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Samsung kopiert den Apple-Ansatz

Es gibt keine App für iOS und auf Android-Geräten fehlen viele Funktionen, wenn sie nicht von Samsung stammen. Samsung übernimmt also den Ansatz von Apple, Bluetooth-Kopfhörer anzubieten, die nur auf bestimmten Geräten den vollen Funktionsumfang liefern, für den Käufer bezahlt haben. Bei Airpods-Kopfhörern fehlen immer mehr Funktionen auf Nicht-Apple-Geräten , darunter auch einige Basisfunktionen.

Was uns daran besonders stört: Der Hersteller wirbt intensiv für Funktionen, die es nur für bestimmte Geräte gibt, ohne deutlich darauf hinzuweisen. Wer sich für die Galaxy Buds 4 Pro interessiert und nach dem Kauf keine bösen Überraschungen erleben will, muss die Samsung-Produktseite mit allen Fußnoten ausgesprochen genau und intensiv analysieren, um von allen Beschränkungen zu erfahren.

Im Vergleich zur Konkurrenz stehen die Galaxy Buds 4 Pro entsprechend schlecht da, weil die meisten anderen Hersteller ihre Hörstöpsel so anbieten, dass die bezahlten Funktionen mit allen Smartphones vollumfänglich verwendet werden können.

Galaxy Buds 4 Pro ohne Bluetooth-Multipoint

Viele Bluetooth-Hörstöpsel der Mittelklasse bieten bereits Bluetooth-HD-Codecs; bei den Galaxy Buds 4 Pro gibt es das beim Einsatz von Samsung-Geräten, wie auch bei den Galaxy Buds 3 Pro. Die Galaxy Buds 4 Pro bieten ansonsten Bluetooth 6.1 und die Codecs SBC und AAC.

Besonders ärgerlich: Bluetooth-Multipoint fehlt den Galaxy Buds 4 Pro komplett, so dass sie sich nicht mit zwei beliebigen Geräten parallel verbinden lassen – eine Funktion, die nicht nur in der Mittelklasse, sondern auch bei Einstiegsgeräten längst üblich ist.

Als wäre das nicht übel genug: Wenn wir mit den Galaxy Buds 4 Pro Musik hören und an einem anderen gekoppelten Gerät Bluetooth einschalten, wird die bestehende Verbindung rigoros gekappt und wir müssen bei Bedarf eingreifen.

Laut Angaben von Samsung ist auch Auracast nur mit Samsung-Geräten nutzbar. Das stimmt jedoch nicht: Wenn ein Android-Gerät Auracast im Betriebssystem anbietet, lässt es sich verwenden, wie wir im Test etwa mit einem Pixel 9 Pro Fold von Google bestätigen konnten.

Die Funktionen Adapt Sound, Kopfgesten und Spatial Sound jedoch gibt es tatsächlich nur mit Samsung-Geräten, während der Raumklang oder Kopfgesten bei vielen Konkurrenzgeräten auf allen Plattformen nutzbar sind. Auf iPhones kann ergänzend dazu die Sprachsteuerung nicht genutzt werden und die Hinweise zur Nackendehnung fehlen ebenfalls.

Und wer als iPhone-Besitzer kein Android-Gerät griffbereit hat, kann auch viele weitere Funktionen nicht nutzen, weil sie erst in der App aktiviert werden müssten. Bleibt als schwacher Trost, dass Samsung den Funktionsumfang nicht so stark wie Apple einschränkt. Etliche Funktionen sind bei allen Airpods-Produkten nicht einmal dann mit Android-Geräten nutzbar, wenn sie an einem Apple-Produkt aktiviert wurden .

Samsung hat die App verschlechtert

Für die Konfiguration der Galaxy Buds 4 Pro benötigen einige Samsung-Geräte nach Herstellerangaben keine App, ansonsten wird die Galaxy-Wear-App verwendet; das gilt auch für alle übrigen Android-Geräte. Mit den Galaxy Buds 4 Pro führt Samsung einen Kontozwang ein: Ohne Samsung-Konto lassen sich die Galaxy Buds 4 Pro nicht konfigurieren.

Wer also mal für die Galaxy Buds 4 Pro auf einem weiteren Gerät kurz etwas einstellen möchte, kommt ohne Anmeldung nicht weiter. Und das kann besonders mühsam werden. Die Galaxy-Wear-App erlaubt nämlich keine Eingabe der Kontozugangsdaten, sondern lagert diesen Prozess an den Standard-Browser aus.

Wer auf seinem Smartphone keinen Browser der großen IT-Firmen als Standard eingestellt hat und lieber Alternativen verwendet, hat es besonders schwer. Dann muss bei Bedarf erst einer der unterstützten Browser installiert und danach als Standard hinterlegt werden, um sich in der Kopfhörer-App mit einem Samsung-Konto anmelden zu können. Danach muss die Einstellung für den Standard-Browser abermals geändert werden.

Viele andere Kopfhörer-Apps lassen sich ohne Kundenkonto verwenden. Das ist im Alltag wesentlich angenehmer, weil die App sofort nach der Installation einsatzbereit ist. Immerhin ist die Galaxy-Wear-App nach der Anmeldung schnell gestartet, verlangt keine GPS-Aktivierung oder Internetverbindung.

Auf den ersten Blick erscheint die Galaxy-Wear-App aufgeräumt, aber bei der Suche nach bestimmten Einstellungen zeigt sich bald, wie unlogisch viele Einstellungen abgelegt wurden. So finden sich etliche Hörstöpsel-Einstellungen zum Hörverhalten unter dem Menüpunkt mit der Bezeichnung Eingabehilfen, obwohl nicht eine davon etwas mit Eingaben zu tun hat.

Im Vergleich dazu sind die Einstellungen für die Galaxy Buds 3 Pro logischer aufgeteilt und dadurch leichter zu finden. In der App können wir den ANC- und Transparenzmodus ändern, die Ohrerkennung umschalten oder den Klang mittels Equalizer modifizieren. Es gibt einen Passtest und einige der oben genannten Funktionen lassen sich an- und abschalten.

Akkulaufzeit nur Mittelmaß

Die Samsung-App zeigt den Akkustand der Hörstöpsel und des Ladeetuis angenehmerweise in Einerschritten sehr genau an und erfreulicherweise ist Samsung einer der wenigen Hersteller, die an einen Tablet-Einsatz denken und eine Querformatsansicht bieten.

Die Galaxy Buds 4 Pro sollen über AAC bei aktiviertem ANC eine Akkulaufzeit von sechs Stunden erreichen, hier liefern viele Konkurrenzprodukte bereits mehr; daher ist die Leistung nicht gerade hoch. Mit dem Ladeetui lassen sich die Stöpselakkus dreimal aufladen, das soll eine Gesamtakkulaufzeit von 26 Stunden ergeben.


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