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Samsung 850 Pro im Test: Schnellste 2,5-Zoll-SSD mit zehn Jahren Garantie

Mit V-NAND ein neuer Flash-Speichertyp, lange Garantie und recht hohe Preise: Samsung will mit der neuen SSD -Serie 850 Pro den Maßstab setzen. Das gelingt bis auf einige Anfangsschwierigkeiten auch, die Samsung bis zum Marktstart beheben sollte.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Nico Ernst , Marc Sauter
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Die kleinste und die größte: Die 850 Pro gibt es von 128 GByte bis 1 TByte (Bild: Nico Ernst/Golem.de)
Die kleinste und die größte: Die 850 Pro gibt es von 128 GByte bis 1 TByte Bild: Nico Ernst/Golem.de

Nachdem es im Jahr 2013 nur die Serie 840 Evo als große neue Familie von 2,5-Zoll-SSDs von Samsung gab, steht nun wieder eine Runderneuerung an. Die Serie 850 Pro macht den Anfang, sie löst die 2012 vorgestellte 840 Pro ab. Bei den Laufwerken handelt es sich weiterhin um SSDs im bekannten Formfaktor für Desktop-PCs und Notebooks. Das bedingt auch die größte Einschränkung: Die Schnittstellengeschwindigkeit der Sata-Ports mit 6 GBit/s steigert auch die 850 Pro nicht.

Zwar gibt es mit dem sehr schnellen M.2 einen neuen Formfaktor, dieser ist bisher aber nur bei wenigen brandaktuellen Mainboards und einigen Notebooks verfügbar. Das Gros des Marktes für SSDs zum Nachrüsten besteht immer noch aus den 2.5-Zoll-Laufwerken. Diesen Markt sowie die Hersteller von hochwertigen, vom Kunden konfigurierten PCs hat Samsung mit der 850 Pro auch als Ziel. Dabei will das Unternehmen wie schon mit der 840 Pro das schnellste Laufwerk stellen, nun aber auch das langlebigste.

Die Verpackungen der Vorserienmodelle mit 128, 256 und 512 GByte sowie 1 TByte, die Samsung Golem.de zum Test zur Verfügung stellte, weisen noch eine Garantie von fünf Jahren aus. Wenige Tage vor der Vorstellung der Laufwerke in Korea teilte das Unternehmen mit, dass die Garantie auf zehn Jahre erweitert werde. Dies gilt wie bei Massenspeichern üblich nur für die Funktion des Geräts, um die Sicherheit seiner Daten – Stichwort: Backup – muss man sich selbst kümmern.

Zwar ergaben jüngste Langzeittests , dass manche SSDs – darunter auch die 840 Pro – weit mehr Schreibvolumen vertragen als die Hersteller selbst in ihren Datenblättern angeben. Samsung muss aber für die 850 Pro besonderes Vertrauen schaffen, da der Flash-Speicher darin in der neuen Bauform V-NAND ausgeführt ist.

Seit mehr als zehn Jahren forscht Samsung an der Technik, bei der die Flash-Zellen dreidimensional in inzwischen 32 Lagen auf einem Chip konstruiert werden. Erst vor einem Jahr hatte das Unternehmen einen Prototypen mit 24 Lagen vorgestellt, mit der 850 Pro geht V-NAND nun in die Serienproduktion. Weitere Details zur Technik will Samsung auf seiner derzeit noch laufenden Konferenz "SSD Summit" in Seoul verraten.

Fest stehen schon die Schreibvolumina: Über die zehn Jahre ihrer Garantiezeit soll die 850 Pro 150 Terabyte überstehen, was mit etwas Rundung 40 GByte an jedem einzelnen Kalendertag entspricht. Die "terabytes written" (TBW) geben inzwischen alle Hersteller als Lebensdauer an, bei der 840 Pro mit fünf Jahren Garantie nannte Samsung 73 TBW.

Testsystem und mysteriöses Zirpen

Vorab schickte das Unternehmen alle vier Kapazitäten der 850 Pro zum Test, die Golem.de nur für kurze Zeit ausprobieren konnte. Auch mit mehreren Mainboards, Kabeln und Netzteilen liefen die Laufwerke stets fehlerfrei. Wir haben verschiedene Umgebungen zusammengebaut, weil Samsung während der Messungen mitteilte, dass andere Tester ein deutliches Geräusch aus den SSDs vernommen hätten.

Dieses als "Zirpen" beschriebene Phänomen wird ähnlich wie das berüchtigte Spulenfiepen bei Grafikkarten und anderen Komponenten in der Regel durch das Zusammenspiel mit der Stromversorgung hervorgerufen. Alle vier Laufwerke verhielten sich in den Tests von Golem.de aber vollkommen still, auch wenn wir andere Geräte wie die stromhungrigen älteren Festplatten ES.2 von Seagate an den selben Kabelstrang hängten.

Die genaue Ursache – auch "root cause" genannt – für das Zirpen konnte Samsung bisher nicht finden, sie kann durch kleine Änderungen an der Elektronik wie durch zusätzliche Widerstände wohl noch bis zum Marktstart behoben werden. Frühestens Ende Juli 2014 sollen die SSDs verfügbar sein.

Wir haben die Geschwindigkeitsmessungen an den nativen 6-GBit-Anschlüssen des Mainboards Asus Z97-Deluxe mit einem Core i5-4430 durchgeführt. Stromsparmodi und Turbo-Boost des Prozessors waren für exakte Reproduzierbarkeit der Messungen deaktiviert, 2 x 8 GByte DDR3-1600-DRAM dienten als Hauptspeicher, als Betriebssystem kam Windows 8.1 Professional in der 64-Bit-Version mit dem Intel-RST-Treiber 12.9 zum Einsatz. Die Ergebnisse sind somit mit dem Test der M.2-Laufwerke vergleichbar.

Die Serie 850 Pro unterscheidet sich äußerlich bei genauem Hinsehen von der 840 Pro vor allem durch das nun in einem satten Rot statt dem bisherigen in Orange gehaltenen Quadrat auf der Oberseite. Sonst ist das 7 Millimeter flache Gehäuse aus Kunststoff – worüber die verchromte Kante an der Oberseite hinwegtäuscht – im Design unverändert. Auf der Unterseite gibt es statt bisher vier Torx-Schrauben nur noch eine, welche die SSD zusammenhält. Die Verschlüsselung mit AES-256 der 840 Pro und 840 Evo unterstüzt auch die 850 Pro.

Wir haben uns bei den Tests auf die Leistungsunterschiede zu anderen 2,5-Zoll-SSDs, insbesondere dem direkten Vorgänger 840 Pro, und zu den neuen M.2-SSDs konzentriert. Dass die 850 Pro, wie von Samsung versprochen, auch bei stundenlangem Dauerschreiben nicht in der Leistung einbricht, wollen wir mit einer neueren Firmware überprüfen, die aller Wahrscheinlichkeit nach noch vor dem Marktstart erscheint. Anhaltspunkte dafür sind das Zirpen, aber auch die Tatsache, dass ausgerechnet das 1-TByte-Modell beim Kopieren von großen Dateien einen Tick langsamer als die kleineren Geräte ist. Samsung will dieses von Golem.de beobachtete Verhalten noch selbst nachstellen.

Benchmarks und Kopiertests

Den Anspruch, die schnellste 2,5-Zoll-SSD zu sein, erfüllt die 850 Pro über alle Tests gesehen durchaus. Wie bei anderen Solid State Discs auch fällt die kleinste Größe, hier 128 GByte, im Tempo etwas zurück – hier werden nicht alle Speicherkanäle des Controllers genutzt. Deswegen, und weil der Preis pro Gigabyte gegenüber der nächsten Stufe von 256 GByte höher ist, erscheinen 128-GByte-SSDs heute nicht mehr besonders attraktiv.

Anders als Samsungs Datenblatt angibt, ist sowohl bei den synthetischen Benchmarks, die viele verschiedene Zugriffsmuster ausführen, wie auch beim Kopieren von Dateien innerhalb des Laufwerks die 850 Pro mit 128 GByte langsamer als ihre größeren Kollegen. Die Unterschiede bewegen sich aber im einstelligen Prozentbereich, so dass man sie in der Praxis nicht spürt.

Das gilt auch für das sequenzielle Schreiben von großen Dateien, das beim Vorgänger 840 Pro bei allen Tests etwas schneller ist – bei kleineren Dateien ist die 850 Pro wiederum schneller. Dennoch sollte Samsung hier mit neuer Firmware nachbessern, damit das neue und teurere Modell in allen Belangen überzeugen kann.

Dass die neue Flash-Architektur und wohl ihre Ansteuerung bei großen Dateien ein kleines Problem hat, zeigt sich auch bei einem Test, den wir nicht mehr in die Diagramme aufnehmen konnten. Dazu haben wir von einer 840 Pro auf die 850 Pro insgesamt 80 GByte eines Steam-Spieleverzeichnisses kopiert, was beim Umziehen von Spielen ohne neuen Download nützlich sein kann. Unser Verzeichnis besteht überwiegend aus mehreren GByte großen Dateien, und dabei ist dann die teure Terabyte-SSD langsamer als das 128-GByte-Laufwerk. Auf der kleinen SSD landeten die Daten bei fünf Durchläufen mit Neustarts im Mittel mit 435 MByte/s, die 850 Pro mit 1 TByte nahm sie nur mit 406 MByte/s entgegen.

Fazit und Preise

Über alle Tests gesehen ist die 850 Pro die schnellste 2,5-Zoll-SSD – beim Schreiben großer Datenmengen ist ihr der Vorgänger aber ein wenig überlegen. Das mag an der neuen Firmware liegen, die für das neue V-NAND-Flash nötig war – hier hat Samsung noch Zeit für Verbesserungen, denn frühestens Ende Juli 2014 sollen die Laufwerke auf den Markt kommen. Das von Golem.de nicht nachstellbare Zirpen einiger Exemplare sollte bis dahin auch behoben werden, auch wenn es bei eingebauten SSDs kaum stören dürfte. Sofern das nicht gelingt, wäre es aber ein Ärgernis.

Das klingt alles nach den typischen Kinderkrankheiten neuer Hardware, vor allem eine davon wiesen die vier SSDs aber nicht auf: Abstürze. Auch beim Wechsel an andere PCs, dem Neupartitionieren oder dem vollständigen Löschen mittels des Samsung-Tools Magician, das in einer neuen Beta-Version vorlag, liefen die Laufwerke fehlerfrei. Das schafft ebenso wie die lange Garantie von zehn Jahren Vertrauen, zumal Samsung bisher kaum durch grobe Firmware-Bugs auffiel.

Die guten Leistungen lässt sich der Hersteller aber auch recht teuer bezahlen. Die Größen von 128, 256, 512 GByte und 1 TByte haben Preisempfehlungen von 140, 239, 469 und 729 Euro. Sie sind damit zwischen 35 und 160 Euro teurer als die aktuellen Marktpreise der 840 Pro, die kaum langsamer sind. Ein Umstieg lohnt also nur, wenn die längere Garantie die wichtigste Rolle spielt.

Dass aus der betagten 6-GBit-Schnittstelle mit Flachbandkabeln kaum mehr als bisher herauszuholen ist, zeigt aber auch die 850 Pro. Selbst Msata-SSDs für den M.2-Steckplatz sind fixer, und per PCI-Express angebundene Laufwerke für den neuen Slot bis zu doppelt so schnell. Wenn es insbesondere bei selbstgebauten Workstations auf höchste Massenspeicherleistung ankommt, führt an dem neuen Formfaktor abseits von RAIDs kein Weg vorbei.

Nachtrag vom 1. Juli 2014, 8:55 Uhr

Wie Samsung Golem.de auf dem SSD Summit in Seoul sagte, ist bis zur Auslieferung der 850 Pro keine neue Firmware geplant. Daher wird man wohl vorerst mit der etwas geringeren Schreibleistung der 1-TByte-SSD leben müssen. Wir haben den ersten Absatz der Meldung entsprechend korrigiert. Ab dem 21. Juli 2014 sollen die Laufwerke weltweit ausgeliefert werden, breite Verfügbarkeit in Deutschland erwartet das Unternehmen weiterhin erst Anfang August 2014.


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