Satcom Bw Stufe 4: Airbus, Rheinmetall und OHB wollen gemeinsam bieten
Airbus Defence and Space, Rheinmetall und der Bremer Raumfahrtkonzern OHB haben sich offenbar informell darauf verständigt, gemeinsam auf einen der größten Rüstungsaufträge zu bieten, den Deutschland je ausgeschrieben hat. Das Programm Satcom Bw Stufe 4 sieht eine Konstellation von mindestens 100 Satelliten vor, die der Bundeswehr eine sichere Hochband-Kommunikation nahezu weltweit ermöglichen soll.
Das Bundesverteidigungsministerium beziffert den Auftragswert auf acht bis zehn Milliarden Euro. Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete das Programm wiederholt als unverzichtbar für die Kriegstüchtigkeit der Bundeswehr bis Ende des Jahrzehnts.
Das Beschaffungsamt in Koblenz forderte zunächst alle drei Unternehmen separat zur Abgabe ihrer Gebote auf. Einem Bericht des Spiegel zufolge(öffnet im neuen Fenster) sehen die Beteiligten eine Zusammenarbeit jedoch als einzigen realistischen Weg, ein derart technisch anspruchsvolles Projekt im vorgegebenen Zeitrahmen zu bewältigen.
Wer was einbringt
OHB und Airbus sollen demnach die Satellitenfertigung übernehmen, während Rheinmetall die Integration bodengebundener Militärsysteme – Panzer, Kampfjets, Kriegsschiffe – in das Netzwerk verantworten würde. Rheinmetall stieg erst Ende 2024 durch eine Kooperation mit dem finnischen Radarsatellitenhersteller Iceye ins Weltraumgeschäft ein und baut derzeit ein früheres Automobilwerk in Neuss für die Satellitenproduktion um.
Der Rüstungshersteller übernahm seitdem mehrere kleinere Unternehmen mit einschlägigem Know-how und soll bereits Startkapazitäten bei SpaceX reserviert haben. Erste Ergebnisse der neuen Raumfahrtsparte werden noch in diesem Jahr im Rahmen des separaten Aufklärungssatellitenprogramms Spock 1 erwartet, einem Vertrag mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Euro.
Airbus verwies auf seine Rolle beim Aufbau der Oneweb-Konstellation, heute betrieben von der französischen Eutelsat-Gruppe, als Beleg für seine Fähigkeit, ein Netzwerk im niedrigen Erdorbit im großen Maßstab zu realisieren. OHB bringt jahrzehntelange Erfahrung mit der Europäischen Weltraumorganisation sowie frühere Militärsatellitenprojekte für die Bundeswehr mit.
2029 als erstes Zieldatum
Die Bundeswehr strebt eine Anfangsbefähigung bis 2029 an, bei der bis zu 40 Satelliten operativ sein könnten. Das würde laut Spiegel ausreichen, um zumindest das Nato-Gebiet abzudecken.
Die endgültige Konstellation würde eine grundlegend andere Architektur erfordern als die bisherigen Bundeswehrsatelliten im geostationären Orbit: eine niedrige Erdumlaufbahn, deutlich mehr Satelliten und eine höhere Komplexität.
Ein gemeinsames Angebot aller drei Hauptkandidaten könnte allerdings im Haushaltsausschuss des Bundestages auf Widerstand stoßen. Abgeordnete, auch aus den Reihen der aktuellen Regierungskoalition, kritisierten freihändige Vergaben in der Rüstungsbeschaffung bereits mehrfach. Alle Verteidigungsaufträge über 25 Millionen Euro bedürfen der Zustimmung des Ausschusses.
Der Schatten des Ukraine-Krieges
Im Hintergrund der Pläne für Satcom Bw Stufe 4 steht die Erfahrung aus der Ukraine: Die Abhängigkeit der ukrainischen Streitkräfte von Starlink für Führung und Kommunikation werde in deutschen Militärkreisen als Warnung vor dem Vertrauen auf ausländische Infrastruktur in einem aktiven Konflikt gewertet, heißt es beim Spiegel. Deutschlands Ambitionen, ein eigenes unabhängiges Satellitennetz aufzubauen, seien eine direkte Antwort auf diese Erkenntnis.
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