Wenn Astronomen von Killer-Asteroiden reden

Die Beobachtung sogenannter Near Earth Objects, vor allem von Asteroiden, deren Bahn der Erde nahe kommt, wird immer wieder als besonders stark betroffenes Feld bezeichnet. Der Grund ist, dass das Beobachtungsfeld notwendigerweise in Himmelsbereichen liegt, in denen sich potenziell auch von der Sonne beschienene Satelliten befinden. Um die Gefahr zu betonen, wurden die Asteroiden in der Pressekonferenz selbst von den Astronomen als "Killer-Asteroiden" bezeichnet.

Dem widerspricht im technischen Anhang des Reports ein Astronom der Catalina Sky Survey, die nach solchen Objekten sucht. Selbst im schlimmsten Fall, wenn jede Aufnahme der Beobachtung eine Satellitenspur enthielte, wären nur 0,52 Prozent der potenziellen Asteroidenentdeckungen betroffen. Tatsächlich seien es noch weniger, da immer vier Aufnahmen von einem Sternenfeld gemacht würden und nur drei zur Bahnbestimmung eines Asteroiden unbedingt nötig seien. Die Auswirkungen seien vernachlässigbar und keine tödliche Gefahr.

Ähnlich unterschiedlich fällt die Beurteilung der Auswirkungen von Satelliten auf spektroskopische Untersuchungen mit dem geplanten 11 Meter großen Maunakea Spectroscopic Explorer aus (MSE). Im kürzeren offiziellen Report steht, dass das Licht von Satelliten ein wissenschaftliches Untersuchungsobjekt überstrahle und Beobachtungen lichtschwacher Objekte praktisch ausgeschlossen seien. Im technischen Anhang steht nach diesem Statement noch etwas anderes: Es könne nötig sein, die Satelliten in die Beobachtungsplanung einzubeziehen, um zu verhindern, dass eine signifikante Zahl von Beobachtungen verloren geht.

Sensoren können vor Satelliten verdeckt werden

Insbesondere bei Projekten wie dem MSE, die sich derzeit in der vorläufigen Entwurfsphase befinden, könnten allerdings auch technische Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Beispielsweise könnten zwischen dem Spektrographen und den Lichtfasern des Teleskops Blenden eingebaut werden, um die Belichtung unterbrechen zu können, wenn sich ein Satellit nähert.

Etwas Ähnliches könnte in Zukunft sogar mit Kameras im Vera Rubin Telescope und anderen Observatorien gemacht werden. Laut den Berichten im Anhang existieren entsprechende Pläne ohnehin schon. Dazu müssten die CCD-Chips durch CMOS-Detektoren ausgetauscht werden. Die CMOS-Technik ist erst seit Kurzem in der Lage, die wissenschaftlichen Anforderungen in der Astronomie zu erfüllen, insbesondere die Rauschfreiheit. CMOS bietet aber den Vorteil, dass Pixel einzeln gesteuert und angesprochen werden können. Entsprechende Steuerelektronik vorausgesetzt, könnten einzelne Pixel während der Belichtung kurzfristig blockiert werden, während in der Nähe ein Satellit entlangzieht. Die fehlende Belichtungszeit könnte nachgeholt oder in den Daten vermerkt werden.

Diese Technik ist derzeit aber in der Astronomie noch nicht verbreitet. Sie kann die Auswirkungen der Satelliten auch nur abmildern und nicht völlig verhindern. Außerdem ist CCD-Technik immer noch der Standard in der Astronomie, auch in neuen Projekten, und wird es für lange Zeit bleiben.

Satelliten haben Auswirkungen, aber diese können abgeschwächt werden

Jede Behauptung, dass Satelliten keine Auswirkungen hätten, ist falsch. Regulierung ist notwendig. Es gibt dazu eine Reihe von sachlichen, gut nachvollziehbaren Forderungen, etwa den Verzicht auf große Konstellationen in großer Höhe und die Forderung, Satelliten abzudunkeln.

Aber wenn beispielsweise laut der öffentlich kommunizierten Einschätzung bestimmte Beobachtungen mit dem MSE angeblich unmöglich sind, aber nach internen Einschätzungen hauptsächlich eine andere Beobachtungsplanung nötig ist, geht der Astronomie einiges an Glaubwürdigkeit verloren. Es ist schade, dass der Versuch einer sachlichen Diskussion und einer seriösen Einschätzung der Lage durch Übertreibungen und Falschdarstellungen einiger Stimmen aus der Astronomie so stark erschwert wird.

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 Verwechslungen und Hardwarefehler
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FlashBFE 04. Sep 2020

Ich muss nochmal am ansonsten guten Artikel mäkeln, aber der Begriff heißt im...

megazocker 03. Sep 2020

Ist vieleicht besser man siehts nicht kommen .... weitsicht spielt hier auf der Murmel eh...

Hotohori 03. Sep 2020

Da ist ja auch schon der Anfang des Artikels deutlich. SpaceX war dort als einziges um...

mnementh 03. Sep 2020

Wir haben nicht annähernd die Zahl von Satelliten wie Autos auf der Erde und dazu noch...



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