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Ryzen 7 5700G im Test: AMDs 5700X-Ersatz ist unser Gaming-Liebling

Acht Zen-3-Kerne, integrierte Vega-Grafik, niedriger Preis: Der Ryzen 7 5700G macht zwar vieles richtig, hat aber gewisse I/O-Nachteile.
/ Marc Sauter
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Ryzen 7 5700G mit Radeon RX 6900 XT im Hintergrund (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Ryzen 7 5700G mit Radeon RX 6900 XT im Hintergrund Bild: Marc Sauter/Golem.de

Dass ausgerechnet der sehr beliebte Ryzen 7 3700X nie einen Nachfolger erhalten hat, störte die Community viele Monate lang – bis heute: Der neue Ryzen 7 5700G ist praktisch ein "Ryzen 7 5700X", denn Preis und Performance sind besser ausbalanciert als beim vergleichsweise teuren Ryzen 7 5800X bisher.

Nominell kostet der Ryzen 7 5700G nur 60 Euro mehr als der Ryzen 5 5600X , hat aber acht statt sechs Kerne und eine integrierte Grafikeinheit – die Nachteile finden sich an anderer Stelle, dazu gleich mehr. Denn vorab gilt es zu wissen, dass AMD trotz ähnlich klingender Namen zwei unterschiedliche Designs nutzt, was die Performance und auch die Preisgestaltung erklärt.

Bei allen bisherigen Ryzen 5000 handelt es sich um die sogenannten Vermeer-CPUs. Diese bestehen intern aus einem CPU-Chiplet und einem I/O-Die. Beim Ryzen 7 5700G und beim Ryzen 5 5600G hingegen verwendet AMD das monolithische Cezanne-Design, das zuvor bereits für Laptop-Chips wie den Ryzen 9 5900HX eingesetzt wurde.

Halber L3-Cache, jedoch mit iGPU

Cezanne und Vermeer teilen sich zwar die Zen-3-Architektur für die CPU-Kerne und den DDR4-Speichercontroller, weichen aber an anderer Stelle voneinander ab: Als kompaktes Design hat Cezanne nur 16 MByte statt 32 MByte L3-Cache für acht Kerne, dafür gibt es eine integrierte Vega-GPU.

Spezifikationen von AMDs Ryzen 5000 (Vermeer/Cezanne)
Typ Kerne Takt L3-Cache iGPU PCIe Speicher cTDP Preis
Ryzen 9 5950X Vermeer 16C/32T 3,4 GHz - 4,9 GHz 64 MByte - Gen4 DDR4-3200 105 W $800 (800€)
Ryzen 9 5900X Vermeer 12C/24T 3,7 GHz - 4,8 GHz 64 MByte - Gen4 DDR4-3200 105 W $550 (550€)
Ryzen 7 5800X3D Vermeer 8C/16T 3,4 GHz - 4,5 GHz 96 MByte - Gen4 DDR4-3200 105 W $450
Ryzen 7 5800X Vermeer 8C/16T 3,8 GHz - 4,7 GHz 32 MByte - Gen4 DDR4-3200 105 W $450 (450€)
Ryzen 7 5700X Vermeer 8C/16T 3,4 GHz - 4,6 GHz 32 MByte - Gen4 DDR4-3200 65 W $300
Ryzen 7 5700G Cezanne 8C/16T 3,8 GHz - 4,6 GHz 16 MByte Vega8 @ 2,0 GHz Gen3 DDR4-3200 65 W $360
Ryzen 5 5600X Vermeer 6C/12T 3,7 GHz - 4,6 GHz 32 MByte - Gen4 DDR4-3200 65 W $300 (300€)
Ryzen 5 5600G Cezanne 6C/12T 3,9 GHz - 4,4 GHz 16 MByte Vega7 @ 1,9 GHz Gen3 DDR4-3200 65 W $260
Ryzen 5 5600 Vermeer 6C/12T 3,5 GHz - 4,4 GHz 32 MByte - Gen4 DDR4-3200 65 W $200
Ryzen 5 5500 Cezanne 6C/12T 3,6 GHz - 4,2 GHz 16 MByte - Gen3 DDR4-3200 65 W $160
Ryzen 3 5300G Cezanne 4C/8T 4,0 - 4,2 GHz 16 MByte Vega6 @ 1,7 GHz Gen3 DDR4-3200 65 W OEM

Zugunsten eines kompakteren Chips wird überdies einzig PCIe Gen3 unterstützt, konkret x16 für eine dedizierte Grafikkarte und x4 für eine NVMe-SSD. Ein weiterer x4-Link wird genutzt, um Chips wie den X570 oder den B550 anzubinden, insgesamt weist Cezanne also 24 Lanes auf (16+4+4). Bei Vermeer gibt es die gleiche Anzahl, jedoch mit PCIe Gen4 für doppelte Geschwindigkeit.

In der Praxis hat das primär einen Einfluss auf die Transferleistung einer NVMe-SSD, da Topmodelle wie Samsungs 980 Pro oder Western Digitals WD Black SN850 dank PCIe Gen4 über 7 GByte/s erreichen; mit PCIe Gen3 ist bei rund 3,6 GByte/s bereits Schluss. Zwar profitieren die wenigsten Desktop-Anwendungen von PCIe Gen4, künftig könnten Spiele dank DirectStorage unter Windows 10/11 aber kürzere Ladezeiten und ein besseres Streaming aufweisen.

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Schauen wir uns an, wie sich der Ryzen 7 5700G in Apps sowie in Spielen schlägt und ob die integrierte Grafikeinheit für 1080p-Gaming taugt. Wir vergleichen den Chip mit aktuellen AMD/Intel-Prozessoren, auch der Ryzen 5 3400G und der Ryzen 7 4750G sind dabei.

Intels Core i7-11700K ist schneller

Damit die Cezanne-Desktop-Chips laufen, ist offiziell ein Mainboard mit X570/B550/A520-Chip und passender Firmware erforderlich. AMD nennt die Agesa 1.2.03A als Mindestanforderung und rät dazu, falls verfügbar, die etwas neuere Agesa 1.2.03B zu verwenden. Ältere Platinen mit X470 und B450 werden je nach Hersteller ebenfalls unterstützt, die erste Generation mit X370 und B350 ist allerdings außen vor.

Wir testen alle Ryzen 5000/4000 auf einem Asus Crosshair VIII Hero WiFi (X570, Firmware v3601), für die integrierte Grafik wurde ein Asus ROG Strix B550-E Gaming verwendet. Für Rocket Lake nutzen wir ein Asus ROG Maximus XIII Hero (Z590, Firmware v0610), für Comet Lake ein Asus ROG Maximus XII Hero WiFi (Z490, Firmware v1003). Die Prozessoren laufen mit 32 GByte DDR4-Speicher nach den jeweiligen AMD/Intel-Spezifikationen.

Alle Spiele sowie Windows 10 x64 20H2 liegen auf einer Corsair MP600 mit 2 TByte, einer schnellen PCIe-Gen4-SSD. Als Grafikkarte nutzen wir eine Geforce RTX 3080 (Test) von Nvidia ohne rBAR, als Netzteil kommt ein Seasonic Prime TX mit 1.000 Watt zum Einsatz. Wir verwenden CapFrameX(öffnet im neuen Fenster) , um Framerate/Frametimes zu messen.

Der L3-Cache macht sich bemerkbar

Bei den Anwendungen zeigt sich, dass der Ryzen 7 5700G meist kaum schlechter als der Ryzen 7 5800X abschneidet. Angesichts des halbierten L3-Puffers und einem Power-Budget von 65/88 Watt statt 105/142 Watt sind die oft nur 10 Prozent Differenz besser als erwartet, wenngleich es Ausreißer gibt: 7-Zip und y-Cruncher sind sehr Cache-lastig, hier steigt der Abstand auf etwas über 20 Prozent. Der Core i7-11700K schiebt sich zwischen den Ryzen 7 5800X und den Ryzen 7 5700G.

Im Gaming-Betrieb zeigt sich ebenfalls der Einfluss des L3-Puffers, denn vor allem CSGO und GTA5 profitieren davon deutlich. Ungeachtet dessen ist der Ryzen 7 5700G ein sehr schneller Chip für Spiele, der ältere CPUs wie den Ryzen 7 3700X locker schlägt. Auch hier gilt, dass der Core i7-11700K etwas flotter rechnet, die durchschnittlich 10 Prozent Vorsprung spüren wir im Alltag jedoch nicht. Die knapp 20 Prozent Differenz in Kingdom Come Deliverance allerdings fallen in Städten auf, zumindest bei schnellen Ritten etwa durch Rattay.

Flotte iGPU und sparsam unter Last

Die integrierte Vega-Grafik des Ryzen 7 5700G hat zwar acht Compute Units wie die im Ryzen 7 4750G bei sogar weniger Takt, dennoch ist die iGPU aufgrund interner Optimierungen wie einer eigenen Spannungsversorgung im Mittel ein bisschen flotter. Die Leistung genügt für 1080p-Gaming bei wenig anspruchsvollen Titeln, so läuft das aktuelle Gears Tactics bei mittleren Details flüssig.

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Weil AMD den Ryzen 7 5700G in die 65-Watt-Klasse einsortiert, beträgt das maximal zugelassene Power-Budget nur 88 Watt. Das macht sich unter Volllast bemerkbar, denn unser X570-System benötigt in Blender mit 145 statt 190 Watt signifikant weniger Energie als mit dem Ryzen 7 5800X; dieser ist auf 105/142 Watt festgelegt. Auch verhält sich Cezanne als monolithisches Design im Leerlauf sparsamer als der Vermeer-Chiplet-Ansatz, die Differenz beträgt immerhin 8 Watt bei ansonsten identischem Testaufbau.

Ryzen 7 5700G: Verfügbarkeit und Fazit

AMD verkauft den Ryzen 7 5700G ab dem 5. August 2021 nominell für 380 US-Dollar, unseren Informationen zufolge dürfte er im regulären Handel etwa 360 bis 370 Euro kosten. Das ist derzeit kaum weniger als die knapp 400 Euro des Ryzen 7 5800X, der allerdings schon viele Monate verfügbar ist. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der Straßenpreis des Ryzen 7 5700G mittelfristig in Richtung der 300-Euro-Marke orientieren wird.

Fazit

Der Ryzen 7 5700G ist der Prozessor, den sich die AMD-Community bereits im Frühling gewünscht hat – einen "Ryzen 7 5700X" gab es aber nie. Der neue Chip tritt aber genau an diese Stelle, denn er kostet weniger als der ebenfalls achtkernige Ryzen 7 5800X und liefert im Durchschnitt eine kaum geringere Performance.

So beträgt der Abstand meist um die 10 Prozent, einzig in Cache-lastigen Szenarien fällt die Differenz mit rund 20 Prozent höher aus. Verglichen zur Intel-Konkurrenz schlägt sich der Ryzen 7 5700G ebenfalls gut: Der Core i7-11700K (bei 125 Watt) ist etwas teurer und kaum schneller, der reguläre Core i7-11700 (bei 65 Watt) hingegen wird klar überholt.

Aufgrund von 65/88 Watt hat der Ryzen 7 5700G den Vorteil, unter Volllast weitaus sparsamer als ein Ryzen 7 5800X zu sein, und das monolithische Design benötigt überdies im Leerlauf weniger Energie als der Chiplet-Aufbau. Hinzu kommt, dass der Ryzen 7 5700G eine integrierte Vega-Grafikeinheit aufweist, mit der sich selbst aktuelle Titel wie Gears Tactics in 1080p flüssig spielen lassen.

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Noch erachten wir den Preis des Prozessors als zu hoch. Sobald sich die Kosten für den Ryzen 7 5700G bei etwa 300 Euro einpendeln sollten, wäre der Chip unser Gaming-Liebling. Einziger Nachteil ist die PCIe-Gen3-Anbindung, welche Stand heute aber bei einer dedizierten Grafikkarte oder NVMe-SSD keine realen Nachteile mit sich bringt.

Wer also einen Mini-PC rein mit iGPU bauen möchte oder Wert auf einen Ryzen-Octacore mit niedrigem Preis legt, der kommt mittelfristig am Ryzen 7 5700G nicht vorbei. Passend dazu bringt AMD noch den sechskernigen Ryzen 5 5600G in den Handel, welcher für grob 250 Euro der bisher günstige Zen-3-Desktop-Prozessor ist.


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