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Strukturell oder zyklisch – und was kommt als Nächstes?

Die entscheidende Frage für Investoren lautet: Ist die Knappheit bei NAND und HDD ein vorübergehendes Phänomen oder strukturell? Die Antwort ist: wahrscheinlich beides.

Das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen IDC beschreibt die Situation nicht als klassischen Speicherengpass, sondern als strategische Umallokation von Silizium-Wafer-Kapazitäten. Da die Kapazitäten begrenzt sind, entscheiden Hersteller, ob sie margenstarken HBM oder Standard-NAND produzieren. Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Investitionsprogramme klar auf HBM ausgerichtet – und werden diese Priorität nicht kurzfristig aufgeben.

Neue Fertigungsanlagen benötigen nach ihrer Ankündigung 12 bis 18 Monate bis zum Produktionsanlauf. Micron-CEO Sanjay Mehrotra spricht von anhaltender Angebotsknappheit bis mindestens 2027. Trendforce revidierte die NAND-Preisprognose für das erste Quartal 2026 auf einen Anstieg von 85 bis 90 Prozent gegenüber dem Vorquartal nach oben – die schärfste Revision seit Jahren.

Neuer Technologieansatz: High Bandwidth Flash

Ende Februar 2026 kündigten Sandisk(öffnet im neuen Fenster) und SK Hynix(öffnet im neuen Fenster) die Standardisierung eines neuen Speichertyps namens High Bandwidth Flash (HBF) an.

HBF kombiniert die hohe Kapazität von NAND mit einer Bandbreite, die näher an HBM liegt – optimiert für KI-Inferenz, also die Phase, in der ein trainiertes Modell auf neue Daten angewendet wird. Das Open Compute Project (OCP)-Konsortium wurde gestartet; erste Prototypen werden für das zweite Halbjahr 2026 erwartet, marktreife Produkte ab 2027(öffnet im neuen Fenster) . Ob und in welcher Stückzahl HBF kommerzielle Bedeutung erlangen wird, ist offen.

Das zyklische Risiko bleibt

"Strukturell" bedeutet dabei nicht dauerhaft. Speichermärkte waren immer zyklisch, und die größte historische Gefahr kommt von Samsung. Der koreanische Konzern fuhr in früheren Schwächephasen die Produktion hoch, um Marktanteile zu sichern – auch auf Kosten eigener Margen. Wenn KI-Unternehmen effizienter werden und weniger Speicher pro Trainingsvorgang benötigen – ein Trend, der sich bereits andeutet -, könnte die Nachfrage geringer ausfallen als derzeit erwartet(öffnet im neuen Fenster) .

Ein weiteres Risiko betrifft die Energieversorgung von KI-Rechenzentren. Der massive Strombedarf steht zunehmend im Fokus von Regulatoren und Investoren. Sollte der Ausbau von Rechenzentren durch Energieengpässe gebremst werden, würde das unmittelbar auf die Speichernachfrage durchschlagen.


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