Betrugsvorwürfe in den USA
Und dann sind da noch die Vorwürfe einiger Nutzer, sie bekämen gar nicht, was ihnen Onlyfans versprochen habe. Die Exklusivität der Chats soll in vielen Fällen gar nicht erfüllt werden.
In der jüngsten Vergangenheit gab es Beschwerden über angeblich externe Chatter(öffnet im neuen Fenster) . Dabei handelt es sich um durch den Creator beauftragte Personen, die in seinem Namen mit den Fans chatten – und das rund um die Uhr. Auch ein Creator braucht schließlich Schlaf. Kostenpflichtige Fotos und Videos sollen aber bitte fleißig weiter angepriesen werden.
In den Statuten von Onlyfans sind externe Chatter selbstverständlich ausdrücklich verboten. Wie in den meisten AGB solcher Onlinedienste erfüllen solche Klauseln jedoch nicht mehr als die Funktion eines juristischen Tarnanzugs. Denn Gewinnmaximierung steht immer an erster Stelle. Nur auf Druck von außen werden Regelverstöße durch den Betreiber auch geahndet.
Doch mal ehrlich: Wenn ein Creator Hunderte oder gar Tausende Fans hat, wie soll diese Person allein mit jedem einzelnen Fan individuelle Gespräche führen? Viele Onlyfans-Nutzer scheinen das zumindest geglaubt zu haben und sind nun vermutlich einer Illusion aufgesessen. In den USA laufen deswegen Sammelklagen gegen den Betreiber und einige Agenturen(öffnet im neuen Fenster) . Der Vorwurf lautet Betrug.
Onlyfans schweigt
Im Zuge der Recherche für diesen Artikel hat der Autor mehrfach die Pressestelle von Onlyfans in London kontaktiert. Ohne Erfolg. Der für seine meist offenherzigen Inhalte bekannte Onlinedienst schweigt zu den Anschuldigungen.
Erstaunlicherweise reicht eine einfache Suchmaschinenanfrage, um Agenturen ausfindig zu machen, die auch in Deutschland externe Chatter für Onlyfans-Creators vermitteln. Auch dazu hätten wir gern mit den Agenturbetreibern gesprochen. Doch auch die Agenturbetreiber, die ganz offen Werbung machen – beispielsweise hier(öffnet im neuen Fenster) oder hier(öffnet im neuen Fenster) -, geben sich auf konkrete Anfragen verschlossen.
Auch auf der Social-Media-Plattform Reddit suchen Creators ungeniert nach externen Chattern, zum Beispiel in diesem Subreddit(öffnet im neuen Fenster) . Als Konsument könnte man also schon länger wissen: Bei Onlyfans gibt es eine ganze Menge, nur eben nicht "only", also exklusiv.
Die Illusion bleibt makellos
Bislang scheinen die Gerüchte Onlyfans nicht zu schaden. Bei den im Umlauf befindlichen Umsatzzahlen zeigen vereinzelte Sammelklagen in den USA offensichtlich noch keine größere Wirkung. Derweil tauchten Spekulationen auf, Onlyfans solle verkauft werden, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Von einem Verkaufswert zwischen sieben und acht Milliarden US-Dollar ist die Rede.
Wie so oft, wenn ein Geschäft in der digitalen Welt durch die Decke geht, gibt es inzwischen ganz viele Nachahmer, darunter Fancentro(öffnet im neuen Fenster) , Justforfans(öffnet im neuen Fenster) und Manyvids(öffnet im neuen Fenster) . Nicht alle der genannten Anbieter setzen so offensiv auf sexuell explizite Inhalte wie Onlyfans. Dennoch zeigt das: Der Markt für solche Angebote ist noch nicht gesättigt, solange Menschen die pure Illusion von Nähe genügt, um ihr Portemonnaie zu öffnen.



