Russland: 40 Prozent der Chips aus China sind defekt

Russische Unternehmen können kaum noch Chips direkt beziehen. Über den Schwarzmarkt kommen anscheinend viele defekte Halbleiter.

Artikel veröffentlicht am , Johannes Hiltscher
Eine Ingenieurin untersucht einen Wafer.
Eine Ingenieurin untersucht einen Wafer. (Bild: U.S. Army Materiel Command/CC-BY 2.0)

Mit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine wurden russische Unternehmen weitgehend vom offiziellen Markt für Halbleiter abgeschnitten. Das zwang sie, auf inoffizielle Lieferanten, sprich den Schwarzmarkt, auszuweichen. Den Großteil der Chips bezieht das Land aus China. Die russische Wirtschaftszeitung Kommersant berichtet (via The Register), dass dies mit schweren Qualitätseinbußen einhergeht: 40 Prozent der aus China bezogenen Chips sollen defekt sein.

Kommersant zitiert einen ungenannten Informanten aus der russischen Elektronikbranche, demzufolge die Defektrate aus China bezogener Chips von 2 Prozent vor dem Krieg gegen die Ukraine auf aktuell 40 Prozent gestiegen sei. Für Hersteller ist das ein enormes Problem, da jede Charge von Chips getestet werden müsste, bevor diese verbaut werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass eine vollständige Baugruppe, die üblicherweise mehrere Chips umfasst, nicht funktioniert oder vorzeitig ausfällt.

Bereits eine Fehlerrate von 2 Prozent ist ziemlich hoch, da die Silizium-Dies, das Herzstück jedes Chips, vor der Montage in einem Gehäuse (Packaging) getestet werden. Dies, die nicht die vorgegebenen Parameter einhalten oder defekt sind, werden aussortiert. Welche Chips genau betroffen sind schreibt Kommersant nicht, es findet sich lediglich der Hinweis, dass vor allem LCD-Einheiten betroffen seien.

Auch bleibt unklar, ob lediglich einige wenige Hersteller in Russland betroffen sind oder die gesamte Branche. Während ein ungenannter "Top Manager" das Problem bestätigt haben soll, wiegelte Ivan Pokrovsky, Generaldirektor des Marktanalysten Center for Modern Electronics, gegenüber Kommersant ab: Das Problem betreffe nur einzelne Unternehmen. Das Ministerium für Industrie und Handel habe, so Kommersant, keine Informationen über gestiegene Defektraten bei Chips. Einig sind sich die von der Zeitung Befragten aber darin, dass Elektronikprodukte in Russland teurer werden: Einerseits durch den höheren Testaufwand, andererseits, da Unternehmen die Kosten für defekte Chips kaum zurückerhalten werden.

Grundlegendes Problem des grauen und schwarzen Markts

Dass Kunden vermehrt Betrug ausgesetzt sind, wenn sie Halbleiter auf inoffiziellen (grauer Markt) oder illegalen Wegen (Schwarzmarkt) beschaffen, ist ein bekanntes Problem (g+). Da kaum Möglichkeiten bestehen, gegen den Lieferanten vorzugehen, ist die Verlockung für Kriminelle groß, defekte, umgelabelte oder aufbereitete Ware zu verkaufen.

Einen funktionierenden Chip, der auch tut was der Kunde von ihm erwartet, wird hier schnell zum Glücksspiel. Kunden müssen bei inoffiziellen Händlern besonders vorsichtig sein, Kundenservice und Rückerstattungen gibt es nicht. Ivan Pokrovsky sieht daher auch das Hauptproblem darin, dass betroffene Unternehmen keine Erfahrungen im Umgang mit inoffiziellen Quellen haben. Das Grundproblem allerdings ist ein anderes: Die Sanktionen gegen Russland treffen die dortige Wirtschaft und zwingen Unternehmen zu verzweifelten Aktionen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Kilpikonna 21. Okt 2022

Moderne Wälzlager sind alles Andere als trivial herzustellen. Sehen einfach aus, sind...

Gokux 20. Okt 2022

Wie denn? Sie haben ja de facto weltweit sämtliche Zugänge zu allem was zur modernen...

Vögelchen 20. Okt 2022

China baut heute besser und schneller und patentiert mehr. Es kommt auch nicht von...

Vögelchen 20. Okt 2022

Ich glaube, du bist wirklich der ahnungsloseste Leser des Tages! Weder Ahnung, was China...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
25 Jahre Grim Fandango
Toller Trip durch das Reich der Toten

Morbide und lustig: Grim Fandango war kein Erfolg und gilt trotzdem als Klassiker. Golem.de hat es erneut durchgespielt - und war wieder begeistert.
Von Andreas Altenheimer

25 Jahre Grim Fandango: Toller Trip durch das Reich der Toten
Artikel
  1. Star Wars: Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps
    Star Wars
    Holiday Special jetzt in 4K mit 60 fps

    Eine bessere Story bekommt der legendär schlechte Film dadurch leider nicht. Bis heute lieben ihn einige Fans aber vor allem wegen seiner Absurdität.

  2. Autonomes Fahren: Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt
    Autonomes Fahren
    Im Märzen der Bauer den Roboter einspannt

    Landmaschinen ohne Fahrer, Traktoren, die mit Gesten gesteuert werden - autonome Systeme sollen in der Landwirtschaft gleich mehrere Probleme lösen.
    Ein Bericht von Werner Pluta

  3. Lohn und Gehalt: OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr
    Lohn und Gehalt
    OpenAI-Entwickler verdienen bis zu 800.000 US-Dollar im Jahr

    Die Firma hinter Chat-GPT zahlt im Vergleich zu Unternehmen wie Nvidia besonders gut. Erfahrene Forscher und Entwickler auf dem Gebiet sind Mangelware.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Crucial P5 Plus 2 TB mit Kühlkörper 114,99€ • Crucial Pro 32 GB DDR5-5600 79,99€ • Logitech G915 TKL LIGHTSYNC RGB 125,11€ • Anthem PC 0,99€ • Wochenendknaller bei MediaMarkt • MindStar: Patriot Viper VENOM 64 GB DDR5-6000 159€, XFX RX 7900 XT Speedster MERC 310 Black 789€ [Werbung]
    •  /