Die Sanktionen treffen indirekt auch Yandex

Trotz dieser langen Vorgeschichte erwähnt Yandex die Ukraine im 6.000 Zeichen langen "Update zu den Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen" und den folgenden Pressemitteilungen mit keinem Wort. Dafür wird auf die internationalen Sanktionen unter anderem durch Chiphersteller wie Intel eingegangen.

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"Wir gehen davon aus, dass unsere derzeitige Rechenzentrumskapazität und andere für den Betrieb kritische Technologien es uns ermöglichen werden, mindestens in den nächsten zwölf bis 18 Monaten den Betrieb im normalen Rahmen aufrechtzuerhalten", heißt es in der Pressemitteilung.

So unabhängig Yandex von Kunden außerhalb Russlands ist, so abhängig ist man zumindest von Hardwarelieferungen aus dem Ausland. Auch das Angebot von Yandex Market könnte sich aufgrund dauerhaft ausbleibender Lieferungen mit der Zeit verkleinern und damit das am schnellsten wachsende Geschäft schwächen.

Das Unternehmen selbst wird nicht sanktioniert, ist aber dennoch von den Boykotts internationaler Zahlungsanbieter und Börsen betroffen. Die einzige direkte Sanktion erfolgte bisher gegen CEO Tigran Khudaverdyan. Am 15. März trat Khudaverdyan zurück, nachdem die EU unter anderem ein Reiseverbot verhängte.

Der Einfluss des Kreml wächst

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"Im Gegensatz zu anderen russischen Technologieunternehmen hat Yandex in der Vergangenheit versucht, einen schmalen Grat zu beschreiten", sagte ein ehemaliger Yandex-Mitarbeiter dem Magazin Globes. Einerseits versuche man, sich international aufzustellen und die Abhängigkeit vom Kreml zu reduzieren. Aber Yandex wisse auch, "dass das Unternehmen oder seine Manager mit Strafen rechnen müssen, wenn es nicht tut, was die russische Regierung von ihm verlangt."

Als wichtigste Suchmaschine in Russland verfüge Yandex über eine Menge an Informationen, an denen die russische Regierung Interesse hätte. "Wir haben heute ein technisches Ökosystem, das das Alltagsleben von Millionen Menschen in Russland berührt", sagte Mitgründer Arkadi Wolosch 2019. "Wir sammeln persönliche Daten von Millionen russischer Nutzer und sind dafür verantwortlich, sie zu speichern. Das geistige Eigentum, das wir entwickelt haben und nun besitzen, ist bedeutend und sensibel genug, um ein potenzielles Problem für die nationale Sicherheit zu sein."

Wird diese als gefährdet angesehen, kann seit 2019 der Chef von Yandex abberufen werden. Die Anteilseigner haben dem zugestimmt.

Für immer ein russisches Unternehmen?

Auch wenn die zwischenzeitlich befürchtete Trennung Russlands vom weltweiten Internet unwahrscheinlich ist, sind russische Internetnutzer zunehmend isoliert. Während Russland soziale Netzwerke wie Instagram und Facebook sperrt, ziehen sich gleichzeitig Unternehmen wie Apple vom russischen Markt zurück. Das kann langfristig die Rolle von Yandex und anderen russischen Unternehmen wie VKontakte auf dem heimischen Markt festigen.

Ein Beispiel: Der schwedische Musikstreamingdienst Spotify startete sein Angebot 2020 in Russland. Schon 2021 war Spotify mit 36 Prozent Markanteil der zweitmeist genutzte Anbieter - hinter Yandex Music mit fast doppelt so vielen Nutzern. Seit dem Beginn des Ukrainekriegs hat Spotify die Podcasts russischer Staatsmedien verbannt, sein Werbegeschäft in Russland eingestellt und sein Büro in Moskau geschlossen.

Noch lässt sich Spotify in Russland nutzen. Sollten sich europäische und US-amerikanische Unternehmen aber dauerhaft vom russischen Markt zurückziehen, bleibt nur Yandex Music als Quasimonopolist zurück. Das gilt nicht nur für das Musikstreaming, sondern auch die Websuche, Kartendienste, Shopping und Nachrichtenangebote.

Auch wenn Yandex in den Niederlanden sitzt und international tätig ist, weist das Unternehmen seine Rekordumsätze in Rubel aus. Und wenn dieser weiter abstürzt, stürzt Yandex mit. Halten die Sanktionen weiter an, könnte Yandex so wirklich zum russischen Google werden - einem Internetkonzern, der nur in Russland funktioniert, aber im Rest der Welt nicht mehr.

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 US-Unternehmen distanzieren sich von der Partnerschaft
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fanreisender 04. Apr 2022 / Themenstart

Rein theoretisch. Aber zwischen google und yandex/tineye liegt nicht nur eine, sondern...

sg-1 04. Apr 2022 / Themenstart

Gibts irgendwelche Infos, wie es bei Citadel weiter geht? Die sind wohl in yandex...

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