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Ryzen 7950X/7700X im Test: Brachialer Beginn einer neuen AMD-Ära

Nie waren die Ryzen -CPUs besser: extrem schnell, DDR5 -Speicher, PCIe Gen5, integrierte Grafik. Der (thermische) Preis dafür ist jedoch hoch.
/ Marc Sauter , Martin Böckmann
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Ryzen 9 7950X alias Raphael im Test (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Ryzen 9 7950X alias Raphael im Test Bild: Marc Sauter/Golem.de

Nach über fünf Jahren ist der Nachfolger des Sockel AM4 da: Mit dem AM5 führt AMD die Ryzen 7000 samt DDR5-Speicher und PCIe Gen5 ein. Die intern Raphael genannten Prozessoren kombinieren die Zen-4-Architektur mit moderner 5-nm-Fertigung und hohem Takt, was eine enorm leistungsfähige Plattform ergibt.

Seit dem Wechsel von der gefloppten Bulldozer - auf die erste Ryzen-Generation hat AMD keine CPUs mehr veröffentlicht, bei denen eine so große Lücke zu ihren Vorgängern klaffte - im positiven Sinne. Mit dem immensen Performance-Zuwachs gehen trotz erfreulicher Kompatibilität bei der Kühlung aber auch genau die Probleme einher, die zu erwarten waren.

Vorerst wird AMD vier Modelle der Raphael-CPUs anbieten, womit der Hersteller im Prinzip genauso vorgeht wie bei den beiden Generationen davor auch schon: An der Spitze steht der 16-kernige Ryzen 9 7950X, gefolgt vom 12-kernigen Ryzen 9 7900X, dem achtkernigen Ryzen 7 7700X und dem sechskernigen Ryzen 5 7600X. Einen primär für Gaming ausgelegten Prozessor mit 3D V-Cache wie den Ryzen 7 5800X3D gibt es zum Start nicht, er soll Anfang nächsten Jahres folgen.

Die AM5-Plattform kostet deutlich mehr als AM4

Wer die Preise mit denen der Ryzen 5000 vergleicht, wird feststellen, dass die Ryzen 7000 in US-Dollar vor Steuern ähnlich viel kosten oder günstiger sind. Aufgrund des Euro-Kurses fallen hierzulande die Preise für die Raphael-Prozessoren jedoch drastisch höher aus als beim Launch der Vorgänger-Generation. Hinzu kommt, dass die Plattform an sich wegen DDR5-Speicher und PCIe-Gen5-Unterstützung teurer geworden ist, dazu später mehr.

Spezifikationen von AMDs Ryzen 7000 (Raphael)
Kerne Takt L3-Cache Speicher TDP PPT Launch-Preis
Ryzen 9 7950X3D 16C/32T 4,2 GHz bis 5,7 GHz 128 MByte DDR5-5200 120 Watt 160 Watt 700 USD
Ryzen 9 7950X 16C/32T 4,5 GHz bis 5,7 GHz 64 MByte DDR5-5200 170 Watt 230 Watt 700 USD (850 Euro)
Ryzen 9 7900X3D 12C/24T 4,4 GHz bis 5,6 GHz 128 MByte DDR5-5200 120 Watt 160 Watt 600 USD
Ryzen 9 7900X 12C/24T 4,7 GHz bis 5,6 GHz 64 MByte DDR5-5200 170 Watt 230 Watt 550 USD (670 Euro)
Ryzen 9 7900 12C/24T 3,6 GHz bis 5,4 GHz 64 MByte DDR5-5200 65 Watt 88 Watt 430 USD
Ryzen 7 7800X3D 8C/16T ? GHz bis 5,0 GHz 96 MByte DDR5-5200 120 Watt 160 Watt 450 USD
Ryzen 7 7700X 8C/16T 4,5 GHz bis 5,4 GHz 32 MByte DDR5-5200 105 Watt 142 Watt 400 USD (480 Euro)
Ryzen 7 7700 8C/16T 3,6 GHz bis 5,3 GHz 32 MByte DDR5-5200 65 Watt 88 Watt 330 USD
Ryzen 5 7600X 6C/12T 4,7 GHz bis 5,3 GHz 32 MByte DDR5-5200 105 Watt 142 Watt 300 USD (360 Euro)
Ryzen 5 7600 6C/12T 3,8 GHz bis 5,1 GHz 32 MByte DDR5-5200 65 Watt 88 Watt 230 USD
Ryzen 5 7500F (ohne iGPU) 6C/12T 3,7 GHz bis 5,0 GHz 32 MByte DDR5-5200 65 Watt 88 Watt 179 USD

Generell gab es seitens AMD seit weit über einer Dekade keine Generation, bei der so viele Änderungen am Ökosystem vorgenommen wurden wie bei AM5: Weder beim Wechsel von AM2 auf AM3 noch auf AM4 hat der Hersteller von Beginn an eine derartige Menge an Neuerungen eingeführt, egal ob bei den CPUs selbst oder den dazugehören Mainboards. In der Folge schlüsseln wir auf, was in Raphael samt Plattform alles steckt.

Los geht es mit dem kleinsten aller Bestandteile: Den CPU-Kernen mit der Zen-4-Architektur, dann weiter mit dem Chiplet-Prozessor-Design, den Hauptplatinen samt DDR5 sowie PCIe Gen5 bis hin zu den Benchmarks, der Leistungsaufnahme respektive Effizienz und dem Overclocking - ach ja, fast vergessen: Crysis Remastered haben wir selbstverständlich auf der integrierten RDNA2-Grafikeinheit auch getestet.

Die Zen-4-Chiplet-Architektur erklärt

Seit den Ryzen 3000 setzt AMD auf ein modulares Design für die Ryzen-Prozessoren: Diese bestehen intern aus einem I/O-Chip (IOD), der den Speichercontroller sowie die PCIe-Lanes enthält, und einem oder zwei Compute-Chips (CCD) mit den eigentlichen CPU-Kernen sowie dem L3-Cache; für die Kommunikation wird das Infinity Fabric verwendet. Bei den Ryzen 7000 wurde dieser Ansatz beibehalten, jedoch modernisiert.

Das I/O-Die wird mit 6 nm EUV statt 12 nm DUV produziert, es misst 122 statt 125 mm² und enthält 3,4 statt 2,09 Milliarden Transistoren. Diesen Zuwachs von knapp 50 Prozent nutzt AMD, um 28 PCIe-Gen5-Lanes, vier USB 3.2 Gen2 (10 GBit/s), einen DDR5-Controller und eine RDNA2-basierte Grafikeinheit zu integrieren.

Sie heißt einfach nur Radeon, nutzt zwei Compute Units (128 Shader) mit bis zu 2,2 GHz und beherrscht neben AV1/VP9-10-Bit-Decoding auch H.264/H.265-10-Bit-Encoding. Hinzu kommen Displayport 2.0 (UHBR10 für 8K120), HDMI 2.1 mit 48 GBit/s und FRL (Fixed Link Rate). Beim alten I/O-Die waren es nur 24 PCIe-Gen4-Bahnen, vier USB 3.2 Gen2 und eine DDR4-Implementierung ohne iGPU.

DDR5 und Zen 4 für 13 Prozent mehr IPC

Für den neuen Speichercontroller sieht AMD eine Geschwindigkeit von DDR5-5200 statt DDR4-3200 vor, wobei das Infinity Fabric der Raphael-CPUs mit 1.733 MHz etwas niedriger taktet als die 1.800 MHz bei den Vermeer-Vorgängern alias Ryzen 5000. Der Arbeitsspeicher (mclk) läuft bei DDR5-5200 intern mit 2.600 MHz echtem RAM-Takt und der Controller (uclk) mit ebenfalls 2.600 MHz, das Infinity Fabric (fclk) wie erwähnt mit 1.733 MHz. Während RAM und Controller somit ein 1:1-Verhältnis aufweisen, stehen IMC und Fabric in einem 3:2-Verhältnis zueinander.

Bei den Compute-Dies behält AMD die Achtkern-Konfiguration pro Chiplet bei, auch die Menge an 32-MByte-L3-Cache ändert sich nicht. Die Latenz fällt mit 50 statt 46 Taktzyklen zwar etwas schwächer aus, dies wird durch die deutlich höheren Frequenzen von bis zu 5,7 statt 4,9 GHz jedoch aufgefangen. Wir messen beim Ryzen 7700X eine L3-Latenz von 9,7 ns und beim Ryzen 7 5800X eine von 11,8 ns. Die Kommunikation zwischen den Kernen fällt mit 18,6 ns anstatt 17,8 ns etwas langsamer aus, wohl wegen weniger Infinity-Fabric-Takt. Mit 70 statt 81 mm² wurden die CCDs noch einmal kompakter - und das ungeachtet der 6,5 statt 4,15 Milliarden Transistoren.

Spannend sind daher die Neuerungen bei den CPU-Kernen, hier kommt die Zen-4-Architektur zum Einsatz: Diese soll die Leistung pro Takt (IPC) um durchschnittlich 13 Prozent verbessern, wobei AMD sich hier auf Anwendungen und Spiele bezieht. Verglichen mit Zen 3 wurde das Frontend samt Sprungvorhersage aufgebohrt, zudem die Load/Store-Einheiten. Außerdem wurde der L2-Cache pro Kern auf 1 MByte verdoppelt (wichtig für Epyc-Genoa-CPUs, welche die gleichen CCDs nutzen) bei einer von 12 auf 14 Takte höheren Latenz, und die Ausführungseinheiten haben Verbesserungen erhalten.

Im Frontend hat AMD den µOp-Cache von 4.096 auf 6.720 Einträge vergrößert, zudem können aus ihm nun neun statt acht decodierte Befehle pro Takt über den von 256 auf 320 Einträge erweiterten Reorder-Buffer weitergeleitet werden. Die Sprungvorhersage kann auf einen um 50 Prozent erhöhten L1 BTB zurückgreifen, auch der L2 BTB wurde größer. Die Integer-Register wuchsen um 17 Prozent, die Float-Register um 20 Prozent an.

AVX-512 ohne Frequenzverlust

Neu ist, dass die Gleitkomma-Pipelines eine AVX-512-Unterstützung bekommen haben: Anders als Intels Xeon-CPUs für Server können die Raphael solche Berechnungen nicht in einem Taktzyklus durchführen, sondern mit 256 Bit in zwei. Ungeachtet dessen steigt dank weniger Overhead die Performance verglichen mit AVX2, vor allem aber laufen die AMD-Prozessoren mit voller Frequenz, statt wie ihre Intel-Pendants drosseln zu müssen. Zu den neuen Instruktionen gehören etwa BF16, GFNI, IFMA, VBMI und VNNI.

Weiter geht es mit dem Sockel AM5, der für DDR5-Arbeitsspeicher und PCIe Gen5 notwendig war. Überdies steigt die maximale Standardleistungsaufnahme ohne Overclocking, da die Fassung mehr Energie liefern kann.

Sockel AM5 mit DDR5 plus PCIe Gen5

Der Sockel AM5 folgt auf den Sockel AM4 und führt damit eine Tradition fort, die AMD seit dem AM2 mit DDR2 beibehalten hat. Die größte sowie offensichtlichste Änderung beim AM5 ist der Wechsel von PGA (Pin Grid Array) zu LGA (Land Grid Array), die Pins respektive Federchen befinden sich im Sockel statt an der Unterseite der CPU. Die Anzahl der Kontakte steigt von 1.334 (AM4) auf 1.718 (AM5), womit die Fassung weitaus mehr aufweist als zuvor und ähnlich viele wie Intels LGA 1700 für Alder Lake und bald auch Raptor Lake.

Beide Sockel teilen sich Idee des ILM (Independent Loading Mechanism), mit dem der Prozessor per einseitigem Hebel in die Fassung gedrückt wird. Anders als bei Intel ist beim AM5 der Sockel jedoch mit der Backplate verschraubt, diese lässt sich somit nicht ohne weiteres abnehmen. Weil AMD jedoch das von AM3/AM4 bekannte Retention Kit samt Bohrungen beibehält, sind die allermeisten CPU-Kühler mit dem AM5 kompatibel. Einzig Modelle mit eigener Backplate erfordern eine angepasste Version.

Wichtig war der Wechsel von PGA 1334 auf LGA 1718 für DDR5 und PCIe Gen5. Der aktuelle Arbeitsspeicherstandard wird bereits von Intel unterstützt, er weist verglichen mit DDR4 mannigfaltige Verbesserungen auf: So arbeitet DDR5 pro 64-Bit-Bus intern mit zwei voneinander unabhängigen 32-Bit-Sub-Kanälen, die Burst Length sowie das Daten-Prefetching wurden verdoppelt, die Anzahl der Speicherbankgruppen (Bank Groups) bei gleicher Menge an Bänken (Banks) pro Gruppe verdoppelt sich (8Gx4B statt 4Gx4B) und es gibt mit Same Bank Refresh (REFsb) eine Technik, um Bänke einzeln aufzufrischen.

Expo-Overclocking-Standard beschleunigt DDR5-Speicher

Das sorgt zusammen mit mehr Takt für eine höhere Bandbreite und niedrigere Latenzen, zudem steigt die Effizienz bei Lese- sowie Schreibvorgängen. Die Ryzen 7000 unterstützen offiziell DDR5-5200, allerdings hat AMD den Expo-Overclocking-Standard erdacht: Ähnlich wie bei Intels XMP (Extreme Memory Profile) werden im Mainboard-BIOS mit einem Klick der Takt und die (Sub)latenzen sowie die Spannung entsprechend der Herstellerspezifikationen gesetzt, indem diese aus dem SPD-Speicher (Serial Presence Detect) der RAM-Sticks ausgelesen werden. Typisch für Expo ist DDR5-6000-CL30, der Controller läuft so mit 3.000 MHz und das Fabric mit 2.000 MHz.

Neben DDR5 gibt es PCIe Gen5, das verglichen mit Gen4 die Datentransferrate pro Lane verdoppelt. Ein PEG x16 für die Grafikkarte kann somit theoretisch 128 GByte/s bidirektional übertragen, einen entsprechenden Pixelbeschleuniger für Gaming-Systeme gibt es aber nicht (Nvidias RTX 4000 unterstützen nur Gen4) und auch Consumer-SSDs mit PCIe Gen5 sind bisher nur angekündigt worden, jedoch nicht verfügbar.

PCIe Gen5 für Grafikkarten und SSDs

Weil die Ryzen 7000 insgesamt auf 28 PCIe-Gen5-Lanes kommen, nutzt AMD davon 16 für die Grafikkarte und acht für zwei SSDs, also x4 für jeden M.2-Slot. Die restlichen vier Lanes werden als Gen4 rekonfiguriert und binden die Southbridge an, also den I/O-Hub mit weiteren Lanes sowie Sata und USB. AMD unterscheidet hierbei zwischen X670E, X670, B650E und B650 - später soll noch ein A620 folgen.

Dabei gilt, dass die E(xtreme)-Versionen bei PEG und M.2 mit Gen5 laufen, die ohne Suffix aber nur die SSDs damit anbinden. Technische Gründe dafür gibt es nicht, es handelt sich schlicht um Produktpolitik. Für X670(E) nutzt AMD zwei sogenannte Promontory-21-Chips, was in zwölf Gen4- und bis zu acht Gen3-Lanes resultiert. Dazu kommen zwei USB 3.2 Gen2x2, vier USB 3.2 Gen2, acht USB 3.2 Gen1, zwölf USB 2.0 und acht Sata 6 GBit/s. Beim B650(E) sind es durchweg die Hälfte, jedoch acht Gen4-Lanes. Hintergrund: Beim X670(E) werden vier Bahnen für das Daisy-Chaining der beiden Prom21 benötigt.

Neu beim Sockel AM5 und den Ryzen 7000 ist, dass AMD für die Topmodelle eine zusätzliche Watt-Klasse eingeführt hat: Bisher waren 125 Watt TDP (Thermal Design Power) und 142 Watt PPT (Package Power Target) das Limit, dieses wurde auf 170 Watt und 230 Watt angehoben. Zumindest der Ryzen 9 7950X erreicht diese Obergrenze problemlos, was ihn extrem schnell macht. Und damit weiter zu den Benchmarks!

Uneinholbar in fast allen Anwendungen

Wir testen alle Ryzen 7000 auf einem Asrock X670E Taichi(öffnet im neuen Fenster) (Firmware v1.06.AS01, Agesa 1003), alle Ryzen 5000/3000 auf einem Asus Crosshair VIII Hero WiFi (X570, Firmware v4201, Agesa 1207), alle 12th Gen Core alias Alder Lake auf einem Asus ROG Maximus Z690 Hero für DDR5 (Firmware v1403). Hinzu kommen 32 GByte RAM als DDR4-3600-CL16, DDR5-4800-CL36 (ADL), DDR5-5200-CL38 (RPL) und DDR5-6000-CL30. Der Expo-RAM stammt von Corsair sowie Gskill.

Alle Apps und Windows 11 v21H2 (VBS an, HVCI aus) liegen auf einer Crucial P5 Plus mit 2 TByte, einer der schnellsten derzeit verfügbaren PCIe-Gen4-NVMe-SSDs. Als Grafikkarte nutzen wir eine Geforce RTX 3080 Ti (Test) samt rBAR von Nvidia, als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1.000 Watt zum Einsatz.

Getestete Anwendungen

  • 7-Zip (reales Packen)
  • AV1 Encoding (Tears of Steel)
  • Blender (Cycles)
  • Cinebench R15/R20/R23
  • Digicortex Spike Bench
  • Faststone Image Viewer
  • Unreal Engine 4 (Light Baking)
  • y-Cruncher (AVX2/AVX-512)

Die Leistung des Ryzen 9 7950X ist schlicht als brachial zu bezeichnen: Über alle Benchmarks liegt er 34 Prozent vor dem älteren Ryzen 9 5950X. Das Plus bei der Singlethread-Performance fällt mit rund 20 Prozent anständig aus, aber erst mit Multithreading dreht der 16C-Raphael richtig auf. In Anwendungen wie der UE5 ist der 7950X 34 Prozent schneller, in Blender rendert er 48 Prozent und im y-Cruncher gleich 70 Prozent flotter. Das Berechnen der Kreiszahl Pi im RAM profitiert von der DDR5-Bandbreite und der AVX-512-Erweiterung, stellt also den Bestfall dar.

Locker vor Intels Topmodell

Gegen den Core i9-12900K mit seinen 8P+8E-Kernen kann sich der Ryzen 9 7950X mit seinen Zen-4-Kernen problemlos durchsetzen, bei der Multithread-Performance beträgt der Abstand immerhin 36 Prozent bei grob ähnlicher Leistungsaufnahme. Bei Last auf einem Kern ist Intels pro Takt sehr starke Golden-Cove-Architektur allerdings konkurrenzfähig und der Core i9-12900K somit gleichauf oder sogar leicht in Front.

Der Ryzen 7 7700X mit acht Kernen kann sich gegen den älteren Ryzen 7 5800X mit durchschnittlich 27 Prozent Vorsprung ebenfalls weit absetzen, oft sind es auch über 30 Prozent. Verglichen mit dem Ryzen 7 5800X3D steigt das Performance-Plus, da dieser niedriger taktet als der reguläre Ryzen 7 5800X. Der 3D V-Cache beschleunigt jedoch 7-Zip und Digicortex deutlich, hier ist der Ryzen 7 7700X etwas langsamer oder zumindest gleichauf mit dem 5800X3D.

Spannend ist das Duell des Ryzen 7 7700X gegen den Core i7-12700K (mit DDR4-Speicher): Dieser nutzt 8P+4E-Kerne und weist eine hohe IPC auf, weshalb mal der AMD-, mal der Intel-Chip vorne liegt. Unterm Strich ist die Raphael-CPU einen Hauch flotter, selbst wenn wir den y-Cruncher als Spezialfall aus der Rechnung herausnehmen.

Doch wie sieht es in Spielen aus?

Bei Games hält Intel noch mit

Wir testen alle Ryzen 7000 auf einem Asrock X670E Taichi (Firmware v1.06.AS01, Agesa 1003), alle Ryzen 5000/3000 auf einem Asus Crosshair VIII Hero WiFi (X570, Firmware v4201, Agesa 1207), alle 12th Gen Core alias Alder Lake auf einem Asus ROG Maximus Z690 Hero für DDR5 (Firmware v1403). Hinzu kommen 32 GByte RAM als DDR4-3600-CL16, DDR5-4800-CL36 (ADL), DDR5-5200-CL38 (RPL) und DDR5-6000-CL30. Der Expo-RAM stammt von Corsair sowie Gskill.

Alle Spiele und Windows 11 v21H2 (VBS an, HVCI aus) liegen auf einer Crucial P5 Plus mit 2 TByte. Als Grafikkarte nutzen wir eine Geforce RTX 3080 Ti (Test) samt rBAR von Nvidia, als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1.000 Watt zum Einsatz. Wir verwenden CapFrameX(öffnet im neuen Fenster) , um Framerate/Frametimes zu messen und die Sensoren zu protokollieren.

Getestete Spiele

  • Anno 1800 (Anno Engine)
  • Cyberpunk 2077 (Red Engine)
  • Counter Strike Global Offensive (Source Engine)
  • F1 2022 (Ego Engine)
  • Flight Simulator (Asobo Engine)
  • Grand Theft Auto V (RAGE)
  • Kingdom Come Deliverance (Cry Engine)
  • Total War Troy (TWW2 Engine)

Verglichen mit der älteren Vermeer-Generation legen beide Raphael-Nachfolger in Spielen weniger zu als in Anwendungen: Der Ryzen 9 7950X überholt den Ryzen 9 5950X um 12 Prozent und der Ryzen 7 7700X den Ryzen 7 5800X um 18 Prozent und den Ryzen 7 5800X3D mit V-Cache um 2 Prozent. Das wirkt vergleichsweise wenig, entspricht aber AMDs internen Benchmarks und zeigt, dass DDR4-3600-Speicher für Games weiterhin von Vorteil ist. Mit Expo-Overclocking, also DDR5-6000-CL30, wird der Ryzen 9 7950X um durchschnittlich 11 Prozent beschleunigt.

Die 12th Gen ist gleichauf

Bisher waren Intels Alder Lake die schnellsten Gaming-Prozessoren und daran ändert sich mit AMDs Raphael-Chips nur bedingt etwas, denn im Durchschnitt messen wir einen Gleichstand. Der Ryzen 9 7950X bewegt sich auf dem Niveau des Core i9-12900K und der Ryzen 7 7700X auf dem des Core i7-12700K. Wie so oft kommt es auf das jeweilige Spiel und die jeweilige Szene an, welche CPU ein paar Frames mehr oder weniger berechnet.

Die reine Performance an sich ist allerdings nicht das einzige Kriterium, auch der Energiebedarf und die Effizienz spielen eine Rolle. Hier stehlen die Ryzen 7000 den Alder Lake die Show - denn AMDs Chips sind rasend schnell und dabei auch noch sparsamer.

Leistungsaufnahme hoch, Temperatur höher

Ausgehend von den Ryzen 1000 (Summit Ridge) mit bis zu 95 Watt TPD und bis zu 128 PPT hat AMD die Werte von den Ryzen 2000 (Pinnacle Ridge) über die Ryzen 3000 (Matisse) und die Ryzen 5000 (Vermeer) mit 105 Watt TDP sowie 142 PPT stabil gehalten. Die Thermal Design Power ist ergo niedriger als das Package Power Target, also die elektrische Leistungsaufnahme - und damit steigt der Anspruch an die Kühlung.

Bei den Ryzen 7000 (Raphael) hat AMD die TDP auf gleich 170 Watt erhöht, das PPT springt somit auf 230 Watt - gar nicht so weit entfernt von den 241 Watt an Maximum Turbo Power aktueller Prozessoren von Intel. Der Ryzen 9 7950X reizt sein Limit dann auch aus: In Blender messen wir durchschnittlich 224 Watt, im y-Cruncher sind es kurzfristig bis zu 231 Watt. Wenn man nun bedenkt, dass die beiden Compute-Chips kleiner sind als noch bei einem Ryzen 9 5950X, erklärt das die anliegenden Temperaturen.

Mit einem Noctua NH-U15S, einem der stärksten Doppelturmkühler am Markt, liegen unter Multithreading-Last nahezu sofort 95 Grad an. Erst mit einer AiO-Wasserkühlung, der Asus Ryujin 360, können wir die Temperatur auf rund 90 Grad stabilisieren. Schäden nimmt die CPU durch diese Werte nicht, die Performance unterscheidet sich zwischen Luft- und Wasserkühlung überdies nur im einstelligen Prozentbereich. Der Ryzen 7 7700X wiederum erreicht volle 105 Watt TPD bzw. 142 Watt PPT und ebenfalls 95 Grad.

Eco-Modus ist eine gute Idee

Nun ist es aber so, dass die 230 Watt PPT den Ryzen 9 7950X um gerade einmal 200 bis 300 MHz höher takten lassen, als wenn er mit 105 Watt TPD respektive 142 Watt PPT läuft. Dieser stark abnehmende Grenzertrag ist typisch für Prozessoren, die oberhalb ihres Sweet Spots betrieben werden, was Raum für Optimierungen schafft: Mit 142 statt 230 Watt verliert der Ryzen 9 7950X kaum Performance, dafür ist das System deutlich sparsamer und die CPU mit 60 Grad drastisch kühler - was für eine leisere Kühlung sorgt.

In Spielen fällt die Leistungsaufnahme aufgrund der viel geringeren Auslastung der CPU-Kerne weit niedriger aus: In den meisten Titeln benötigen der Ryzen 9 7950X und der Ryzen 7 7700X zwischen 70 Watt und 90 Watt, einzig Total War Troy treibt die Package Power auf über 120 Watt. Damit liegen beide Chips leicht bis deutlich unter dem Niveau ihrer Vorgänger, ein Core i9-12900K oder Core i7-12700K brauchen für eine ähnliche Performance ohnehin ein paar Watt mehr. Der Effizienz-König aber ist der Ryzen 7 5800X3D, da der V-Cache die Menge an DRAM-Zugriffen verringert.

Kommen wir zum Resümee.

Verfügbarkeit und Fazit

AMD verkauft den Ryzen 9 7950X für 850 Euro, den Ryzen 9 7900X für 670 Euro, den Ryzen 7 7700X für 480 Euro und den Ryzen 5 7600X für 360 Euro. Ab dem 27. September 2022 bieten die Board-Partner ihre Hauptplatinen mit X670(E)-Chip an, die günstigeren B650(E)-Varianten starten ab dem 10. Oktober - mittelfristig folgen Bretter mit dem A620.

Fazit

Der Sockel AM5 samt den Ryzen 7000 alias Raphael stellt für AMD eine Zäsur dar: Die neue Fassung und die neuen Prozessoren bringen so viele Änderungen auf einen Schlag wie schon lange nicht mehr - umso erfreulicher, dass die Plattform von Beginn an stabil läuft. Wo es bei der ersten Ryzen-Generation noch Probleme mit dem DDR4-Speicher gab, treten die Ryzen 7000 direkt zum Start mit DDR5 und der Expo-Overclocking-Unterstützung an.

Hinzu kommt, dass mit PCIe Gen5 für die Grafikkarte und bis zu zwei NVMe-SSDs sowie USB 3.2 Gen2x2 das komplette System auf einem topaktuellen Stand ist. Alle Ryzen 7000 weisen zudem einen integrierten Radeon-RDNA2-Chip auf, der für tägliche Aufgaben völlig ausreicht und nebenbei Crysis darstellt sowie AV1 mit 8K30 decodiert. Mit Displayport 2.0 und HDMI 2.1 werden überdies 4K120-Monitore unterstützt.

Aufgrund der 5-nm-Fertigung für fast 1 GHz mehr als bei den Ryzen 5000, der stark verbesserten Zen-4-Architektur und flottem DDR5-5200-Speicher ist die Leistung der Ryzen 7000 vor allem in Multithreading-Anwendungen schlicht brachial: Ein Zuwachs von über 30 Prozent ist für den 7950X wie den 7700X typisch, in einigen Fällen sind es gar über 50 Prozent. Damit einher geht aber zumindest beim 16-Kerner eine Leistungsaufnahme von bis zu 230 Watt, was einen sehr leistungsstarken Luft- oder einen guten Wasserkühler erfordert.

Bei der Gaming-Performance legen die Ryzen 7000 ebenfalls deutlich zu, durchschnittlich 15 Prozent verglichen mit den Vorgängern sind üblich. Damit liegen AMDs Raphael-Prozessoren in etwa gleichauf mit Intels 12th Gen alias Alder Lake, benötigen bei ähnlichen Frameraten aber einige Watt weniger. Gegen den Ryzen 7 5800X3D aus dem eigenen Haus tun sich die Ryzen 7000 allerdings schwer, er ist und bleibt vorerst die beste Gaming-CPU.

Wer sich ein neues System bauen und dabei aktuelle sowie brachial schnelle Desktop-Technik haben möchte, kommt an AMDs Angebot nicht vorbei - wenngleich zu einem stolzen Preis, denn die Chips samt passenden Mainboards und Speicher sind teuer. Wir empfehlen ohnehin, mit einem Kauf noch ein paar Wochen zu warten, denn im Oktober erscheint Intels 13th Gen alias Raptor Lake und sorgt somit für Konkurrenz.


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