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Eine Rekonstruktion mit Hindernissen

Ein weiteres Problem ist die Bauweise der heutigen Museumsmaschine. Die Rekonstruktion wurde gegenüber dem historischen Vorbild kompakter aufgebaut. Die Schichten liegen enger beieinander als bei der ursprünglichen Konstruktion.

Das macht Wartung und Fehlersuche schwieriger. Viele Bewegungsabläufe lassen sich von außen kaum beobachten. Moderne Verfahren wie industrielle Röntgentechnik stoßen ebenfalls an Grenzen, weil die Metallbleche dicht übereinander liegen.

Hinzu kommt, dass an vielen Stellen spontane Anpassungen vorgenommen wurden. Hier wurde ein Blech nachgebogen, dort eine Unterlegscheibe ergänzt oder ein Abstandshalter eingebaut. Nicht alles davon ist in den vorhandenen Plänen wiederzufinden. Für Restauratoren bedeutet das Detektivarbeit.

Die Suche nach Zeitzeugen

Einen wichtigen Beitrag zum Projekt leistete die Wiederentdeckung von Ursula Schweier. Sie war zusammen mit Dietmar Saupe als Studentin in den 1980er Jahren am Nachbau der Z1 beteiligt. Noch vor drei Jahren galt sie als nicht auffindbar. Durch Archivfunde und intensive Recherche ließ sich der Kontakt aber mittlerweile herstellen.

Schweiers Erinnerungen brachten eine überraschende Erkenntnis. Sie bestätigte, dass die Maschine einmal vollständig funktioniert habe, berichtete aber auch, dass das nur vor dem Transport von Zuses Atelier nach Berlin der Fall gewesen sei.

Nach Ankunft im Museum habe die Z1 bereits Schwierigkeiten gehabt. Bestimmte Vorführungen seien zwar möglich gewesen, jedoch oft nur mit speziellen Berechnungen.

Für das heutige Team waren Schweiers Worte ebenso beruhigend wie frustrierend. Beruhigend, weil die aktuellen Probleme möglicherweise nicht erst in den vergangenen Jahren entstanden sind. Frustrierend, weil damit das Ziel einer vollständig stabilen Maschine noch schwieriger zu erreichen scheint.

Forschung statt Vorführung

Die ursprüngliche Hoffnung, die Z1 eines Tages wieder regelmäßig vorführen zu können, ist inzwischen unrealistischer geworden. Kaum jemand im Projekt geht noch davon aus, dass die Maschine zuverlässig im Museumsbetrieb funktionieren wird.

Das neue Ziel lautet, die Funktionsweise möglichst vollständig zu dokumentieren und vielleicht noch einmal eine umfassende Vorführung für wissenschaftliche Aufnahmen zu ermöglichen.

Parallel entstehen digitale Simulationen, die das Verhalten der Maschine rekonstruieren. Die Kombination aus Restaurierung, Dokumentation und virtueller Nachbildung könnte langfristig das vollständigste Bild der Z1 liefern, das jemals existiert hat.

Ein Projekt ohne Enddatum

Seit dem Jahr 2022 arbeitet das Team um Eva Kudrass und Klemens Krause vom Computermuseum Stuttgart an der Maschine. Die praktische Arbeitszeit summiert sich auf wenige Wochen im Jahr, meist gibt es zweiwöchige Arbeitsphasen, in denen Museumsangestellte die Z1 gemeinsam dokumentieren, zerlegen, analysieren und wieder zusammensetzen.

Hinzu kommen neue Unsicherheiten, etwa eine geplante Sanierung des Museumsbereichs, in dem die historischen Computer ausgestellt sind. Diese könnte die Arbeiten erschweren. Ein Transport der Z1 gilt als riskant, weil mühsam erreichte Justierungen verloren gehen könnten und eine Einhausung der Maschine für die Bauphase den Zugang verwehren würde.

Wann das Projekt abgeschlossen sein wird, kann niemand sagen. Doch darin liegt vielleicht die besondere Bedeutung. Eine Restaurierung der Z1 ist nicht mehr nur der Versuch, eine historische Maschine erneut zum Laufen zu bringen.

Das Ganze ist ein Forschungsprojekt über die Anfänge des Computers und über technische Kreativität. Und manchmal besteht der größte Erfolg nicht darin, dass eine Maschine funktioniert, sondern darin, dass man versteht, warum sie funktioniert hat.


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