Russland: So geht es im Ukrainekrieg mit Yandex weiter

Das Unternehmen ist mehr als das "russische Google". Doch seit dem Ukrainekrieg ist die Zukunft von Yandex unklar.

Artikel von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Yandex betreibt auch autonome Lieferroboter.
Yandex betreibt auch autonome Lieferroboter. (Bild: Bekzhan Talgat/Unsplash)

Noch im Februar präsentierte Yandex gute Zahlen für das Geschäftsjahr 2021. Prognose für 2022: weiter steigend. Doch der Angriff auf die Ukraine am 24. Februar hat auch für das größte russische Internetunternehmen Folgen. Der Krieg könnte nicht nur jegliche internationalen Ambitionen beenden, sondern das ganze Unternehmen ins Wanken bringen.

Inhalt:
  1. Russland: So geht es im Ukrainekrieg mit Yandex weiter
  2. US-Unternehmen distanzieren sich von der Partnerschaft
  3. Die Sanktionen treffen indirekt auch Yandex

Mittlerweile folgten Wechsel in der Führungsetage und der Rücktritt des CEO. Ausländische Partner beendeten in den letzten Wochen reihenweise die Zusammenarbeit. Als der Handel mit der Aktie des russischen Internetkonzerns Anfang März eingestellt wurde, stürzte der Kurs schon innerhalb weniger Tage um die Hälfte ab.

Dabei wurde Yandex zuvor noch als das russische Google bezeichnet. Eine Vereinfachung, denn das offiziell in den Niederlanden ansässige Unternehmen vereint zahlreiche Dienste unter seiner Marke - von einer Suchmaschine über Onlineshopping bis hin zu selbstfahrenden Autos.

Trotz Bestrebungen zur Expansion sind die Produkte von Yandex bisher fast ausschließlich auf dem russischen Markt verbreitet. Das dürfte nach dem Inkrafttreten von Wirtschaftssanktionen durch die EU und USA auch so bleiben. Für Russlands größtes IT-Unternehmen ist der Krieg ein Wendepunkt.

Mehr als Russlands größte Suchmaschine

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Der ständige Vergleich mit Google erweckt den Eindruck, die Gründer von Yandex seien Nachahmer. In Wirklichkeit ging die Suchmaschine schon ein Jahr vor ihrem vermeintlichen Vorbild online. Arkadi Wolosch und Ilja Segalowitsch entwickelten die erste kyrillische Suchmaschine Yandex bereits 1997.

Mit um die 60 Prozent Marktanteil ist Yandex die größte Suchmaschine in Russland, gefolgt von Google. Auch wenn der Marktanteil im weltweiten Vergleich verschwindend gering ist, macht die Dominanz in Russland Yandex gerade so noch immer zu einer der fünf meistgenutzten Suchmaschinen.

Die Suchmaschine ist längst nicht mehr das einzige Geschäft des Unternehmens. Seit sich Yandex 2000 von Woloschs und Segalowitschs erstem Unternehmen Comptek löste und zu einer eigenständigen Firma wurde, kamen zahlreiche Produkte dazu. Das russische Google ist gleichzeitig auch das russische Amazon, Spotify und Uber. Zusammen machte die Yandex-Gruppe im Jahr 2021 umgerechnet fast 2,5 Milliarden Euro Umsatz.

Neben der Suchmaschine und dem damit verbundenen Werbegeschäft betreibt Yandex einen wachsenden Musikstreamingdienst, entwickelt den russischen Sprachassistenten Alisa und einen eigenen Browser. Noch im Jahr 2021 investierte Yandex Hunderte Millionen US-Dollar in ihre während der Coronapandemie wachsende E-Commerce-Sparte. Das Unternehmen forscht an autonom fahrenden Autos und Lieferrobotern und betreibt ein profitables Taxigeschäft. Zumindest in Russland.

Ein russisches Unternehmen in den Niederlanden

Auch wenn Yandex' primärer Markt russischsprachige Länder sind, ist das Unternehmen offiziell in den Niederlanden registriert. Die Firmenzentrale blieb zwar in Moskau, der Hauptsitz der Yandex NV liegt aber seit 2004 in Amsterdam. Hintergrund war ein bis 2021 geltendes Steuerabkommen zwischen Russland und den Niederlanden.

Auch sonst gibt sich das Unternehmen international. Ein Großteil der Yandex-Aktien wurde bislang im Nasdaq gehandelt. Am 28. Februar stellte die US-amerikanische Börse den Handel jedoch ein, obwohl Yandex nicht direkt auf Sanktionslisten auftaucht. Seitdem wurde der Handel nicht wieder aufgenommen. Der letzte Kurs lag bei 18,94 US-Dollar. Nach Veröffentlichung des Jahresberichts waren es noch mehr als 50 US-Dollar.

Trotz der internationalen Ausrichtung tastete sich Yandex in den vergangenen Jahren nur langsam über sein Stammpublikum in Russland hinaus. Im September 2021 deutete das Unternehmen etwa an, seinen Cloud-Dienst in diesem Jahr in Deutschland starten zu wollen. Aus solchen Plänen dürfte nun auf absehbare Zeit nichts mehr werden.

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US-Unternehmen distanzieren sich von der Partnerschaft 
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fanreisender 04. Apr 2022 / Themenstart

Rein theoretisch. Aber zwischen google und yandex/tineye liegt nicht nur eine, sondern...

sg-1 04. Apr 2022 / Themenstart

Gibts irgendwelche Infos, wie es bei Citadel weiter geht? Die sind wohl in yandex...

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