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Samsung Ativ Smart PC im Test: Windows 8 und Atom im Tablet - das Beste aus beiden Welten?

Ein 11,6 Zoll großer Touchscreen, lange Laufzeiten und Kompatibilität zu allen Windows-Programmen - die Erwartungen an Intels neue Plattform Clover Trail für Windows 8 sind groß. Der Smart PC XE500T1C von Samsung erfüllt sie jedoch nur zum Teil.
/ Nico Ernst
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Der Smart PC Ativ XE500T1C (Bild: Nico Ernst/Golem.de)
Der Smart PC Ativ XE500T1C Bild: Nico Ernst/Golem.de

Tablets mit Windows 8 müssen nicht in der Softwareauswahl eingeschränkt sein wie das Asus V ivo Tab RT oder das derzeit verfügbare Surface von Microsoft, auf denen Windows RT läuft und damit nur neue Apps funktionieren. Mehr Möglichkeiten eröffnen Tablets mit x86-Prozessoren, beispielsweise Intels Atom-SoC Clover Trail , auf dem alle gewohnten Windows-Anwendungen laufen sollten.

Samsung Ativ Smart-PC - Hands on (Ifa 2012)
Samsung Ativ Smart-PC - Hands on (Ifa 2012) (01:33)

Das erste verfügbare derartige Gerät ist der Ativ Smart PC XE500T1C(öffnet im neuen Fenster) von Samsung. Er ist ebenso wie das Asus-Tablet auch für eine ansteckbare Tastatur vorgesehen, die aber noch nicht lieferbar ist. Schon das Display mit 11,6 Zoll Diagonale und der stolze Preis von 699 Euro deuten darauf hin, dass der Smart PC ein Notebook und ein Tablet ersetzen soll und nicht nur als Unterhaltungs- und Internetgerät für unterwegs gedacht ist.

Nicht nur für Microsoft, das für Windows 8 eine massive Werbekampagne gestartet hat, sondern auch für Intel sind solche x86-Tablets eine wichtige Kategorie. Die wenigen bisher verfügbaren Atom-Tablets haben allenfalls Achtungserfolge erzielt, was vor allem an der geringen Leistung des Prozessors und der kurzen Laufzeit liegt. Die Marke "Atom" wird zudem immer noch mit langsamen Netbooks assoziiert, was nicht alleine an der CPU liegt. Sparkomponenten wie langsame SSDs verderben bei diesen Geräten im Vergleich zu flotten Tablets den Spaß.

Wir testen im Folgenden ein Serienmodell des Smart PC XE500T1C, das am Erstverkaufstag von Windows 8 gekauft wurde. Der Rechner ist bei vielen Händlern und Versendern bereits verfügbar. Die mechanische Tastatur, die das Gerät in ein Notebook verwandelt, soll für 100 Euro Aufpreis erst im Dezember 2012 auf den Markt kommen.

Handlich trotz hohem Gewicht

744 Gramm bringt der Smart PC auf die Waage. Das erscheint angesichts leichter Tablets als ziemlich viel. Zum Vergleich: Das iPad 3 wiegt nur 662 Gramm und das RT-Tablet von Asus - das kleinere Windows-RT-Gerät von Asus - 532 Gramm. Dennoch ist das Samsung-Tablet auch für das Halten in der Hand noch nicht zu schwer, was vor allem am griffigen Material und der geringen Dicke von 11 Millimetern liegt. Samsung gibt 9,9 Millimeter an, unser Messschieber zeigt einen Millimeter mehr. Allzu lange mag man den Smart PC aber nicht mit nur zwei Händen benutzen, dazu ist er nicht leicht genug. Tippen mit den Daumen klappt nur bei sehr großen Händen, weil das Display so breit ist. Auf einen Tisch gelegt ist das Gerät aber immer noch übersichtlich.

Um Gewicht zu sparen, hat sich Samsung für einen leichten Kunststoff entschieden, der auf Fotos viel billiger wirkt, als er sich anfühlt. Das Material ist an der Rückseite so glatt, dass die Finger förmlich daran festkleben. Die unter dem Lack optisch strukturierte Oberfläche vermittelt die Illusion von gebürstetem Aluminium. Metallic-Blau ist bisher die einzige Farboption.

Fast zwei Zentimeter breit ist der schwarze Rand um das Display, er sorgt dafür, dass das Tablet in jeder Ausrichtung so gehalten werden kann, dass die Finger den Bildschirm nicht verdecken. Das einzige Bedienungselement an der Front ist die Windows-Taste, die immer wieder auf den Startbildschirm zurückführt - ganz so, wie das von Home-Buttons bei Android und iOS bekannt ist.

Betrachtet man das Gerät im Querformat, so findet sich an der linken Kante die Lautstärkewippe und darunter ein Micro-HDMI-Port. Oben links sind eine Kombi-Buchse für ein Headset sowie der Einschaltknopf, ein USB-2.0-Port und eine Taste für das Abschalten der automatischen Ausrichtung des Bildschirminhalts. Weiter rechts sind an der Oberkante die Slots für Micro-SD-Karten und eine SIM-Karte angebracht. Das Modell mit 3G-Funkmodul ist aber noch nicht lieferbar, so dass die Klappe für die SIM-Karte fest verschlossen ist.

Alle Ports sind mit diesen kleinen Deckeln gesichert, die sich nicht ganz fingernagelfreundlich öffnen lassen. Immerhin sind sie mit einem kleinen und recht robusten Gummiband gesichert und können so nicht leicht verloren gehen. Während der oben - und nicht seitlich - angebrachte USB-Port auf den ersten Blick merkwürdig wirkt, hat er doch einen Vorteil: Das Tablet kann auch mit angestecktem Zubehör noch so aufgestellt werden, dass alle Bedienungselemente leicht zugänglich sind.

Guter Klang, aber kein Laden per USB

An beiden Seiten des Displays befinden sich Lautsprecher. Dadurch wird ein gutes Stereopanorama vermittelt. Sie entwickeln zwar nur eine geringe Lautstärke, diese reicht aber zum Videogucken für eine Person in ruhiger Umgebung voll aus. Im Gegensatz zu vielen anderen mobilen Geräten verzerren die Lautsprecher auch bei voller Lautstärke nicht.

Ein echtes Manko ist die runde Minibuchse für das Netzteil, die an der Unterkante des Smart PC angebracht ist. Das liegt nicht nur daran, dass sich das Tablet nicht über seinen USB-Port aufladen lässt. Schon, wenn das Gerät auf einem nur einen Zentimeter dicken Gegenstand hinten aufliegt - was die Bedienung auf einem Schreibtisch erleichtert -, stützt es sich auf den Stecker des Ladegeräts. Wackelkontakte und ausgebrochene Buchsen sind so programmiert.

Windows 8 kann auch auf Atoms schnell sein

Nach dem ersten Einschalten ist das Ativ-Tablet nach rund 15 Minuten eingerichtet. Die meiste Zeit benötigt das System zum Einrichten der Apps, was schon auf eine langsame SSD hindeutet. Weitere Tests zeigen noch, dass der Massenspeicher eine Schwachstelle des Geräts ist.

Die Windows Store Apps der früher Metro genannte Oberfläche laufen nach der Einrichtung erstaunlich schnell. Dass nur 2 GByte RAM im Gerät stecken und der Atom einer der langsamsten x86-Prozessoren ist, fällt kaum auf. Das Surfen auch auf mit viel Flash gestalteten Webseiten läuft flüssig, und auch Youtube-Videos in 1080p kommen nicht ins Stocken. Intel hat damit eine Schwäche des Atom durch den Grafikkern PowerVR SGX 545 und bessere Treiber endlich behoben.

Dieser gute Eindruck relativiert sich jedoch, wenn der Nutzer zum Desktop wechselt und klassische Windows-Anwendungen nutzt. Dann reagiert die Kombination aus langsamer SSD und schwacher CPU so träge, wie man es von einfachsten Netbooks gewohnt ist. Ein Beispiel: Allein das Starten der Installation von 3DMark06, bei dem ein 500 MByte großes Paket dekomprimiert werden muss, dauert mehr als eine Minute. Da bei Windows 8 auch die Anzeige für das Starten von Desktopprogrammen im Touch-Betrieb fehlt, kann der unbedarfte Anwender sogar meinen, die Installation wäre gar nicht angestoßen worden.

Dabei hat Samsung alle üblichen Bremsen von Windows schon gelöst, nicht immer zum Vorteil des Nutzers. So ist zum Beispiel der Computerschutz deaktiviert, im Auslieferungszustand werden also Änderungen wie durch neue Treiber nicht in Wiederherstellungspunkten gespeichert. Für die neue Versionskontrolle von Anwenderdateien gilt das Gleiche. Beide Funktionen sollten Nutzer für den produktiven Einsatz wieder einschalten, wir haben für den Test den Werkszustand beibehalten.

Eine Stunde Updates, bevor alles aktuell ist

Vor einer Nutzung im Alltag hat der Käufer des Samsung-Tablets ohnehin noch einige Updates vorzunehmen, alleine fünf für Windows 8 selbst hat unser Gerät gefunden. Insbesondere, dass das "Critical Update" - eine Art Mini-Service-Pack - für Windows 8 nicht installiert war, verwundert uns. Diese Aktualisierung stellte Microsoft bereits Anfang Oktober 2012 bereit. Auch Samsungs eigenes Updateprogramm namens "SW Update" fand einen neuen WLAN-Treiber für das Broadcom-Modul und der Windows Store noch 31 Updates für die vorinstallierten Apps.

Da der Atom Z2760 ohnehin nur 2 GByte Speicher verwalten kann und nicht 64-Bit-fähig ist, hat Samsung eine 32-Bit-Version von Windows 8 installiert. Das spart auf der SSD und auch im Hautspeicher zudem etwas Platz. Dennoch bleiben nur rund 32 GByte der 64 GByte großen SSD übrig.

Das liegt nicht nur an den großen Windows-Programmen, sondern auch an den gleich vier Partitionen. Eine dient mit 300 MByte für die UEFI-Daten, 6 GByte benötigt das Recovery-Image, und nochmals knapp 500 MByte benötigt eine Samsung-eigene Wiederherstellungspartition. Der Speicherplatz ist also knapp, und das, obwohl Samsung noch nicht einmal ein Office-Paket vorinstalliert hat. Zwar findet sich auf der Taskleiste des Desktops angedockt ein Office-Symbol, es führt aber nur zum Download einer Testversion von Office 2010. Der Käufer erhält mit dem Smart PC also ab Werk weniger Softwarefunktionalität als bei RT-Geräten, bei denen deren Office-Version bereits vorinstalliert ist.

Helles Display mit Stift und kleiner Auflösung

Für 699 Euro ein 11,6 Zoll großes Display mit nur 1.366 x 768 Pixeln anzubieten, ist angesichts der Preise anderer Tablets und Notebooks recht mutig. Dass die Auflösung für ein Gerät mit kurzem Betrachtungsabstand zu klein ist, zeigt sich schon bei den Windows-Store-Apps: Schriften erscheinen unscharf und ausgefranst. Auf dem klassischen Desktop ist das ganz anders, weil hier andere Schriftarten verwendet werden.

Tatsächlich sorgt die kleine Auflösung dafür, dass sich in Grenzen auch Desktopprogramme mit den Fingern sinnvoll bedienen lassen. Die Schaltflächen des Explorers etwa sind so groß, dass sie sich noch gut treffen lassen. Erst recht ist das der Fall, wenn der unten rechts im Gerät versteckte Stift genutzt wird. Der ist zwar nur 10,4 Zentimeter lang, aber so dick wie ein Bleistift und damit recht handlich.

Samsung hat für den Stylus einen Digitizer von Wacom verbaut, zudem hat der Stift eine Taste. Durch diese Ausstattung sind alle von Stift-Tablets gewohnten Funktionen wie das Schweben oder der Klick ohne Displayberührung verfügbar. Das klappt bei beiden Benutzeroberflächen.

Leider ist jedoch mit dem Notizprogramm Mini S Note nur eine einzige Anwendung vorinstalliert, die wirklich auf den Stift ausgerichtet ist. Mit dem Programm lassen sich zwar Notizen schnell erstellen, es bietet jedoch weder einen Vollbildmodus noch Handschrifterkennung. Das ist gerade wegen Samsungs Erfahrungen mit den Note-Geräten als Tablet oder Smartphone unverständlich. Das Windows Journal, das Handschrifterkennung beherrscht, ist jedoch vorinstalliert und somit Mini S Note vorzuziehen.

Das Display erreicht nach Angaben des Herstellers eine Helligkeit von 400 Candela, Angaben zur Technik gibt es nicht - wir tippen auf ein PVA-Panel, für IPS sind die Farben zu blass. Im direkten Vergleich mit einem Super-IPS-Panel wie bei Asus' RT-Tablet und den Android-Transformern vom selben Hersteller fällt der Unterschied deutlich auf. Die Helligkeit des Ativ-Tablets reicht aber aus, um auch im direkten Sonnenlicht Spiegelungen zu überstrahlen.

Der Touchscreen erkennt fünf Finger zuverlässig und reagiert recht schnell. Alle Gesten für das das neue UI wie das Scrollen mit zwei Fingern und das Wischen vom Bildschirmrand zum Darstellen der Charms funktionieren so, wie sie sollen.

HDMI ohne 720p

Das gilt in Grenzen auch für den HDMI-Ausgang. Er kann beispielsweise für die Verbindung zu Fernsehern für den Filmabend bei Freunden genutzt werden. Die gemessenen gut sechs Stunden Laufzeit reichen dafür aus. Ärgerlich ist aber, dass auf zwei getesteten Fernsehern von Toshiba und LG eine pixelgenaue Darstellung, also ohne Overscan-Skalierung, nicht möglich war. Mit anderen PCs beherrschen diese Fernseher das.

Zudem bieten die Intel-Treiber die 720p-Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln nicht an, dafür aber die noch mehr Skalierung erfordernde HD-ready-Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln. Damit ist zwar die Dual-Screen-Darstellung mit dem Tablet - etwa für Präsentation über einen Projektor - gut möglich, bei Videos leidet aber die Bildqualität, weil weder Material in 720p noch Full-HD skalierungsfrei dargestellt werden kann.

Langsames USB und lahme SSD

Ein vollwertiger USB-2.0-Port an einem Tablet ist eine feine Sache und nicht selbstverständlich. Zwar funktioniert die Schnittstelle am Smart PC wie erwartet und kann auch 2,5-Zoll-Festplatten mit Strom versorgen, der Port ist jedoch ungewohnt langsam. Sowohl bei USB-Sticks als auch bei Festplatten, die an anderen PCs über 32 MByte/s beim Lesen und Schreiben erreichen, kommt das Ativ-Tablet nur auf 22 MByte/s. Backups des Geräts etwa dauern also rund ein Drittel länger als sie müssten.

Während das noch zu verschmerzen ist, ist die von Samsung verbaute SSD ein ständiges Ärgernis bei allen Aktionen mit dem Smart PC. Sie kommt nur auf rund 82 MByte/s beim Lesen und 32 MByte/s beim Schreiben - das sind Werte, die selbst billige Netbooks heute überbieten. Auch jede aktuelle 2,5-Zoll-Festplatte ist schneller. Beim Schreiben von 4K-Blöcken sind nur noch 1,6 MByte/s machbar, was beispielsweise das Arbeiten mit Archiven voller kleiner Dateien zum Geduldsspiel macht.

Samsung ist an dieser lahmen SSD nicht alleine schuld, denn der Atom Z2760 unterstützt, anders als seine Netbook-Versionen, keine SATA-Ports. Sie fielen dem sparsamen SoC-Design als einzelner Chip zum Opfer. Frühere Atom-Plattformen hatten noch einen Chipsatz aus nur einem zusätzlichen Baustein, der SATA und USB zur Verfügung stellt.

Der neue Atom beherrscht kein Sata

Statt der SATA-Schnittstelle gibt es beim Z2760 nur zwei Ports für eMMCs, eine Embedded-Variante der MMC-Karten. Diese Speichermedien sind zwar mit nur 1,8 Volt und im BGA-Gehäuse recht platz- und stromsparend, aber eben auch langsam. Vorgesehen waren sie vor allem für die Verwendung in Smartphones oder Embedded-Geräten wie Industriesteuerungen, aber nicht für Windows-PCs. Darunter leidet das Ativ-Tablet erheblich. Es bleibt nur zu hoffen, dass Samsung, selbst größter Flash-Hersteller der Welt, für künftige Atom-Tablets schnellere Speichermedien entwickelt. Denkbar wäre auch ein Raid-0, das beide eMMC-Ports des Atom nutzt, was dann aber auf Kosten der Datensicherheit geht.

Geheimsache Atom Z2760

Das Samsung-Tablet wurde nicht nur wegen Windows 8 mit Spannung erwartet. Auch Intels erstes für lange laufende Windows-Geräte entwickeltes System-on-a-Chip (SoC) mit Codenamen Clover Trail feiert im Smart PC seine Premiere. Der noch auf 32-Nanometer-Fertigung basierende Chip ist schon so lange verspätet, dass noch kurz vor dem Marktstart Zweifel aufkamen , ob Intel einen sparsamen Dual-Core-Atom wirklich bauen kann.

Das ist gelungen - immerhin läuft das Tablet in unseren Tests zwischen 6 und 8 Stunden. Wie Intel das geschafft hat, behält das Unternehmen aber weitgehend für sich. Ganz untypisch bei einem verfügbaren Produkt gibt es auch in Intels ARK-Datenbank(öffnet im neuen Fenster) kaum Informationen zum Atom Z2760, dem offiziellen Markennamen des Clover Trail. Auch ein Datenblatt ist auf Intels Servern bisher nicht verlinkt.

Vor allem die Angabe zur Leistungsaufnahme (TDP) fehlt, aus inoffiziellen Quellen ist aber zu hören, dass diese rund 2 Watt beträgt. Daher kommt der Smart PC auch ohne Lüfter aus. Auf dem letzten IDF erwähnte Intel noch, dass der Z2760 einen neuen Stromsparmodus namens S0ix hat, der Connected Standby ermöglicht. Auch die Ansteuerung des Hauptspeichers für LPDDR2 ist sparsam, aber maximal effektiv 800 MHz schnell dürfen die DRAMs sein. Sie können als Package-on-Package direkt auf dem Chipgehäuse des Atom angebracht werden.

Auch wenig Informationen gibt es zum Grafikkern des neuen Atom, der wie gehabt von PowerVR stammt. Intel gab dazu bisher nur an, dass es sich um den Kern SGX 545 handelt, der mit 500 MHz getaktet ist. Er beherrscht weiterhin nur DirectX9, aber auch OpenGL ES 2.0.

Voll HD-tauglich mit Hardwarebeschleunigung

Überarbeitet wurde vor allem die Video-Engine des Atom. Codecs wie WMV9 und H.264 bis High-Profile 4.2 werden per Hardware beschleunigt. In unseren Tests waren weder Flash-Videos in 1080p mit H.264-Kern noch eine WMV-Datei mit 1080p und einer Datenrate von rund 20 MBit/s ein Problem - alles lief ruckelfrei. Wie auch andere moderne Tablets ist der Smart PC damit voll HD-tauglich, das war bisher bei Atom-Geräten nicht selbstverständlich.

Die CPU-Kerne des Z2760 laufen mit bis zu 1,8 GHz, was Task Manager und Ressourcenmonitor auch anzeigen. Die minimale Geschwindigkeit liegt bei rund 600 MHz, genauer lässt sich das bisher nicht angeben. Da Intel den Prozessor so lange geheim gehalten hat, können Tools wie CPU-Z auch in aktuellen Versionen die Daten nicht zuverlässig auslesen.

Wie andere Atom-Dual-Cores beherrscht auch Clover Trail Hyperthreading, was unter Windows 8 mit dem neuen UI auch auffällt: Selbst wenn Anwendungen im Hintergrund laufen, reagiert das Gerät noch flott auf Eingaben. Nach unseren Tests kann der Prozessor seinen Takt von 1,8 GHz auch bei langer Last halten, er throttelt laut Ressourcenmonitor beispielsweise nicht bei Cinebench. Leistungsunterschiede im Akkubetrieb und bei angestecktem Netzteil ergeben sich auch nicht - die Performance bleibt erfreulicherweise immer gleich.

Benchmarks und Akkulaufzeit

Als Atom-CPU mit weiterhin nicht veränderter Technik liegt der Z2760 auf dem Niveau von seinen Netbook-Pendants wie dem aktuellen N2800. Durch den schwächeren Speicher - LPDDR2 statt DDR3 - ist der nur 60 MHz schneller getaktete N2800 aber auch in den CPU-Benchmarks etwas schneller.

So sind beim Cinebench R10 32 Bit bei Nutzung aller Kerne (xCPU), für den Atom Z2760 nur 1.689 Punkte zu verzeichnen, der N2800 kommt auf 1.812 Zähler. Die erwartbare Rechenleistung liegt also im Rahmen von aktuellen Netbooks,schon ein mobiler Core i3-2310M aus 500-Euro-Notebooks ist aber mit mehr als 6.000 Punkten mehrfach schneller. Fixer als AMDs C-50 ist auch der neue Z-Atom weiterhin.

Bei der Grafikleistung ist es umgekehrt, hier liegen AMDs Radeon-Kerne im Segment der besonders stromsparenden x86-CPUs vorne. Im Vergleich zu ersten Embedded-Atoms wie dem Z670, aus dem beispielsweise Fujitsu Convertibles baute, hat der Z2760 aber deutlich zugelegt. Er kommt im 3DMark 2001 auf 4.239 Punkte und ist dabei noch gut 40 Prozent schneller als der erste Atom N270, der in Netbooks nur auf knapp 3.000 Zähler kam.

Auch die Akkulaufzeiten sind für ein nur 744 Gramm schweres Windows-Gerät gut. Bei einer Videoschleife mit dem Film Big Buck Bunny (MP4, 720p) hielt der Smart PC sechs Stunden und 17 Minuten durch. Bei Installationsarbeiten mit mehreren Neustarts und stets aktivem WLAN samt Surfen bei mittlerer Helligkeit konnten wir über sieben Stunden arbeiten. Das ist weniger als beim RT-Gerät von Asus, das auf über 10 Stunden kommt, angesichts des großen Displays aber immer noch ein guter Wert.

Eine Stunde spielen kostet nur 15% Akku

Auch die Standzeit im Standby überzeugt. Nach 12 Stunden hatte der Akku nur 3 Prozent Ladung verloren, so dass sich die von Intel versprochenen zwei Wochen Standby wohl erreichen lassen dürften. Auch das Spielen von einfachen Titeln zehrt kaum am Akku. Das vorinstallierte Plants vs. Zombies (Trial-Version) hatte nach einer Stunde den zuvor voll geladenen Akku nur um 15 Prozent entleert.

Während unserer Tests haben wir einmal auch ins Bios geblickt, das keinerlei Optionen zum Booten von anderen Medien bietet - das war das Ziel, nachdem ein bootfähiger USB-Stick nicht starten wollte. Danach luden wir die Bios-Defaults, speicherten - und seitdem hing das Gerät im Bios fest, Windows 8 wollte nicht mehr starten.

Samsung Ativ Smart PC XE500T1C hängt im Bios fest
Samsung Ativ Smart PC XE500T1C hängt im Bios fest (00:33)

Samsung konnte das Problem auf gleiche Weise nicht nachstellen und auch keinen Tipp geben, wie der Rechner aus diesem Zustand von seiner Recovery-Partition zu starten ist. Der Hersteller riet zum Umtausch, den der Händler nach Vorführung des Effekts auch anstandslos abwickelte.

Die Gründe für die Bootverweigerung sind noch nicht abschließend geklärt, bis das der Fall ist, können wir nur davor warnen, das Bios aufzurufen. Immerhin: Beim Austauschgerät ließ sich der Fehler nicht mehr provozieren, so dass es sich wohl um einen Einzelfall handelt. Vielleicht hat der Smart PC auch seine Keys für Secure Boot vergessen. Sie zu laden war jedenfalls nicht möglich, weil das Bios trotz Verweis auf die eMMC keinerlei Datenträger erkannte.

Fazit

100 Euro billiger, mit Full-HD-Display und einer mindestens doppelt so schnellen SDD - so wäre Samsungs Smart PC ein tolles Angebot. In der gegenwärtigen Form ist es aber vor allem durch die schlechte SSD nur für die Windows-Store-Apps ein gutes Tablet. Die Apps reagieren flott, und die Laufzeiten sind für ein Gerät mit so großem Display überzeugend.

Mit klassischen Windows-Anwendungen bleibt jedoch nur die Leistung eines Netbooks übrig, und zwar eines rund zwei Jahre alten. Da mögen CPU und Grafik noch so sehr beschleunigt sein, die lahme SSD macht all das zunichte.

Betrachtet man aber das Gesamtpaket aus Windows-8-Tablet und Netbook mit Touchscreen - die Tastatur für 100 Euro ist noch nicht lieferbar -, so ersetzt der Smart PC beide Geräte recht brauchbar. Wer nicht beide Geräte anschaffen und mit sich herumschleppen will, mag im Ativ-Tablet guten Ersatz finden. Es nerven aber viele Kleinigkeiten wie die fehlende Möglichkeit, per USB aufzuladen, der langsame USB-Port und auch die sparsame Softwarebestückung.

Die erhoffte eierlegende Wollmilchsau, die Kompatibilität zu x86-Programmen und flottes Tablet-Gefühl vereint, ist Samsungs Smart PC nicht, dazu ist die Rechenleistung mit Desktop-Apps zu gering. Das ist erst mit dem Smart PC Pro zu erwarten, der mit einem Core-i5-Prozessor ausgestattet ist und Anfang 2013 erscheinen soll. Ob dann aber auch die guten Laufzeiten zu erreichen sind, ist noch nicht abzusehen.


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