Sandisk: Börsenneuling mit dem stärksten Kursanstieg
Sandisk ist kein junges Unternehmen – der Name ist seit Jahrzehnten ein Begriff für Speicherkarten und USB-Sticks. 2016 kaufte Western Digital das Unternehmen für rund 19 Milliarden US-Dollar. Fast zehn Jahre später trennte sich der Konzern im Februar 2025 wieder von seiner Flash-Sparte. Der alte Ticker SNDK wurde reaktiviert, die Aktie startete bei knapp 39 US-Dollar und notiert heute bei über 660 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) .
Das neue Sandisk ist ein reines Flash-Speicherunternehmen. Rund 55 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Bereich Enterprise Storage – also hochkapazitive Solid-State-Drives (SSDs) für Rechenzentren. Weitere 30 Prozent entfallen auf Client-SSDs für PCs und Notebooks, 15 Prozent auf Consumer-Produkte wie Speicherkarten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben Lieferverträge mit fünf großen Hyperscale-Kunden.
Im zuletzt berichteten Quartal erzielte Sandisk einen Umsatz von 3,03 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 803 Millionen US-Dollar, verglichen mit 104 Millionen ein Jahr zuvor. Für das Folgequartal stellte das Management einen Umsatz zwischen 4,4 und 4,8 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar in Aussicht.
Das Kioxia-Joint-Venture und BiCS8
Ein struktureller Vorteil liegt im langjährigen Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Kioxia (vormals Toshiba Memory). In gemeinsamen Werken in Yokkaichi und Kitakami produzieren beide Unternehmen NAND-Flash. Die geteilten Investitionskosten ermöglichen Sandisk eine niedrigere Kapitalintensität als reinen Chipherstellern wie Micron. Im Januar 2026 wurde das Joint Venture bis 2034 verlängert; Sandisk verpflichtete sich zu Zahlungen von insgesamt 1,17 Milliarden US-Dollar für langfristige Fertigungskapazitäten.
In Kitakami läuft die neue Fertigungsanlage Fab2 mit der achten NAND-Technologiegeneration (218-Layer, BiCS8) an. Sie ist speziell auf KI-intensive Speicheranforderungen ausgelegt und wird teilweise durch die japanische Regierung subventioniert. Diese Technologiegeneration soll laut Management bis Ende des Geschäftsjahres 2026 die dominierende Produktionsbasis bleiben.
Bewertung und Short-Kritik
Trotz der Rally bleiben Analysten verhalten optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 700 US-Dollar; einzelne Schätzungen reichen bis 1.000 US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) . Ende Februar 2026 veröffentlichte das Analysehaus Citron Research eine Short-These gegen Sandisk(öffnet im neuen Fenster) .
Die zentrale Kritik: Sandisk fehle ein technologischer Burggraben – also ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil, der das Unternehmen vor Konkurrenz schütze. Das Unternehmen verkaufe ein Commodity-Produkt, dessen Preis allein durch Angebot und Nachfrage bestimmt werde.
Citron Research verwies auf Samsungs historische Strategie, in Abschwungphasen (2008, 2012, 2018) die Produktion massiv hochzufahren und Wettbewerber über den Preis aus dem Markt zu drängen. Zudem stieß Western Digital kurz zuvor Teile seiner Sandisk-Beteiligung mit einem Abschlag von 25 Prozent unter dem Marktwert ab – ein Warnsignal, das Kritiker nutzten(öffnet im neuen Fenster) . Die Marktreaktion blieb mit einem kurzzeitigen Rückgang von vier bis fünf Prozent überschaubar.
Nach einem Kursplus von über 1.600 Prozent ist Sandisk auf fehlerlose operative Umsetzung eingepreist. Sollte der Speicherpreiszyklus früher als erwartet drehen oder die Nachfrage der Hyperscaler nachlassen, könnte die Aktie überproportional unter Druck geraten. Das Forward-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnerwartungen für 2027) liegt bei rund 18 – und das setzt anhaltend hohe NAND-Preise voraus.
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