Roy Singham: Investmentunternehmen kauft soziale IT-Beratung Thoughtworks
Vor ungefähr 30 Jahren begann der Entwickler Roy Singham mit IT-Beratungsleistungen. Daraus entwickelte sich Anfang der 90er Jahre das Beratungsunternehmen Thoughtworks, das sich unter anderem durch den Einfluss des Entwicklers Martin Fowler der agilen Softwareentwicklung verschrieben hat. Nach fast drei Jahrzehnten im Privatbesitz von Singham ist Thoughtworks nun von einem Beteiligungsfonds unter Führung des Investmentunternehmen Apax Partners gekauft worden, wie das Unternehmen ankündigt(öffnet im neuen Fenster) .
Privatbesitz als Unternehmensrisiko
Fowler schreibt dazu in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) , dass der Verkauf nicht unerwartet geschehen sei. So habe sich Singham schon seit einiger Zeit aus den aktiven Geschäften von Thoughtworks zurückgezogen. Ebenso habe der Gründer bereits längere Zeit nach einem Modell für die Besitzverhältnisse gesucht wie etwa eine Stiftung.
Die dabei anfallenden Steuern hätte Thoughtworks aber nicht aus seinen laufenden Geschäften aufbringen können, so Fowler. Ebenso hätte ein unerwarteter Tod von Singham zu ähnlichen finanziellen Problemen führen können, die nur durch einen Notverkauf hätten gelöst werden können. Die mit derartigen Ereignissen verbundenen Gefahren für Thoughtworks ist Singham durch den Verkauf an Apex nun offenbar zuvorgekommen.
Was wird aus der sozialen Verantwortung?
Thoughtworks ist neben seiner eigentlichen Tätigkeit als IT-Beratungsunternehmen vor allem auch für seine Art des Wirtschaftens bekannt, die die eigene soziale Verantwortung des Unternehmens hervorhebt. Fowler schrieb 2011(öffnet im neuen Fenster) , dieses Modell sei auch von dem Eiscreme-Hersteller Ben & Jerry's übernommen worden. Die Unternehmensphilosophie erinnert auch an die Kultur, die der DM-Gründer Götz Werner in seiner Drogeriemarktkette versucht umzusetzen. Das Wirtschaftsblatt Fortune(öffnet im neuen Fenster) beschrieb Thoughtworks deshalb vor einigen Jahren gar mit dem vor allen in den USA wenig schmeichelhaften Begriff "sozialistisch" .
Teil dieser Firmenidentität ist es etwa, einige Open Source Projekte zu pflegen, die für humanitäre Einsatzzwecke gedacht sind . Ebenso konzentriert sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren verstärkt darauf, die Diversität der eigenen Belegschaft aktiv zu erhöhen sowie die Bezahlung nach unfairen Unterscheidungen, etwa nach Geschlecht, zu untersuchen und diese Differenzen abzubauen.
Dass die Übernahme von Thoughtworks durch ein Investmentunternehmen etwas an dieser Vorgehensweise ändern könnte, liegt nahe. So schreibt Fowler in seinem Blog: "Wie viele Leute habe ich ein instinktives Misstrauen gegenüber privatem Beteiligungskapital" . Das britische IT-Magazin The Register kommentiert(öffnet im neuen Fenster) die Kaufabsichten von Apax Partners zudem mit einer Verballhornung der Pressemitteilung und schreibt: "Thoughtworks ist ziemlich gut in diesem DevOps und Cloud-native Zeug, die wir immer wieder hören, wenn wir ihnen etwas Bargeld geben, könnten wir etwas Kohle aus denen herausholen."
Ob Thoughtworks aber tatsächlich seine Firmenidentität ändert, ist noch nicht abzusehen. So habe sich Apax Partners laut Fowler intensiv mit Thoughtworks beschäftigt und wolle wohl nichts an den bisherigen Geschäftspraktiken ändern. Deshalb gibt sich der Entwickler auch vorsichtig optimistisch, dass das Beratungsunternehmen mit seiner Kultur erhalten bleiben kann.
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