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Saison der Boshaftigkeit im Test: Diablo 4 macht sich selbst kaputt

Erst macht ein desaströser Patch für Diablo 4 die Community sauer und nun kommt die recht langweilige Saison 1. Das muss Blizzard besser machen.
/ Oliver Nickel
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In der ersten Saison von Diablo 4 sammeln wir boshafte Herzen. (Bild: Blizzard)
In der ersten Saison von Diablo 4 sammeln wir boshafte Herzen. Bild: Blizzard

Eigentlich hat Diablo 4 (Test) einen sehr guten Start hingelegt, nach einiger Zeit wurden die Probleme des Spiels aber deutlich sichtbar: Es gibt wenig Endgame-Content und das Leveln verlor ab Stufe 80 durch fehlenden Loot jeglichen Reiz . Die erste Saison lässt uns nun noch einmal von vorne beginnen und führt eine neue Mechanik ein. Schon der große Inhaltspatch im Vorfeld verhieß nichts Gutes - und auch die Saison selbst überzeugt uns eher weniger.

Das Problem: Blizzard hat das Hauptproblem in Diablo 4 nicht lösen und nicht mal minimieren können. So fragen wir uns hier schon ab Stufe 50 bis 60, warum wir eigentlich noch weiterspielen sollten. Für die kosmetischen Gegenstände im Season Pass sicher nicht, denn hier ersetzt Blizzard spätere Level einfach nur mit den gleichen Belohnungen in leicht anderer Farbgebung.

Bevor wir dorthin gelangen, müssen wir aber erst mal mit den vielen Änderungen klarkommen, die Blizzard im großen Vorpatch vorgenommen hat. Klassen wurden durchweg schwächer gemacht und die Überlebensfähigkeit unserer Spielfigur gerade in höheren Albtraum-Dungeons noch weiter verringert. Das nervt und rief zu Recht harsche Kritik bei der Community hervor.

Diablo 4 soll kein Battlefield sein

Das ging so weit, dass Blizzard sich in einem Community-Livestream rechtfertigen musste. Und das muss man dem Team lassen: Es gesteht Fehler ein und hört auf Feedback der Community. Aktuell wirkt es aber so, als würde eine Sache gesagt - und eine andere getan. Auch ist es unserer Meinung nach ein Fehler, die vielen Kritikpunkte teilweise erst in einer bis zwei Saisons angehen zu wollen.

Viele andere Spiele tappten in ähnliche Fallen. Werden Änderungen zu langsam übernommen, verlieren Fans das Interesse. Das war zuletzt bei dem Shooter Battlefield 2042 so, das desaströs startete und erst nach mehreren Jahren aktualisiert wurde. Mittlerweile ist das Spiel viel besser, das Interesse aber trotzdem niedrig.

Die Entwicklung von Diablo 4 lässt sich nicht ganz damit vergleichen. Schließlich lieferte Blizzard hier von Anfang an ein sehr gutes Grundspiel ab, das definitiv viele Stunden Spaß macht. Allerdings liegt es im Interesse der Entwickler, die Community bei der Stange zu halten. Wer soll sonst die aktuell sehr dürftigen kosmetischen Gegenstände kaufen?

Von den massiven Nerfs vor der Saison merken wir zum Start erst mal nicht viel. Schließlich beginnen wir wieder auf Stufe 1 mit einem frischen Charakter. Eine tolle Änderung: Unsere zuvor aufgedeckten Orte und Altäre von Lilith werden von vorherigen Charakteren übernommen. So fühlt man sich zum Neustart in Sanktuario nicht ganz so hilflos.

Die neue Saison lässt uns zudem eine neue Kampagne und die dazugehörige Spielmechanik entdecken: die boshaften Herzen. Ob es das rausreißt?

Wo ist das Endgame?

Boshafte Herzen sind neue sammelbare Gegenstände in Diablo 4, die wir durch das Töten infizierter Monster erhalten. Stecken wir sie in einen von drei verfügbaren Juwelensockeln, erhält unsere Spielfigur mächtige Zusatzeffekte. Das lädt anfangs zum Experimentieren mit neuen Builds ein, stellt sich aber schlussendlich als zu wenig heraus.

Dabei fängt die Saison wie gesagt gut an. Wir schalten kleine (wenig interessante) Story-Schnipsel frei und besiegen infizierte Gegner in den neuen boshaften Tunneln. Dort können wir besonders viele boshafte Herzen sammeln. Allerdings sind die wenigsten von ihnen so mächtig, dass wir sie für unseren Build in Betracht ziehen. Die wenigen enorm starken Herzen sind viel zu selten.

In unserem Fall suchen wir größtenteils nach orangefarbenen Herzen, die uns offensive Effekte spendieren. Es gibt zudem blaue und violette Herzen. Schwarze Herzen passen in alle Sockelfarben hinein. Sie garantieren auch meist die stärksten Effekte. Allerdings müssen wir sehr auf unser Glück hoffen, um sie zu finden.

Noch mehr Zufallsfaktoren

Die Herzen-Mechanik verstärkt somit ein Problem in Diablo 4: den Zufallsfaktor. Wir können die Farbe unserer Sockel nicht ändern. Finden wir also einen richtig guten Ring mit perfekten Attributen, kann er wegen des falschen Sockels trotzdem wertlos für uns sein. Wir haben nur drei boshafte Sockel zur Verfügung. Einen zu verschwenden, ist ineffizient. Das frustriert enorm und macht keinen Spaß.

Generell gibt es keine Motivation, die Herzen dauerhaft zu farmen. Wir haben ohnehin zu wenig Truhenplatz für unseren Charakter. Edelsteine nehmen Platz weg, legendäre Aspekte nehmen Platz weg und nun kommen auch noch unzählige Herzen dazu. Zum Glück können wir die Herzen bei der passenden Werkbank gegen Materialien eintauschen. Das zusätzliche Mikromanagement ist aber auf Dauer sehr nervig.

Derweil können wir unsere Herzen nicht verändern oder sie wie die legendären Edelsteine in Diablo 3 durch Dungeons verbessern. Eine wirkliche Endgame-Mechanik ist die neue Saisonkampagne, die übrigens schon nach etwa zwei Stunden vorbei ist, nicht.

Zu erwähnen ist auch, dass das Herzensammeln selbst umständlich ist. Zunächst müssen wir ein infiziertes Monster finden, die mit ihren dunklen rankenartigen Pocken aber kaum von normalen Monstern zu unterscheiden sind. Haben wir das Monster getötet, müssen wir es ein zweites Mal besiegen. Erst dann bekommen wir das Herz. Wir fragen uns: Warum ist das so kompliziert?

Um Zeit zu sparen, ignorierten wir die Monster irgendwann einfach. In anderen Fällen sahen wir nicht einmal, dass wir gerade eines besiegt hatten.

Diablo 4 Saison der Boshaftigkeit - Fazit

Blizzard hat ein wichtiges Problem nicht gelöst: Zum Ende hin gibt es in der neuen Saison von Diablo 4 wenig zu tun. Das ist schade, weil Blizzard ein wirklich tolles Grundspiel gebaut hat. Warum das Team dieses solide Grundgerüst durch langweilige Mechaniken einreißt, ist uns nicht klar.

Die Saison der Boshaftigkeit gibt uns zumindest einen guten Grund, eine neue Klasse auszuprobieren und ein bisschen mit kreativen Builds zu spielen. Aber Achtung: Barbaren und Zauberer wurden enorm abgeschwächt. Deshalb sehen wir auch fast nur noch Schurken und Druiden im Spiel.

Blizzard ist sich der eigenen Fehltritte bewusst und verspricht, nie wieder einen derart desaströsen Patch zu bringen, der uns ausschließlich schwächer macht. Diablo 4 ist eine Machtfantasie, in der wir als gottgleicher Charakter massenweise Monster auslöschen. Uns viel schwächer zu machen, geht unserer Meinung nach gegen diese Philosophie.

Hoffentlich liefert Diablo 4 genau dieses Gefühl noch einmal besser nach und gibt auch Endgame-Spielern endlich etwas zu tun. Solche Änderungen sollten aber nicht immer zwei Monate dauern, wie es teilweise aktuell geplant ist. Sonst sind das Interesse an Diablo 4 und das Geld aus Mikrotransaktionen schnell hinüber.


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