R.a96e848d97e650afd80498bc042836c6?rik=JxDL7af3oyO%2fsA&riu...



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