Zuerst Kleben, dann programmieren

Doch bevor wir uns an die Programmierung wagen, basteln wir uns ein Auto. Dazu kleben wir eine der Papp-Karosserien zusammen. Während der Leim trocknet, stecken wir die Bausteine auf die Grundplatten. Die Motoren werden in die gelbe Grundplatte eingesetzt, so entsteht das Auto, Schieberegler und Taster in die rote Platte, wir haben jetzt eine Fernbedienung. Die Vertiefungen in den Platten halten die Bausteine auch ohne Montage fest, selbst wildes Rütteln am Schieberegler lockert ihn nicht.

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Beim Einbau gilt es allerdings darauf zu achten, die Bausteine zuerst auch einzuschalten. In ihrer Fassung ist der Einschalter nicht immer zu erreichen. Etwas nervig sind die verborgenen Einschalter, wenn sich die Bausteine nach einiger Zeit der Nichtnutzung selbst ausschalten. Dann fängt die Fummelei von neuem an.

  • Die kleinen Bausteine sind eigenständige Module (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • In jedem Baustein steckt ein eigener Akku und Bluetooth-Empfänger (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Mit Kabel kommen sie nur beim Laden per USB in Kontakt (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Teil des Sets sind auch zusätzliche Bastelteile (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • So entstehen zum Beispiel kleine Autos (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die Bauelemente werden bereits beim Öffnen der Box kurz erklärt. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Teil des Sets sind auch zusätzliche Bastelteile (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Einstieg mit komplexen Programm

Schließlich setzen wir die Karosserie auf die gelbe Grundplatte und unser Auto ist fertig. Soweit sind wir mit der Anleitung durch. Für die Programmierung verweist die Anleitung etwas schmallippig auf die Webseite und die App. In der App entdecken wir das fertige Programm in der Projektliste. Und sind überrascht.

Die Programmierung der Bausteine erfolgt über eine grafische Oberfläche. Wir ziehen unsere Bauteile auf die Arbeitsoberfläche und können sie mit einander verbinden. Zwischen die Verbindungen können wir aber auch zum Beispiel logische Operationen, Bedingungen und Wertzuweisungen einfügen. So klicken wir ein kleines Programm zusammen, dass einen Motor mit 50% Leistung antreibt, wenn der Taster gedrückt wird. Doch über die App können auch Computeraktionen wie ein Tastendruck oder Mausklick als Eingaben verwendet werden, wie auch Aktionen am Computer ausgelöst werden - inklusive der Einbindung von IFTTT.

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Wem das alles nicht ausreicht, kann auch selbst Javascript-Code schreiben und einbinden. Genau das macht auch das mitgelieferte Programm für unser Fahrzeug. Statt eines einfachen Beispiels konfrontiert das Set den Einsteiger gleich mit rund 40 Zeilen Javascript-Code.

Basteln mit Krimskrams

Einfacher zu Programmieren sind die Projekte im Ideenbuch. Darin werden 16 zum Teil höchst unterschiedliche Bastelprojekte beschrieben. Die Baumaterialen wie Papier, Pappe, Buntstifte, leere Gläser und Dosen finden sich in jedem Haushalt. Bei den Basteleien spielen die Bausteine ihren Vorteil deutlich aus. Sie werden meist einfach mit doppelseitigen Klebeband aufgeklebt oder eine Papphalterung improvisiert. Weder müssen wir uns mit Kabeln und Leitungen herumschlagen, noch mit Batteriehaltern oder dem Flashen von Mikrocontrollern. Das reduziert den Frustfaktor.

Leider fehlen auch bei diesen Projekten nähere Erklärungen zu Programmierkonzepten oder der Funktionsweise von Sensoren und Aktoren. Lediglich in der App gibt es einige Hilfstexte, die Grundlagen anreißen. Eine echte Einführung sind aber auch sie nicht.

Der Akku lohnt keine Erwähnung

Anfangs waren wir misstrauisch bei der Akkulaufzeit. Erst recht, da nicht jeder Haushalt genug USB-Lademöglichkeiten vorhalten wird. In der Praxis haben wir uns aber darüber aber bald gar keine Gedanken mehr gemacht. Laut Hersteller sollen die Akkus bei Sensoren bis zu eine Woche durchhalten, Aktoren minimal eine halbe bis eine ganze Stunde bei dauerhafter Nutzung. Das können wir bestätigen. Unsere Sensoren haben wir überhaupt nicht "leer" bekommen und den Dauertest der Motoren haben wir nach zwei Stunden gelangweilt abgebrochen.

Während unserer Bastelprojekte mussten wir zu keinem Zeitpunkt eine Zwangsladepause einlegen. Allerdings gewöhnten wir uns daran, die benutzen Bausteine danach auch wieder aufzuladen. Wer keine Mobilität benötigt, kann die Bausteine auch durchgängig an ein USB-Netzteil hängen, sie funktionieren auch während des Ladevorgangs normal weiter. Der kabellose Aspekt geht dann natürlich verloren.

Einsatz auch ohne Computer

Die Bausteine erfordern für den sinnvollen Betrieb zwangsweise einen Computer oder Tablet. Um das Dilemma zu lösen, bietet Sam Labs inzwischen auch den sogenannten Sam-Cloud-Baustein an. Dabei handelt es sich um einen Raspberry Pi 3. Darauf läuft eine Linux-Version der App ohne GUI.

Das Programm wird dabei weiterhin in einer der regulären App-Versionen zusammengeklickt und kann dann auf den Cloud-Baustein übertragen werden. Dort läuft es dann autonom. Auf unsere Nachfrage erhielten wir vom Hersteller leider die Antwort, dass trotz der offensichtlichen Codebasis vorerst keine alleinstehende Anwenderversion der App unter Linux geplant ist.

Preis und Verfügbarkeit

Das Sam-Curious-Car-Set gibt es direkt beim Hersteller für rund 200 US-Dollar. Der Cloud-Baustein kostet rund 70 US-Dollar. Weitere Baustein-Sets liegen zwischen 140 und 800 US-Dollar. Leider sind auch die einzelnen Bausteine nicht wirklich preiswert: Sie liegen zwischen 30 und 45 US-Dollar.

Fazit

Das Konzept der drahtlosen Bausteine gefällt uns sehr gut, sie sind robust und sehr einfach zu verwenden. Die Akkulaufzeit ist alltagstauglich. Das Hand- und Ideenbuch im Set ist nah an klassischen Bastelprojekten aus Haushaltsgegenständen und vermeintlichem Müll - dafür kommt allerdings die Elektronik- und Programmiereinführung deutlich zu kurz. Für Vorschulkinder ist das allerdings in Ordnung, da sie sowieso Hilfe durch die Eltern brauchen werden und die grafische Programmieroberfläche zum experimentieren einlädt.

Auch Erwachsene können sich mit den Bausteinen so manchen Büroscherz basteln. Die drahtlosen Module sind einfach zu simpel in der An- und Verwendung und klein genug, als das wir uns die Gelegenheit entgehen lassen könnten, ein bisschen die Kollegen zu ärgern.

Ein wenig werden wir aber das Gefühl nicht los, dass der Hersteller ein wenig zu früh mit seiner Technik auf den Markt gegangen ist. Die Funktechnik und der Akku in jedem Baustein verteuert ihn deutlich, in zwei oder drei Jahren ist die Technik vermutlich noch deutlich preiswerter. Außerdem stört die aktuelle Beschränkung der Zahl der Bausteine, die gleichzeitig verwendet werden können. Auch hier kann der Hersteller nur auf eine bessere Unterstützung in der Zukunft hoffen.

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 Sam's Curious Cars: Wenn beim Elektronikset die Kabel verschwinden
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flasherle 25. Nov 2016

Das stimmt allerdings, aber ob man da jetzt 10 euro mehr oder weniger bei so nem Lpatop...

Anonymer Nutzer 24. Nov 2016

Also. Er ist dann offenbar zu jung oder farbenblind oder elektronik is nix für ihn oder...

chefin 24. Nov 2016

Ja, Ausbildung ist teuer. Aber überleg dir einfach was NICHT ausbilden kostet. Wenn die...

Anonymer Nutzer 23. Nov 2016

Jap. Da wäre doch kontaktloses laden nur konsequent xD



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