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Russland: Nichtfossiles, nichtbiologisches Erdöl in 10 km Tiefe vermutet

Ein Projekt aus Sowjetzeiten soll wiederbelebt werden, um unbegrenzte Erdgas- und Erdölreserven zu erreichen. Wissenschaftliche Belege fehlen.
/ Mario Petzold
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Ölbohrung in Kalifornien, USA (Symbolbild) (Bild: Getty Images/David McNew)
Ölbohrung in Kalifornien, USA (Symbolbild) Bild: Getty Images/David McNew

Wie Science(öffnet im neuen Fenster) berichtet, wird von der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg angestrebt, eine 150 Jahre alte Theorie zu belegen, nach der es in der Erdkruste nahezu unbegrenzte Vorkommen an Erdgas und Erdöl geben könnte. Dafür soll in der Region Komi in Westsibirien ein 10 Kilometer tiefes Bohrloch entstehen, wo derartige Reserven vermutet werden.

Der Artikel in Science bezieht sich auf einen Bericht in Ria Novosti(öffnet im neuen Fenster), in dem der Direktor der Universität Wladimir Litwinenko(öffnet im neuen Fenster) sowohl die Theorie als auch das Vorgehen beschreibt.

Bereits 1989 war ein mehr als 12 km tiefes Loch auf der Halbinsel Kola gebohrt worden. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurde die Forschungsarbeit jedoch beendet. Spätestens seit 2023 gibt es Bemühungen, die Suche nach den ungewöhnlichen Reserven wieder aufzunehmen.

Wissenschaftlich kaum zu halten

Die Vermutung, dass es nichtfossile und nichtbiologische Erdgasreserven geben könnte, geht auf Dmitri Mendelejew(öffnet im neuen Fenster), einen der Entwickler des Periodensystems der Elemente, zurück. Demnach könnte Kohlenstoff aus der Zeit der Entstehung der Erde in der Erdkruste eingeschlossen worden sein und hat sich im Laufe der Zeit in Methan, Ethan und weitere Verbindung umgewandelt.

Der Kohlenstoff wäre damit nicht pflanzlichen Ursprungs, und zumindest in der Theorie könnten solche Reserven nahezu unendlich sein, weil sich die chemischen Prozesse immer weiter fortsetzen und neue Verbindungen erzeugen.

Bisher finden sich jedoch keinerlei Belege dafür, dass irgendeine Quelle der fossilen Energieträger anders als durch pflanzliche entstanden sein könnte. Projekte in Schweden oder China(öffnet im neuen Fenster) mit dem gleichen Ziel, tiefe Quellen der Energieträger aus der Anfangszeit der Erde zu entdecken, blieben erfolglos.

Wissenschaftliche Studien, die den nötigen chemischen Prozess und die Rahmenbedingungen beschreiben, gibt es nicht. Andere Veröffentlichungen(öffnet im neuen Fenster), die keine Belege für derartige Vorkommen ausmachen können, existieren hingegen.

Preis ist längst uninteressant

Darüber hinaus darf bezweifelt werden, dass eine solche Entdeckung ernsthafte Auswirkung auf die weltweite Nutzung von Erdgas und Erdöl hätte. So verursachen Transport und Verarbeitung einen großen Teil der Kosten. Und die Kosten, die eine Verbrennung fossiler Energieträger verursacht, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Nicht umsonst sind erneuerbare Energien(öffnet im neuen Fenster) mittlerweile die mit Abstand am schnellsten wachsende Form der Energieerzeugung.

Dementsprechend sieht der Bericht in Science noch einen anderen Grund für den Beginn der Bohrung: Im Zuge der Vergabe der Bohrrechte wurden laut Alexandra Prokopenko, Mitglied des Carnegie Russia Eurasia Center, knapp 7 Millionen US-Dollar durch eine bis dahin unbekannte Firma gezahlt.

Gleichzeitig gilt Wladimir Litwinenko, ein enger Vertrauter von Wladimir Putin und Initiator des Bohrvorhabens, als einer der reichsten Universitätsdirektoren Russlands. Damit gäbe es zumindest einen Grund für die höchstwahrscheinlich erfolglose Tiefenbohrung.


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