Rückschlag für Airbus: Start-up Aerospacelab baut Großteil der Satelliten von Iris²
Das belgische Start-up Aerospacelab baut 264 der insgesamt 348 Satelliten von Iris², dem europäischen Satellitennetzwerk. Das erfuhr das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen. Der Auftragswert für den geplanten europäischen Starlink-Konkurrenten beläuft sich auf mindestens 1,8 Milliarden Euro. Wie Golem erfuhr, kursieren Gerüchte, wonach auch die LEO-Satelliten der Bundeswehr namens SatcomBw-4 in wesentlichen Teilen von Aerospacelab – als Lieferant für das OHB-Rheinmetall-Joint Venture – hergestellt werden sollen.
Damit wird das erste große Satellitennetzprojekt in Europa überraschend einer jungen Firma anvertraut. Der Auftrag bedeutet einen Rückschlag für den Defense-and-Space-Bereich von Airbus, der in Europa mit die größte Erfahrung mit Satelliten von dieser Größe und Funktion besitzt. Eine Anfrage ließ Airbus mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen unbeantwortet.
Aus Deutschland ist bei Iris² der Satellitenhersteller OHB mit dabei. Das Bremer Unternehmen wird laut Handelsblatt die 18 MEO-Satelliten herstellen, die in einer höheren Erdumlaufbahn kreisen. Der Auftragswert dürfte bei knapp 1 Milliarde Euro liegen. Auch hier wurde eine Anfrage nicht beantwortet.
Christian von der Ropp, Berater für Satellitenkommunikation, sagte Golem: "Dass Aerospacelab die Iris²-Satelliten bauen soll, ist überraschend, denn mit bislang nur zehn Satelliten im Orbit hat Aerospacelab keine besonders große Flugerfahrung, wohl aber erhebliche Produktionskapazität."
Aerospacelab setzt auf Vorbild Automobilproduktion
Dass Airbus den Zuschlag nicht erhielt, hängt laut von der Ropp wahrscheinlich mit der unter dem Projektnamen Bromo laufenden Fusion des Raumfahrtgeschäfts von Airbus mit dem von Thales und Leonardo zusammen. "Dies bindet Ressourcen, blockiert Investitionen und führt zu einem Schwebezustand, der die Teilhabe an großen Satellitenprojekten verhindert."
Von der Ropp erklärte, dass Gerüchten zufolge Aerospacelab auch als Zulieferer für das Joint Venture von OHB und Rheinmetall fungiere und wesentliche Komponenten der neuen LEO-Satelliten der Bundeswehr, SatcomBw-4, fertige.
Statt Satelliten in klassischer Einzelanfertigung zu bauen, setzt Aerospacelab nach eigener Darstellung auf vertikal integrierte Fließbandfertigung und Standardkomponenten. Das soll die Produktionskosten senken und Lieferzeiten verkürzen.
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