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Sammelklagen: Wie Onlyfans mit der Illusion von Exklusivität verdient

Bei Onlyfans zahlen Menschen Geld, um mit einer attraktiven Person exklusiv zu chatten. Doch so "only" sind die Gespräche womöglich gar nicht.
/ Lars Lubienetzki
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Ein 31-jähriger Halbleitermontagetechniker, der an einer Sammelklage gegen Onlyfans beteiligt ist, posiert für ein Porträt in seinem Haus in Kalifornien. (Bild: REUTERS/Carlos Barria)
Ein 31-jähriger Halbleitermontagetechniker, der an einer Sammelklage gegen Onlyfans beteiligt ist, posiert für ein Porträt in seinem Haus in Kalifornien. Bild: REUTERS/Carlos Barria
Inhalt
  1. Sammelklagen: Wie Onlyfans mit der Illusion von Exklusivität verdient
  2. Betrugsvorwürfe in den USA

Wie viele Onlinedienste, die den Menschen Wege aus der Einsamkeit versprechen, hat auch die britische Plattform Onlyfans stark von der Coronapandemie profitiert. In Zeiten totaler Isolation suchten viele Menschen zumindest virtuelle Nähe. Onlyfans lieferte sie zuverlässig – und noch viel mehr.

Die Plattform verspricht ihren Nutzern Exklusivität und direkte Gespräche mit realen Personen. Genau dieses Versprechen steht seit geraumer Zeit im Zentrum von Sammelklagen in den USA(öffnet im neuen Fenster) . Der Vorwurf: Viele Chats stammten nicht von den beworbenen sogenannten Creators selbst, sondern von externen Dienstleistern. Was als persönlicher Austausch vermarktet wird, könnte in Wahrheit ein durchorganisiertes Geschäftsmodell mit anonymen Chattern sein. Haben Nutzer für eine Illusion bezahlt?

"Sex sells" auf Onlyfans

Das Geschäftsmodell von Onlyfans(öffnet im neuen Fenster) geht so: Das Onlineportal bietet Nutzern eine einfache Möglichkeit, exklusive Inhalte gegen Zahlung mit anderen Personen zu teilen. Schnell erkannten Menschen das Potenzial für sexuell explizite Inhalte. Wer sie sehen möchte, zahlt neben einer monatlichen Abogebühr noch für jedes Foto oder Video zusätzlich.

Rasch machten Meldungen die Runde, dass Models auf diese Weise teilweise sechsstellige Umsätze generiert hätten. Den Hype befeuerte der Betreiber zusätzlich, indem er exklusive Chats mit den Erstellern der heißbegehrten Inhalte, also den Creators, versprach. Das hatte bis dahin keine andere Plattform in dieser Form angeboten.

Geschäft läuft rund um die Uhr

Im Jahr 2024 soll Onlyfans(öffnet im neuen Fenster) an seine Creators knapp sechs Milliarden US-Dollar ausgezahlt haben. Der Nettoumsatz nach Abzug der Creator-Vergütung lag bei etwas mehr als einer Milliarde US-Dollar. Das zeigt die Dimension des Geschäfts und wie vor allem Onlyfans davon profitiert. 80 Prozent der Gebühren gehen an die Creators, 20 Prozent behält die Plattform als Provision, so lautet der einfache Deal.

Trotz der Milliardenausschüttung können die wenigsten Creators wirklich davon leben. Eine Untersuchung der Erotikplattform Erobella(öffnet im neuen Fenster) unter deutschen Creators ergab, dass die durchschnittlichen monatlichen Einnahmen über Onlyfans zwischen 200 und 500 Euro pendelten. Der zeitliche Aufwand für Werbung und Kommunikation ist da noch gar nicht eingepreist.

Am Ende bleibt ein effektiver Stundenlohn von gerade einmal drei bis acht Euro. Die meisten Creators liegen damit deutlich unter dem gesetzlichen Mindestlohn, der ab dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro pro Stunde liegt.

Weltweit besuchen regelmäßig rund 300 Millionen Menschen die Plattform. Etwas mehr als vier Millionen nutzen den Onlinedienst als Creators. Frauen treten mehr als Creators, Männer mehr als Konsumenten in Erscheinung. Befürworter sehen in Onlyfans, gerade für Frauen und queere Personen, einen Ort, an dem Menschen selbst über die angebotenen Inhalte und Einnahmen entscheiden können.

Doch einige weibliche Creators berichten(öffnet im neuen Fenster) eher das Gegenteil und sprechen von sexueller Ausbeutung durch männliche Besucher. Zudem plant Onlyfans, in den USA den kriminellen Hintergrund der Creators zu prüfen. Dadurch könnte sich die Gefahr für Leib und Leben professioneller Sexarbeiter erhöhen, da diese wieder auf die Straße gedrängt würden. Denn eines ist unbestritten: Sexuelle Dienstleistungen über Onlyfans anzubieten, ist deutlich sicherer.


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