Samsung Galaxy Note 4 im Test: Ausdauerndes Riesen-Smartphone mit Top-Hardware

Auf der Ifa 2014 hatte Samsung die vierte Generation seiner Galaxy-Note-Smartphones präsentiert: Das Galaxy Note 4 ist Samsungs erstes Smartphone mit einer Displayauflösung von 2.560 x 1.440 Pixeln. Der südkoreanische Hersteller hat auch sonst viel an der Hardware verbessert. Die Stiftbedienung hat einige neue Funktionen bekommen, die durchaus sinnvoll sind, wie der Test von Golem.de ergeben hat.

Das Display des Galaxy Note 4 hat wie das des Vorgängers eine Größe von 5,7 Zoll, die Auflösung hat Samsung allerdings stark erhöht. Das neue Galaxy Note löst jetzt mit 2.560 x 1.440 Pixeln auf, was eine hohe Pixeldichte von 515 ppi ergibt.











Damit bringt Samsung nach LG als zweiter großer Hersteller ein Smartphone mit derartig hoher Auflösung heraus. LGs G3 hat aber ein kleineres Display, so dass sich eine nochmals höhere Pixeldichte ergibt.
Das Display des Samsung-Smartphones wird durch 2.5D-Glas vor Kratzern geschützt und zeigt dementsprechend Bildschirminhalte absolut scharf an. Auch feine Details werden ohne erkennbare Pixelränder dargestellt, weshalb insbesondere Schrift gut erkennbar ist.
Überraschend dezente Farben
Farben stellt das Galaxy Note 4 trotz OLED-Technologie überraschend dezent dar - ein deutlicher Unterschied zur Bonbonoptik anderer Samsung-Smartphones und -Tablets. Dabei ist die Standardeinstellung - ein Modus, in dem Kontrast und Farbwiedergabe an verschiedene Nutzungssituationen wie Galerie, Videowiedergabe oder Browsernutzung angepasst werden - sogar verglichen mit der sogenannten einfachen Einstellung noch recht farbenfroh. Wer es also noch dezenter möchte, kann die Farbwiedergabe weiter zurückschrauben.
Display wie gedruckt
Die Blickwinkelstabilität hat Samsung beim Galaxy Note 4 nochmals verbessert: Auch bei extremen Betrachtungswinkeln verliert der Bildschirm nicht nennenswert an Helligkeit, auch die Farben bleiben unverändert. Hier kommt das Galaxy Note 4 nahe an das Display des neuen iPhone 6 Plus heran, das allerdings noch ein Stück brillanter ist. Dennoch sehen auch beim Samsung-Gerät Bildschirminhalte stellenweise aus wie gedruckt - was uns sehr gut gefällt.











Insgesamt ist Samsung beim Galaxy Note 4 sein bisher bestes Smartphone-Display gelungen. Der Bildschirm überzeugt nicht nur durch eine scharfe Darstellung, sondern auch durch eine sehenswerte Blickwinkelstabilität und überraschend natürliche Farben. Die maximale durchschnittliche Helligkeit liegt bei 288 cd/m², was für ein OLED-Panel ein guter Wert ist.
Gute neue Stiftfunktionen
Das Galaxy Note 4 wird mit Android in der Version 4.4.4 alias Kitkat ausgeliefert, worauf Samsung seine eigene Benutzeroberfläche installiert. Diese bietet wieder zahlreiche, auf die Stiftbedienung ausgerichtete Extrafunktionen, die der Hersteller nochmals verbessert und erweitert hat. Die Empfindlichkeit des Stiftes hat Samsung zudem erhöht.
Zieht der Nutzer den Stift aus seiner Halterung, öffnet sich wie beim Galaxy Note 3 das Stiftmenü, das vier S-Pen-Befehle beinhaltet. Dieses Menü kann auch wieder aufgerufen werden, indem die Stifttaste gedrückt wird, während der Stift über den Bildschirm gehalten wird.
Neben einem Aktionsmemo bietet das S-Pen-Menü die Funktionen intelligente Auswahl, Bildclip und Screenshot-Notiz. Insbesondere mit der intelligenten Auswahl ist Samsung ein Werkzeug gelungen, das den Einsatzzweck des S-Pen nochmals erweitert.
Intelligente Auswahl zum Sammeln von Informationen
Mit der intelligenten Auswahl lassen sich Inhalte auf dem Display mit dem Stift einkreisen, diese werden anschließend in einem kleinen Ablagefenster in der rechten Bildschirmecke gesammelt. Intelligent an dieser Auswahl ist der Umstand, dass bestimmte Daten wie Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Ortsangaben auch aus Bildern herausgefiltert werden können. Diese werden dem Nutzer als anklickbare Links angezeigt, eine Adresse beispielsweise als Google-Maps-Link, eine Telefonnummer als direkt anwählbarer Eintrag.











Mit der intelligenten Auswahl lassen sich Informationen übersichtlich sammeln und weiterverbreiten. Die gesammelten Schnipsel können gespeichert und verschickt werden: Dafür muss das Ablagefenster einfach in eine E-Mail verschoben werden. Bei Bedarf lässt sich alles auch als Scrapbook-Datei verschicken, allerdings müsste der Empfänger dann auch ein entsprechend ausgerüstetes Samsung-Gerät haben. Alternativ können die Inhalte als Bild- und Textdatei verschickt werden.
Neu ist auch die Möglichkeit, den S-Pen zum Markieren von Dateien zu verwenden. Wie mit einem Mauszeiger kann der Nutzer ein Kästchen über mehrere Dateien ziehen, die anschließend alle selektiert sind.
Verbesserter Multi-Window-Modus
Verbessert hat Samsung auch den Multi-Window-Modus: Nutzer können jetzt zwischen dem Split-Screen-Display mit zwei parallel angezeigten Apps und einem Floating-Window-Modus umschalten. Anwendungen können generell als separates Fenster über der aktuell genutzten App benutzt werden, indem mit dem Finger vom rechten oder linken oberen Rand in das Display gewischt wird. Dieses Fenster kann in der Größe angepasst und auch angedockt werden, um sich mit der im Hintergrund laufenden App den Bildschirm zu teilen.
Inhalte können dann zwischen den einzelnen Anwendungen verschoben werden, was auf dem großen Display insbesondere bei Produktivitätsanwendungen gut funktioniert. So lässt sich schnell und unkompliziert ein Textstück aus dem Browser in einen Messenger ziehen. Im Bedarfsfall kann das Chat-Programm abgedockt und umhergeschoben werden.
Eine weitere neue Funktion, die für das Arbeitsumfeld praktisch sein könnte, ist Photo Note. Damit können Dokumente, aber auch Texte und Zeichnungen auf Tafeln abfotografiert und als aufgearbeitete Notiz gespeichert werden. Hierbei kann das Galaxy Note 4 in unseren Tests Zeichnungen und Fotos von Text gut unterscheiden und perspektivische Verzerrungen ausgleichen. Der abgespeicherte Notizbucheintrag kann direkt weiterbearbeitet und etwa durch Notizen ergänzt werden - praktisch unter anderem für Schüler und Studenten.
Rahmen mit Metallspuren
Das Gehäuse des Galaxy Note 4 ist wie das des Galaxy Alpha aus Kunststoff, der Rahmen soll aus Metall sein. Betrachten wir allerdings die Anschlüsse des USB-Ladekabels oder der Kopfhörerbuchse sowie den Steckplatz des S-Pens genauer, erkennen wir schnell, dass beim Rahmen nur die beiden schmalen silbernen Streifen aus Metall sind. Der schwarze Hauptteil des Rahmens ist aus Kunststoff - einen echten Metallrahmen hat das Note 4 also nicht.











Der abnehmbare Rückdeckel ist aus dem für Samsung üblichen dünnen Kunststoff, die Oberfläche ahmt Leder nach. Anders als das Galaxy S5 ist das Galaxy Note 4 nicht von Hause aus vor Wasser und Staub geschützt.
Der Übergang zwischen dem Displayglas und dem Metallrahmen ist für unseren Geschmack nicht gut gelöst: Abgesehen von dem sogar im Handbuch beschriebenen breiten, unschönen Spalt hört die an sich gut gelungene Rundung des Glases aus unserer Sicht zu abrupt auf. Hier schließt dann der breite Metall-Kunststoff-Rahmen an, was etwas klobig aussieht.
Gute Verarbeitung
Von der Verarbeitung ist das Galaxy Note 4 sehr gut: Der Rückdeckel knarzt nicht und lässt sich wackelfrei festdrücken. Das Smartphone ist verwindungssteif, der S-Pen sitzt fest in seiner Halterung.
Mit 8,6 mm ist das Galaxy Note 4 etwas dicker als das wenige Millimeter längere Ascend Mate 7 von Huawei. Mit 153 x 78,6 mm zählt auch das neue Galaxy-Note-Modell zu den größten Smartphones auf dem Markt, Nutzer mit kleinen Händen dürften das Gerät nur schlecht mit nur einer Hand bedienen können.
Unterhalb der Kamera hat Samsung auf der Rückseite des Galaxy Note 4 jetzt auch den Pulsfrequenzmesser eingebaut, der bereits vom Galaxy S5 bekannt ist. Nutzer können also auch mit dem neuen Modell ihre Herzfrequenz messen und mit Hilfe der vorinstallierten Fitness-App aufzeichnen. Der Sensor funktioniert in unseren Tests zuverlässig.
Verbesserter Fingerabdrucksensor
Auch den Fingerabdrucksensor hat Samsung in das neue Galaxy-Note-Modell eingebaut. Das Funktionsprinzip ist das gleiche wie beim Galaxy S5: Um das Smartphone zu entsperren, muss der Nutzer einen der registrierten Finger über den Home-Button ziehen. Beim Galaxy S5 hatten wir hier insbesondere vor dem ersten Update ziemliche Probleme, häufig wurden unsere Finger nicht erkannt.
Beim Galaxy Note 4 hat Samsung nach eigener Aussage den Sensor verbessert. In unseren Tests funktioniert die Erkennung deutlich zuverlässiger: Anders als beim Galaxy S5 ist es beim Neuling jetzt problemlos möglich, den Finger auch in einer anderen Position als der registrierten über den Sensor zu streichen.
Während das Galaxy S5 hier die Entsperrung verweigerte, klappt es beim Galaxy Note 4 tadellos. Dennoch empfinden wir die Entsperrung per Wischgeste weniger komfortabel als das Auflegen beim iPhone oder beim Ascend Mate 7. Wie beim Ascend Mate 7 können auch beim Galaxy Note 4 bestimmte Dateien mit dem Fingerabdruck in einem privaten Modus gesichert und vor unbefugtem Zugriff verborgen werden.
Kamera mit schnellem Autofokus
Die Kamera auf der Rückseite hat 16 Megapixel, der Autofokus arbeitet wie beim Galaxy S5 dank Digitalkameratechnik recht schnell. Die mit der Kamera gemachten Fotos haben eine angenehme Schärfe, die Farben wirken allerdings etwas flau. Das liegt auch am äußerst geringen Kontrast bei Tageslichtaufnahmen: Dieser kann in den Einstellungen der Kamera anders als bei anderen Herstellern nicht eingestellt werden. Manche Bilder würden wir nachbearbeiten, da uns der Kontrast deutlich zu gering ist.











Verglichen mit dem Xperia Z3 zeigt die Kamera des Galaxy Note 4 feine Details deutlicher und weniger verwaschen, insgesamt wirken die Bilder auch ohne HDR von der Belichtung her sehr ausgewogen. Im Standardmodus wirken die mit dem Galaxy Note 4 gemachten Fotos wie HDR-Aufnahmen anderer Smartphones. Verglichen mit dem Galaxy S5 gefallen uns die Fotos des Galaxy Note 4 weniger gut, was hauptsächlich an den flauen Farben und dem fehlenden Kontrast liegt. Von der Schärfe her sind die Ergebnisse vergleichbar.
Übersichtliche Kamera-App
Die Kamera-App ähnelt der des Galaxy S5 und bietet mehrere Aufnahmemodi. Neben dem gut funktionierenden Automatikmodus gibt es unter anderem einen Beauty-Modus, eine Panorama-Einstellung und einen Modus, bei dem im Nachhinein der Fokus verändert werden kann. Zusätzliche Modi können heruntergeladen werden.
Die Frontkamera des Galaxy Note 4 hat 3,7 Megapixel und eignet sich daher neben Videotelefonie auch für Selbstporträts. Samsung hat mit Huawei gleichgezogen und einen neuen Modus hinzugefügt, mit dem Panorama-Selbstporträts aufgenommen werden können. Das funktioniert in der Praxis gut und ermöglicht bequeme Aufnahmen mit mehreren Personen.
Starker Snapdragon-Prozessor
Im Inneren des Galaxy Note 4 arbeitet je nach Absatzmarkt entweder ein Exynos 5433 mit acht Kernen und einer Mali T760 als GPU, oder ein Snapdragon 805 mit vier Kernen und einer Adreno 420 als Grafikeinheit.
Wir haben das europäische Modell mit dem Snapdragon 805 getestet, der mit 2,7 GHz getaktet ist. Der Arbeitsspeicher ist wie beim Galaxy Note 3 wieder 3 GByte groß, der eingebaute Flash-Speicher 32 GByte. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten bis 128 GByte ist eingebaut.
Das Galaxy Note 4 unterstützt neben Quad-Band-GSM und UMTS auch LTE nach Cat4 und Cat6. WLAN läuft nach 802.11a/b/g/n und ac, Bluetooth in der Version 4.1 LE. Ein NFC-Chip sowie ein GPS-Empfänger mit Glonass-Unterstützung sind eingebaut. Am oberen Rand befindet sich wieder ein IR-Sender, mit dem elektronische Geräte wie Fernseher gesteuert werden können.
Top-Ergebnisse bei den Benchmark-Tests
In den Benchmark-Tests schneidet das Galaxy Note 4 angesichts der Prozessor-Ausstattung erwartungsgemäß sehr gut ab. Im Geräte-Benchmark Geekbench 3 erreicht das Samsung-Smartphone beim Single-Test 1.085 Punkte - das sind noch einmal 60 Zähler mehr als das Oneplus One. Im Multitest kommt das Galaxy Note 4 auf 3.257 Punkte, das sind um die 500 Zähler mehr als das Xperia Z3.
Die Adreno-GPU liefert im GFX Benchmark ebenfalls hervorragende Ergebnisse. Im Manhattan-Test erreicht das Smartphone einen Offscreen-Wert von 18,5 fps, im T-Rex-Test einen Offscreen-Wert von 42,4 fps - dies sind mit dem neuen iPhone 6 vergleichbare Werte. Im 3D Mark von Futuremark kommt das Samsung-Gerät auf 20.326 Punkte, ebenfalls ein sehr gutes Resultat.
Entsprechend ruckelfrei laufen auch grafisch anspruchsvolle Apps wie Riptide GP 2 mit maximalen Grafikeinstellungen. Auch in den Menüs und bei alltäglichen Aufgaben konnten wir keine Ruckler oder Lags feststellen.
Akkulaufzeit
Der problemlos wechselbare Akku des Galaxy Note 4 hat eine Nennladung von 3.220 mAh und ist dank sogenanntem Adaptive Fast Charging innerhalb von 30 Minuten zu 50 Prozent aufgeladen.
Einen 1080p-Film können wir bei maximaler Helligkeit, angeschaltetem WLAN und aktivierter Synchronisation (E-Mail, Facebook, Twitter) über zehn Stunden lang anschauen - ein exzellenter Wert. Im Alltag kommen wir mit dem Note 4 bequem auf eine Laufzeit von anderthalb Tagen. Im Notfall hilft der mit dem Galaxy S5 eingeführte Extrem-Stromsparmodus, auch mit den letzten Akkureserven über mehrere Stunden hinwegzukommen.
Verfügbarkeit und Fazit
Das Galaxy Note 4 kostet im Onlinehandel 700 Euro und ist bereits bei einigen Händlern lieferbar. Großflächig ist das Smartphone noch nicht erhältlich.











Fazit
Mit dem Galaxy Note 4 ist Samsung eine sehr gute Fortführung seiner Note-Smartphones gelungen. Das Display gehört dank hoher Schärfe und sehr guter Blickwinkelstabilität und Farbwiedergabe zu den aktuell besten Smartphone-Bildschirmen am Markt.
Zudem hat es Samsung geschafft, die Stiftbedienung weiter zu verbessern. Die neuen Funktionen wie etwa den intelligenten Auswahlmodus finden wir im Alltag nützlich. Auch die erweiterte Multi-Window-Funktion mit der einfachen Möglichkeit, Apps per Wischgeste zu verschiebbaren Fenstern zu verkleinern, gefällt uns. Begeistert sind wir vom Akku, der trotz hoher Display-Auflösung eine sehr lange Laufzeit ermöglicht.
Die Alltagstauglichkeit des Fingerabdrucksensors wurde beim Galaxy Note 4 deutlich verbessert. Allerdings finden wir das Drüberwischen des Fingers immer noch weitaus weniger praktisch als das Auflegen, wie es beispielsweise Apple beim iPhone oder Huawei beim Ascend Mate 7 machen. Über den Sinn des Pulsfrequenzmessers kann gestritten werden, er arbeitet aber auch beim Galaxy Note 4 genauso zuverlässig wie beim Galaxy S5.
Etwas enttäuscht waren wir von der Kamera. Diese macht zwar Fotos mit guter Schärfe und anständiger Detailzeichnung, der Kontrast und die Farben sind uns aber deutlich zu lasch. Bei anderen Herstellern kann häufig zumindest der Kontrast in den Grundeinstellungen der Kamera-App eingestellt werden, diese Option fehlt beim Galaxy Note 4 leider. Zwar kann der mangelnde Kontrast im Nachhinein notfalls ausgebessert werden, umständlich ist das aber allemal.
Das Galaxy Note 4 bietet mit der Stiftbedienung im Vergleich mit anderen großen Top-Smartphones wie dem iPhone 6 Plus und dem Ascend Mate 7 einen echten Mehrwert. Wer die Anschaffung eines Smartphones mit großem Bildschirm und aktueller Hardware plant, sollte sich trotz des hohen Preises das Galaxy Note 4 definitiv anschauen.



