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SAR-Aufklärung: Bundeswehr-Satellitenprojekt Spock wird ein Drittel teurer

Auf eine umstrittene Vergabe folgt eine deutliche Kostensteigerung. Und die Zeit drängt – noch 2026 sollen erste Satelliten Daten liefern.
/ Johannes Hiltscher
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Ein Gen4-Satellit von Iceye (Bild: Iceye)
Ein Gen4-Satellit von Iceye Bild: Iceye

Spätestens der Krieg gegen die Ukraine hat gezeigt, wie wichtig zuverlässige Aufklärungsdaten sind. Um hier von den USA unabhängiger zu werden, soll die Bundeswehr eine Satellitenkonstellation namens Spock (für SAR Spacesystem for Persistent Operational Tracking) erhalten. Der Vertrag mit einem Bruttowert von 1,7 Milliarden Euro wurde im Dezember 2025 unterschrieben(öffnet im neuen Fenster) . Doch die Kosten steigen wohl noch einmal deutlich, wie der Spiegel berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Dem Magazin liegt ein vertrauliches Dokument des Finanzministeriums vor, gerichtet an den Haushaltsausschuss des Bundestages. Demzufolge steigen die Kosten um 579,5 Millionen Euro, Spock wird um rund ein Drittel teurer. Begründet werde die Kostensteigerung damit, dass die konkreten Bedarfe erst im Rahmen der Erstellung des finalen Angebots bekannt geworden seien, zitiert der Spiegel aus dem Dokument. Da sei es aber zu spät gewesen, die Mehrkosten noch in die Haushaltsplanung für 2026 aufzunehmen.

Bei Spock drängt allerdings auch die Zeit: Bereits ab Oktober 2026 sollen die Satelliten erste Bilder liefern, die mittels KI ausgewertet werden sollen. Dann soll die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr in Litauen die Arbeit aufnehmen. Spock soll ihr Informationen über russische Truppenbewegungen liefern.

Viele neue Satelliten für die Bundeswehr

Ob dann bereits für die Bundeswehr gebaute Satelliten die Daten liefern oder ob Iceye, das die Plattform entwickelt hat und liefert, auf seine bestehende Flotte zurückgreift, ist unklar.

Auch die Streitkräfte der Ukraine und Schwedens erhalten Bilder von Satelliten des Unternehmens, das vor gerade einmal 14 Jahren an der Universität im finnischen Aalto seinen Anfang nahm. Die Satelliten für Spock – geplant sind 40 Stück – werden Iceyes Flotte deutlich vergrößern: Ende November 2025 hatte das Unternehmen insgesamt 62 Satelliten gestartet(öffnet im neuen Fenster) .

Für die Bundeswehr soll die aktuelle vierte Generation(öffnet im neuen Fenster) Bilder mit einer Auflösung von 16 cm liefern. Die Satelliten nutzen Synthetic Aperture Radar(öffnet im neuen Fenster) (SAR), um rund um die Uhr und bei widrigen Witterungsbedingungen Bilder liefern zu können.

Den Auftrag zum Aufbau von Spock erhielt das Joint Venture Rheinmetall Iceye Space Solutions (RISS) in einer viel kritisierten Direktvergabe. Die Bundeswehr schrieb das Projekt nicht aus, sondern suchte sich den passenden Projektpartner aus. Die rechtliche Grundlage dafür schafft das Mitte Januar 2026 vom Bundestag beschlossene(öffnet im neuen Fenster) Planungs- und Beschaffungsbeschleunigungsgesetz. Konkurrenten von RISS kritisierten, die Kosten seien zu hoch.

Vorerst läuft der Vertrag bis Ende 2030, eine Verlängerung bis Ende 2033 ist möglich und würde rund eine weitere Milliarde Euro kosten.


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