Rotary Phone: Vom Wählscheiben-Bastelhandy zur eigenen Produktionsanlage

Justine Haupt hat ein Handy mit Wählscheibe entworfen - und gleich eine eigene Produktionsanlage zu Hause aufgebaut. Golem.de hat mit ihr gesprochen.

Ein Interview von veröffentlicht am
Die Erfinderin des Rotary Phones, Justine Haupt, und ihr Bestückungsautomat
Die Erfinderin des Rotary Phones, Justine Haupt, und ihr Bestückungsautomat (Bild: Justine Haupt)

Heutige Telefone verwenden Tasten zum Wählen - sei es auf einem Display bei einem Smartphone oder per Nummernpad bei einem Handy oder Festnetztelefon. Wählscheibentelefone dürften hingegen nur noch bei Nostalgikern zu Hause stehen: Seit den 1980er Jahren wurde der analoge Mechanismus durch digitale Tastaturen abgelöst, begleitet von dem Wechsel vom Impulswahlverfahren zum Mehrfrequenzwahlverfahren.

Inhalt:
  1. Rotary Phone: Vom Wählscheiben-Bastelhandy zur eigenen Produktionsanlage
  2. Chipkrise warf Projekt zurück
  3. Eigene Produktionsanlage im Keller

Das heißt allerdings nicht, dass ein Wählscheibenmechanismus nicht immer noch faszinierend ist. Das fand auch die Mathematikerin Justine Haupt aus den USA, die 2020 ein Mobiltelefon gebaut hat, das über eine Wählscheibe bedient wird. Heraus kam die erste Version des Rotary Phone, ein Bastelprojekt, das Haupt ursprünglich nur für sich baute und gar nicht verkaufen wollte.

Bastelprojekt fand viele Interessenten

Justine Haupt fing noch 2020 an, das Rotary Phone zu verkaufen, bis Ende 2022 hofft sie, endlich alle bisherigen Bestellungen ausliefern zu können. Im Gespräch mit Golem.de hat sie uns erzählt, wie es zur Verkaufsversion des Rotary Phones kam, weshalb es Verzögerungen gab und warum sie mittlerweile eine Produktionsanlage im Keller aufgebaut hat - und was das mit der Chipkrise zu tun hat.

"Leute haben mir immer wieder E-Mails geschickt, dass sie auch ein Rotary Phone haben wollen", erklärt uns Haupt, die bei einem Forschungslabor arbeitet, in einem Videogespräch. "Also habe ich nachgegeben und das ursprüngliche Rotary Phone, das ich für mich gebaut habe, als Bastel-Kit herausgebracht." Dabei handelte es sich eher um eine Anleitung, wo welche Teile zu beschaffen sind - inklusive eines Wählscheibenmechanismus aus einem bestimmten alten Telefon - und wie diese mit einem Arduino-Chip kombiniert werden müssen.

  • Justine Haupt in ihrer Produktionsanlage (Bild: Justine Haupt)
  • Die Produktionsanlage von Justine Haupt: In der Bildmitte der Bestückungsautomat, rechts im Hintergrund der Reflow-Lötofen (Bild: Justine Haupt)
  • Auf dem Schreibtisch im Vordergrund erkennbar: die Disketten mit den Daten für den Bestückungsautomaten (Bild: Justine Haupt)
  • Justine Haupt musste eine Reihe an Feedern für den Bestückungsautomaten kaufen, da sie mitunter ungewöhnliche Teile verwendet. (Bild: Justine Haupt)
  • Das Innere des Bestückungsautomaten (Bild: Justine Haupt)
  • Mit dem Reflow-Lötofen werden die Teile mit dem Board verlötet. (Bild: Justine Haupt)
  • Eine fertig verlötete Platine, frisch aus dem Ofen (Bild: Justine Haupt)
  • Den Bestückungsautomaten hat Justine Haupt gebraucht gekauft. (Bild: Justine Haupt)
  • Das Rotary Phone in den aktuell verfügbaren Farben (Bild: Justine Haupt)
Die Produktionsanlage von Justine Haupt: In der Bildmitte der Bestückungsautomat, rechts im Hintergrund der Reflow-Lötofen (Bild: Justine Haupt)
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Je mehr Anfragen kamen, desto mehr bekam Haupt allerdings das Gefühl, dass sie das Rotary Phone als "echtes Produkt" herstellen sollte, wie sie es ausdrückt. "Das Rotary Phone sollte Spritzgusskunststoffteile haben und neue, speziell dafür hergestellte Komponenten. Und einen Wählscheibenmechanismus, der nicht aus einem alten Telefon stammt." Den Wählscheibenmechanismus baut Haupt mittlerweile dank Reverse Engineering komplett selbst.

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"Ich wollte immer schon irgendwann mein eigenes Unternehmen aufmachen. Eigentlich wollte ich mich auf Robotik konzentrieren, jetzt baue ich das Rotary Phone", erzählt sie. Das Rotary Phone, von Haupt auch als "Rotary Un-Smartphone" bezeichnet, besteht aus einer Wählscheibe, zwei Schnellwahltasten, einem E-Paper-Display auf der Rückseite für die Anzeige von Kontakten, einem OLED-Display auf der Vorderseite und einer echten Glocke, die bei Anrufen klingelt. Auf dem OLED-Bildschirm werden eingehende Anrufe sowie SMS angezeigt. Die Kontakte werden in einer TXT-Datei auf einer Speicherkarte abgelegt, als Prozessor verwendet Haupt einen Atmega 1280.

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Chipkrise warf Projekt zurück 
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ElTentakel 29. Aug 2022 / Themenstart

Warun soll da Deutschland so besonders sein?

Laoban 24. Aug 2022 / Themenstart

es macht einige Spass, also ist es auch keine Verschwendung. wenn jetzt auch Spass immer...

fritzemueller 19. Aug 2022 / Themenstart

In manchen Ländern (z.B. USA) ist es auf Antrag erlaubt, nicht zertifizierte Funkgeräte...

magnolia 17. Aug 2022 / Themenstart

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