SAP-Berater: Von Bullen und Bären

Starke Bullen, brüllende Bären oder tapsige Bärenbabys: SAP-Berater müssen sich mit sehr verschiedenen Kundentypen zurechtfinden - und werden nur selten dafür ausgebildet.

Artikel von Peter Hill veröffentlicht am
Die Symboltiere der Börse.
Die Symboltiere der Börse. (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)

SAP-Berater gehören zu den meistgesuchten Experten im globalen ITK-Arbeits- und Freelancer-Markt. Momentan sucht zum Beispiel alleine Aldi Süd IT über hundert zusätzliche SAP-Berater verschiedenster Fachrichtungen. Von dieser Art Projekt gibt es eine ganze Reihe alleine in Deutschland, und gute Berater sind ständig Mangelware. Das liegt an der immensen Produktkomplexität und hohem Spezialisierungsdruck.

Die Einarbeitung als Berater auch nur in einzelne Bereiche - zum Beispiel das Verkaufsmodul, mit dem Firmen Kundenaufträge, Lieferscheine und Ausgangsrechnungen erstellen - dauert einige Jahre, will man Prozesse, Einstellungen und Erweiterungsmöglichkeiten im Detail verstehen. Einsteiger haben eine steile Lernkurve vor sich, es braucht erhebliche Frustrationstoleranz. Um einen Kunden effektiv beraten zu können, mit SAP-Software sein spezielles Geschäft effizient oder sogar elegant abzubilden, brauchen die meisten schon gut vorgebildeten und cleveren Akademiker 10 bis 20 Jahre.

Was jedoch in keinem der Tausenden SAP-Kurse gelehrt wird, ist, wie man die sich in Projekten zurechtfindet, behauptet oder manchmal auch einfach nur überlebt. Eine wertvolle Orientierungshilfe dabei kann sein, die verschiedenen Typen von SAP-Kunden zu verstehen. Ich nenne sie in Anlehnung an die Symboltiere der Börse die Bullen und Bären der SAP-Welt.

SAP ist globaler Marktführer bei Unternehmenssoftware

Bevor wir uns die verschiedenen Typen genauer ansehen, lohnt es sich, die Eminenz des SAP-Markts in Erinnerung zu rufen, um die Größe und Macht dieser Kunden und Projekte einschätzen zu können. Ein Artikel des SAP-Beraterkollegen Michael Keller brachte kürzlich wichtige Fakten der SAP-Welt wieder in den Fokus: 99 der 100 größten Firmen der Welt nutzen SAP, SAP-Kunden generieren 87 Prozent des globalen Handelsvolumens, 80 Prozent sind kleine und mittelständige Unternehmen.

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SAP ist also der globale Marktführer der Unternehmenssoftware. Die ERP-Pakete R/3 und S/4HANA - plus viele andere Produkte, die sich um die beiden Umsatztreiber aus Walldorf ranken - stellen ein enorm komplexes, funktions- und umfangreiches betriebswirtschaftliches Softwareangebot dar.

Selbst Beraterspezialisten, die sich seit Jahrzehnten mit der Software beschäftigen, werden immer nur einen vergleichsweisen kleinen Teil des Softwarepakets wirklich beherrschen und lebenslang dazulernen wollen und müssen. Die strategische Ausrichtung auf Cloudprodukte und die damit einhergehende Technologieveränderung von server- auf webbasierte Architekturen bedeutet zudem, dass sich viele Berater im Laufe ihrer Karriere praktisch neu erfinden müssen. SAP-Endbenutzer werden meist nur in einzelnen Prozessen oder Teilen davon geschult, damit die Komplexität der Software die Anforderungen an Menschen und Organisation nicht sprengt.

SAP setzt mit seiner Unternehmenssoftware seit vielen Jahren in puncto Skalierbarkeit, Komponenten- und Prozessintegration sowie Verarbeitungssicherheit den Industriestandard für Enterprise Resource Planning Software (ERP). Wenn es darum geht, Zigtausende Materialbelege, Fertigungspläne, Rechnungen, Kundenaufträge und andere Belege eines weltumspannenden Konzerns pro Tag fehlerfrei zu verarbeiten, sind R/3 und noch mehr S/4 oft alternativlos. Bei SAP heißt fehlerfrei auch fehlerfrei, das ist in dem Zusammenhang nennenswert: Jeder Ausfall, ob bei einer einzelnen Buchung oder einem - inzwischen sehr seltenen - Komplettausfall nach Strom- oder Festplattenpannen, ist nachvollziehbar, die Daten des Vorfalls geloggt und der Prozess im Nachhinein wieder aufsetzbar.

SAP-Berater bekommen in der Zusammenarbeit mit ihren Kunden einzigartige Einblicke in die Innenwelt von Projekten und Geschäftsprozessen. Sie müssen natürlich Stillschweigen über Interna bewahren, aber gleichzeitig erwarten die Kunden, dass die Erfahrungen, die bei der Konkurrenz gemacht wurden, in die tägliche Arbeit einfließen. Auch ohne weltbewegende Geheimnisse auszuplaudern, lassen sich interessante Aussagen über diesen weltgrößten IT-Kunden-Markt treffen.

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SAP-Kundentypen: Mächtige Bullen und brüllende Bären 
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AllDayPiano 20. Jul 2022 / Themenstart

Das scheitert politisch

gadthrawn 20. Jul 2022 / Themenstart

Respekt. Ich hab nicht viel mehr wie den Teaser ausgehalten.

gadthrawn 20. Jul 2022 / Themenstart

Wobei man bei zahlreichen Sachen im Mikrocontrollerbereich merkt, das Maschinenbauer...

49er 18. Jul 2022 / Themenstart

Sehr interessanter und schön zu lesender Artikel - Danke!

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