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Rückstand: Deutschland noch ohne Mega-Rechenzentren für KI

Deutschland drohe "zur Datenkolonie" der USA zu werden, stellt der Bitkom in einer Studie zu Rechenzentren und KI fest.
/ Achim Sawall
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Supercomputing-Infrastruktur am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Bild: Axel König/StMWK)
Supercomputing-Infrastruktur am Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Bild: Axel König/StMWK

Anders als in den USA oder China existieren in Deutschland noch keine Mega-Rechenzentren, die ausschließlich für KI-Anwendungen betrieben werden. Das gab der Branchenverband Bitkom am 10. November 2025 bekannt(öffnet im neuen Fenster) . Die USA verfügten 2024 bereits über zehnmal so viel Rechenzentrumskapazität, wie sie in Deutschland bis 2030 geplant ist. Jedes Jahr werden in den USA mehr als viermal so viele Kapazitäten hinzugebaut, wie in Deutschland überhaupt installiert sind.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder sagte: "Deutschland muss sicherstellen, dass wir über ausreichend leistungsfähige Rechenzentren verfügen. Hier entscheidet sich, ob Deutschland zur Datenkolonie wird oder auch im digitalen Zeitalter ein souveränes Land bleibt." Allerdings gibt es keine einheitliche Definition dafür, was ein Mega-Rechenzentrum ist.

In China belief sich die IT-Anschlussleistung 2024 auf 38 Gigawatt. Und in den USA verfügten Rechenzentren bereits im vergangenen Jahr über eine Leistung von 48 Gigawatt – 16-mal so viel wie in Deutschland im Jahr 2025. Allein die zehn größten US-Rechenzentren sind so stark wie alle 2.000 deutschen Rechenzentren zusammen.

Insbesondere in den Vereinigten Staaten wurden zuletzt einige Megaprojekte angekündigt: So plant Meta mit dem Projekt Hyperion eines der größten Rechenzentren der Welt, das ausschließlich für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz ausgelegt ist und mehrere Milliarden US-Dollar kosten soll. Auch OpenAI und Elon Musks Unternehmen xAI treiben den Ausbau von KI-Rechenzentren massiv voran – ihre künftigen Systeme sollen auf hunderttausenden bis zu einer Million spezieller Grafikprozessoren laufen.

KI rund 15 Prozent in Deutschland

Aktuell machen Rechenzentren für KI rund 15 Prozent der gesamten in Deutschland installierten Kapazitäten aus. Bis zum Jahr 2030 sollen sich diese KI-Kapazitäten – die in Watt gemessen werden – vervierfachen, von derzeit 530 Megawatt auf dann 2.020 Megawatt Anschlussleistung. Der Anteil von KI-Rechenzentren an den deutschen Gesamtkapazitäten wird dann bei 40 Prozent liegen. Insgesamt sind in Deutschland derzeit 2.000 Rechenzentren mit einer Anschlussleistung von jeweils mehr als 100 Kilowatt installiert, darunter 100 größere Rechenzentren mit mehr als 5 Megawatt Leistung. Die Leistung aller deutschen Rechenzentren wuchs 2025 um 9 Prozent auf 2.980 Megawatt, die hundert größten Rechenzentren steuern dazu die Hälfte bei.

Auch Strombedarf wird steigen

Anfang 2026 soll erstmals die Marke von 3.000 Megawatt und 2030 von 5.000 Megawatt überschritten werden. Verglichen mit 2024 werden sich Deutschlands Rechenzentrumskapazitäten dann nahezu verdoppelt haben.

Das sind Ergebnisse der aktuellen Bitkom-Studie Rechenzentren in Deutschland: Aktuelle Marktentwicklungen – Update 2025, die vom Borderstep Institut durchgeführt wurde.

Danach entfällt aktuell die Hälfte (49 Prozent) der deutschen Rechenzentren-Kapazitäten auf Cloudinfrastrukturen, vor einem Jahr waren es noch 45 Prozent und im Jahr 2019 erst 29 Prozent. Auch der Markt für Edge-Rechenzentren gewinnt zunehmend an Dynamik, bewegt sich mit einer Anschlussleistung von rund 240 MW im Jahr 2025 jedoch noch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Klassische Rechenzentren werden weiterhin betrieben, zeigen aber mittlerweile einen rückläufigen Trend (2025: 1.290 MW).

Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland ist gestiegen

Auch der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland stieg – und wird weiter steigen. Er wird 2025 bei 21,3 Milliarden Kilowattstunden liegen – 2024 waren es 20 Milliarden kWh und 2015 noch 12 Milliarden kWh. Rund zwei Drittel des Strombedarfs entfallen dabei auf Server, Speicher und Netzwerktechnik. Das übrige Drittel entfällt auf die Gebäudeinfrastruktur, die Kühlung oder unterbrechungsfreie Stromversorgung.

Das bei weitem größte Rechenzentrums-Cluster befindet sich in Hessen im Großraum Frankfurt und verfügt mit gut 1.100 MW über mehr als ein Drittel aller Kapazitäten in Deutschland. Es folgen mit Abstand Bayern (420 MW) und Nordrhein-Westfalen (378 MW), dahinter liegen Baden-Württemberg (233 MW) und Berlin (146 MW). Die geringste installierte Rechenleistung findet sich in Mecklenburg-Vorpommern (20 MW), Bremen (19 MW) und dem Saarland (17 MW).

Für die nächsten Jahre sind zahlreiche neue große Rechenzentren angekündigt. So werden nicht nur in Frankfurt neue Projekte mit mehr als 1.800 MW geplant, sondern 888 MW in Brandenburg sowie mit einer IT-Anschlussleistung von 480 MW auch im rheinland-pfälzischen Nierstein. Dieses Projekt könnte noch übertroffen werden von einem Rechenzentrum mit einer IT-Anschlussleistung in der Größenordnung von 1.000 MW, über das aktuell in der Gemeinde Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert wird. Erst in der vergangenen Woche wurden Pläne für ein neues KI-Rechenzentrum bei München durch die Deutsche Telekom und Nvidia vorgestellt.


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