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Samsung Galaxy Note Pro 12.2 im Test: Groß, schwer, aber praktisch

Mit Stiftbedienung, viel Leistung und großem Display ist das Samsung Galaxy Note Pro 12.2 vor allem für den Business-Alltag entwickelt worden. Doch auch für Schüler und Studenten kann das Tablet interessant sein.
/ Sebastian Wochnik
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Das Samsung Galaxy Note Pro 12.2 ist ein Android-Tablet im Din-A4-Format. (Bild: Fabian Hamacher/Golem.de)
Das Samsung Galaxy Note Pro 12.2 ist ein Android-Tablet im Din-A4-Format. Bild: Fabian Hamacher/Golem.de

Das Galaxy Note Pro 12.2 ist eines der größten Tablets mit Android als Betriebssystem. Neben Samsung bietet aktuell kaum ein anderer Hersteller ein so großes Gerät an – Apple, Acer, Sony und Google setzen auf höchstens 10 Zoll große Displays. Zusammen mit dem Digitizer will Samsung ein ideales Gerät für Business-Kunden geschaffen haben, denn ausreichend Leistung und ein LTE-Modem sind vorhanden. Aber auch für Schüler und Studenten kann sich das Tablet lohnen.

Samsung Galaxy Note Pro 12.2 – Fazit
Samsung Galaxy Note Pro 12.2 – Fazit (01:12)

Das Samsung-Tablet ist mit 296 x 205 mm ziemlich groß – jedenfalls im Vergleich zu den sonst bekannten 10-Zoll-Modellen. Dennoch wirkt das Format vertraut, denn das Tablet ist nur minimal kleiner als ein gewöhnliches Din-A4-Blatt. Die Verarbeitung des Kunststoffgehäuses ist sehr gut. Die Tabletrückseite soll an Leder erinnern – selbst Nahtimitate verwendet Samsung – und ist angenehm griffig. Mit 8 mm ist das Galaxy-Tablet außerdem dünn, wodurch es kompakter wird und leichter aussieht, als es tatsächlich ist – die 755 Gramm des Note Pro 12.2 sind nicht zu unterschätzen.

Nichts für schwache Arme

Zwar ist das Galaxy Note Pro 12.2 das leichteste Gerät in diesem Format, doch fällt im Alltag das Gewicht immer noch negativ auf: Mit einer Hand halten wir das Tablet nicht gerne, dafür ist es über längere Zeit zu schwer. Angenehmer hält sich das Tablet in beiden Händen, doch ist so die Bedienung umständlich – mit dem Stift ist sie gar nicht möglich und auch mit den Fingern ist die Bildschirmmitte nur schwer zu erreichen. Selbst wenn das Tablet nur aufrecht auf einem Tisch gestützt werden soll, nervt das Gewicht. Ein Ständer, wie ihn etwa Microsoft in der Surface-Reihe oder Lenovo in den Yoga-Tablets verbaut, wäre praktisch, fehlt aber.

Am liebsten legen wir das Tablet einfach auf den Tisch und nutzen es mit dem Digitizer als digitalen Notizblock. Die Stiftbedienung bietet sich in diesem Format nämlich besonders an. Die reine Anzeigefläche des Displays ist aufgrund des 2 cm dicken Bildschirmrahmens zwar etwas kleiner als die Fläche eines Din-A4-Blattes, doch lässt man bei diesem meist auch einen kleinen Rand beim Schreiben.

Ein Schritt zum papierlosen Büro

Samsungs Geräte der Galaxy-Note-Reihe laden dazu ein, auf Stift und Papier zu verzichten und handschriftliche Notizen stattdessen auf dem Tablet zu verfassen. Das klappt auch schon bei den kleineren Samsung-Tablets mit Digitizer gut, doch griffen wir bei längeren Texten wieder zu den herkömmlichen Schreibwerkzeugen. Beim 12,2-Zoll-Tablet dagegen ließen wir Papier und Stift liegen und machten auch längere Mitschriften auf dem Tablet. Zwar kommt das Schreibgefühl durch die glatte Oberfläche des Displayglases noch nicht an das Schreiben auf herkömmlichem Papier heran, doch macht sich die größere Schreibfläche im Vergleich zu einem 10-Zoll-Tablet positiv bemerkbar.

Praktisch fanden wir das Format auch beim Erarbeiten von Fachtexten aus Büchern. Schüler und Studenten kennen das Problem: Viele Bücher sind nur ausgeliehen und wichtige Textpassagen dürfen beim Lernen mit diesen nicht markiert werden. Eine Lösung wäre, die jeweiligen Kapitel zu kopieren, um darauf Notizen verfassen zu können. Mit dem Galaxy-Note-Tablet haben wir aber die Buchseiten einfach abfotografiert und konnten so bequem Notizen zu den jeweiligen Textpassagen verfassen, ohne Papier zu verbrauchen. Das geht zwar auch auf kleineren Tablets ganz gut, jedoch passt auch hier das Bildschirmformat des großen Samsung-Tablets einfach besser, da die Buchseiten meistens in Originalgröße auf dem Bildschirm dargestellt werden können.

Gute Handschrifterkennung mit unzureichender Unterstützung

Beim Surfen kann auf die virtuelle Tastatur verzichtet werden. Die wirklich gute Handschrifterkennung ermöglicht das Schreiben mit dem Digitizer. Auch krakelige Schrift erkennt die Software zuverlässig. Doch ist sie nicht komplett in das System integriert, so dass einige Apps die Handschrifterkennung nicht zulassen, stattdessen muss die virtuelle Tastatur verwendet werden. Sinnvoll ist bei dieser eine Zahlenreihe, die oben hinzugefügt wurde. Umlaute fehlen aber, obwohl genügend Platz für zusätzliche Tasten gewesen wäre.

Insgesamt ist das Android-Betriebssystem in der Version 4.4 alias Kitkat mit Samsungs Touchwiz-Oberfläche noch nicht ausreichend an die Stiftbedienung angepasst worden. An vielen Stellen ist der Stift nur ein Ersatz für den Finger, ohne einen Mehrwert zu bieten – das bemängelten wir bereits bei den 8- und 10-Zoll-Modellen. Nur in wenigen Anwendungen wie dem angepassten Kalender oder S-Pen lässt er sich auch sinnvoll nutzen.

Tablet als sehr große Infrarot-Fernbedienung

Schlecht umgesetzt sind auch die vielen Icons auf dem Startbildschirm und in der App-Übersicht. Diese sind für ein 12,2-Zoll-Gerät viel zu groß, so dass nur vergleichsweise wenig App-Symbole auf eine Seite passen. Wären sie kleiner, würde das den Bedienungskomfort deutlich verbessern.

Multi-Window-Modus ruckelt

Ansonsten sind die meisten Funktionen bereits vom Galaxy Note 8.0 bekannt. So wird der Digitizer erkannt, wenn er einige Millimeter über dem Displayglas gehalten wird, und der Touchscreen deaktiviert. So kann die Hand auf das Display gelegt werden, ohne eine Eingabe auszulösen. Auch Smart Stay und S Voice sind vorhanden. Der Multi-Window-Modus bietet sich auf dem großen Tablet besonders an. Bis zu vier kompatible Anwendungen können nebeneinander angezeigt werden. Bei der dritten geöffneten App begann unser Tablet aber, deutlich zu ruckeln.

Als Universalfernbedienung lässt sich das Tablet mit seiner Infrarotlampe nutzen. Die dazugehörige Applikation bietet eine große Auswahl von Geräten verschiedener Hersteller. So konnten wir zügig einen Fernseher von LG, eine Comag-Set-Top-Box und einen A/V-Receiver von Yamaha konfigurieren. Lediglich an einem älteren Panasonic-Fernseher scheiterte die App. Eine Fernbedienung im Din-A4-Format stellt sich im Alltag als nicht sehr praktisch heraus, da sie schlicht zu groß ist.

Beim Galaxy Note Pro 12.2 ist nun auch die Magazine UX in den Startbildschirm eingebaut worden. Mindestens eine Seite im Launcher muss so die Nachrichtenoberfläche sein. Jedoch unterstützen weiterhin nur wenige Dienste die Kacheln der magazinartigen Bedienoberfläche. Außerdem kommt es bei der Benutzung häufig zu Rucklern, was stört.

Werbe-Apps nerven

Mit ein paar vorinstallierten Apps möchte Samsung das große Tablet für den Business-Alltag attraktiver machen. So ist mit Remote PC eine App für den Fernzugriff auf den eigenen PC im Stile von Teamviewer vorinstalliert. Für diese App ist ein Samsung-Konto notwendig, dafür lässt sich der Fernzugriff leicht konfigurieren. Für Meetings bietet Samsung mit seiner E-Meeting-App eine Lösung an, und auch Ciscos Webex Meeting ist auf Samsungs Tablet bereits installiert. Leider sind auch viele Applikationen installiert, die nur wenige Besitzer verwenden werden. Werbe-Apps von Cewe oder HRS sind einfach unnötig.

Viele helle Pixel

Das 12,2-Zoll-Display ist ein sogenanntes Super Clear TFT LCD mit IPS-Panel und löst mit 2.560 x 1.600 Pixeln auf, was dem WQXGA-Standard entspricht. Aufgrund der Pixeldichte von 247 ppi sind Bildschirminhalte scharf und auch Treppcheneffekte kommen trotz des großen Displays nicht vor. Mit 366 cd/qm ist das Display ausreichend hell, damit der Nutzer auch bei sehr hellem Umgebungslicht alles erkennen kann. Die Ausleuchtung ist mit 84 Prozent nicht gut, Helligkeitsunterschiede sind mit dem bloßen Auge leicht erkennbar. Auch der Schwarzwert ist zu hoch: Schwarze Flächen wirken eher wie ein dunkles Grau.

Für viele Galaxy-Geräte bietet Samsung diverse Farbmodi, die Dynamisch, Video und Standard heißen. Beim Videomodus sind die Farben zwar blasser, wirken aber natürlich. Dynamisch stärkt die Sättigung deutlich; der Standardmodus liegt zwischen den beiden und gefällt uns am besten.

Samsungs Digitizer nutzt die passive Technik von Wacom. Das Panel liefert die Energie, sofern der Stift nah genug gehalten wird, und braucht dadurch keine eigene Stromversorgung. Er bietet 1.024 Druckstufen, welche in Samsungs S-Pen-Anwendungen kaum auffallen. Erst beim Zeichnen mit dem vorinstallierten Sketchbook konnten wir mit den verschiedenen Druckstufen arbeiten.

In der von uns getesteten LTE-Variante ist der Snapdragon 800 von Qualcomm verbaut, der auch in Googles Nexus 5 oder Nokias Lumia 1520 verbaut ist. Die vier Kerne takten mit bis zu 2,3 GHz und liefern im Alltag ausreichend Leistung. Das spiegeln auch die Benchmark-Ergebnisse wider: Im Geekbench 3 erreicht das Tablet im Single-Core-Benchmark 921 Punkte und im Multi-Core-Benchmark 2.804 Punkte. Beim 3DMark Icestorme Ultimate erzielte es 14.610 Punkte im Graphics-Score und 8.092 Punkte im Physics-Score.

Der Octa-Core-SoC Exynos 5420 aus eigener Entwicklung ist in der Nur-WLAN-Variante des Galaxy Note Pro 12.2 verbaut.

Das Tablet verfügt über 3 GByte Arbeitsspeicher und besitzt je nach Ausstattung einen 32 oder 64 GByte großen Flash-Speicher. Bei unserem Testgerät mit 32 GByte internem Speicher sind 6 GByte für das Betriebssystem reserviert. In den Einstellungen erscheint nur der Flash-Speicher, in den auch Apps installiert werden. Ein Micro-SD-Kartenschacht ist vorhanden und auch App2SD wird unterstützt, so dass Applikationen auch auf eine Micro-SD-Karte ausgelagert werden können.

LTE auf sechs Frequenzen

WLAN unterstützt das Tablet nach 802.11 a/b/g/n/ac, also auf den beiden Frequenzbändern 2,4 und 5 GHz. GPS mit Glonass-Unterstützung und Bluetooth in der Version 4.0 sind auch verbaut. Im Galaxy-Note-Tablet ist ein WWAN-Modem mit Micro-SIM-Kartenschacht verbaut. Das Tablet unterstützt dadurch laut Samsung Quadband-GSM, UMTS auf den Frequenzen 850, 900, 1.800, 1.900 und 2.100 MHz sowie die LTE-Frequenzen 800, 850, 900, 1.800, 2.100 und 2.600 MHz.

Die 8-Megapixel-Rückkamera eignet sich maximal für Schnappschüsse. Die Schärfe passt zwar, allerdings sind die Farben flau und Details werden nicht gut dargestellt. Häufiger kommt es zu verwackelten Bildern – denn es ist nicht einfach, das große Tablet ruhig zu halten. Die 2-Megapixel-Frontkamera nimmt zu dunkle Bilder auf, das reicht aber für einfache Selbstporträts.

Akku im Standby zu schnell leer

Aufgeladen wird das Tablet über die OTG-fähige Micro-B-USB-3.0-Buchse, an die auch MHL-fähige Monitore angeschlossen werden können, denn einen HDMI-Ausgang besitzt das Tablet nicht. Der Akku mit einer Nennladung von 9.500 mAh ist bei durchschnittlicher Nutzung nach 1,5 Tagen leer. Ein 1.080p-Video konnte das Tablet rund 8 Stunden wiedergeben. Nervig ist aber der hohe Standby-Verbrauch: Nutzt man das Tablet nicht und lässt es nur liegen, muss es bereits nach 2,5 Tagen wieder aufgeladen werden.

Verfügbarkeit und Fazit

Das Samsung Galaxy Note Pro 12.2 mit LTE und 32 GByte Speicher ist im Onlinehandel ab 715 Euro erhältlich. 100 Euro weniger kostet die Variante ohne Mobilfunkmodul. Die Modelle mit 64 GByte internem Speicher sind nicht verfügbar.

Fazit

Das Galaxy Note Pro 12.2 ist ein Tablet im Din-A4-Format, das trotz der Größe gut in jede Aktentasche passt. Aufgrund des hohen Gewichts versucht man allerdings instinktiv, das Gerät irgendwo abzulegen. Um es in einer Hand zu halten, ist es einfach zu schwer und beim Halten mit beiden Händen ist es nur umständlich bedienbar.

Die Bedienung mit dem Digitizer funktioniert gut, jedoch ist dieser nicht tief genug in das Android-Betriebssystem integriert. An manchen Stellen ist es nicht möglich, mit der Handschrifterkennung zu arbeiten und es muss stattdessen die virtuelle Tastatur verwendet werden. Ist es möglich, mit dem Stift zu arbeiten, klappt das so komfortabel wie mit keinem anderen Galaxy-Note-Gerät. Auch längere Texte können so handschriftlich geschrieben werden.

Wer weniger auf Mobilität setzt und stattdessen ein Tablet haben möchte, auf dem auch längere Texte per Hand geschrieben werden können, wird mit dem Note Pro 12.2 glücklich. Ruckler treten zwar auf dem Startbildschirm auf, die meisten Apps laufen aber schnell und flüssig. Die Akkulaufzeit bei der Nutzung ist in Ordnung, lange ungenutzt herumliegen darf es allerdings nicht. Das Display gefällt uns. Wer ein Tablet auch mit einer Hand bedienen und es nur für das Schreiben kurzer Notizen verwenden will, sollte lieber zum Galaxy Note 8.0 greifen.

Für Schüler und Studenten kann das Samsung-Tablet ein sinnvolles Arbeitsgerät sein, mit dem das Lernen erleichtert wird. Diesen empfehlen wir aber die Variante ohne LTE, da sie rund 100 Euro günstiger ist.


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