Rotary Cell Phone: Das entschleunigende Wählscheiben-Handy
Aktuelle Mobiltelefone machen es uns sehr leicht: Einfach eine Telefonnummer aus dem Speicher auswählen oder bei einem Smartphone sogar nur den Namen ansagen, und schon steht die Verbindung. Ein Handy mit Wählscheibe hingegen erfordert Arbeit - ein Tüftler hat eins konstruiert.
Manch einer kennt Telefone mit Wählscheibe gar nicht mehr. Anstatt praktische Tasten zu drücken, artete der Wählvorgang mit einem Wählscheibentelefon in harte Arbeit aus. Jede Nummer musste auf einem Drehrad ausgewählt und im Uhrzeigersinn gedreht werden - Einsen gingen am schnellsten, Nullen dauerten gefühlt ewig.
Anstatt wie heute auf einem Handy oder Smartphone einfach einen Namen auszuwählen, um jemanden anzurufen, musste man bei einem Wählscheibentelefon geduldiger sein. Irgendwann hatte fast jeder ein Tastentelefon, heute gibt es sogar Menschen, die komplett ohne "Haustelefon" auskommen.
Wählscheiben sind aber irgendwie cool. Die mechanische Komponente, die einem modernen Handy oder Smartphone komplett abgeht, das Geräusch, wenn die Scheibe gedreht wird, das Klackern beim Zurücklaufen - für viele sind das auch Erinnerungen an die eigene Kindheit und stellvertretend für etwas, was es heutzutage schlicht nicht mehr gibt.
Handy mit Wählscheibe aus dem Makerspace
Der Youtuber Mr. Volt empfindet offenbar ähnlich und hat daher ein Handy mit Wählscheibe gebaut. In einem Video präsentiert er das in seinem lokalen Makerspace entstandene Gerät, das auch als Requisite in Stranger Things funktionieren würde - und ein wenig an ein Walkie-Talkie aus den 1970er/80er Jahren erinnert.
Die Front besteht aus gebürstetem Aluminium, die Rückseite aus Holz, der Rahmen aus gedrucktem ABS-Kunststoff. Oben befindet sich ein 1W-Lautsprecher, direkt darunter ein OLED-Display mit einer Auflösung von 96 x 64 Pixeln. Unter dem Schriftzug "PROTOTYPE" befinden sich zwei Druckknöpfe, ein Drehschalter für die Auswahl der Menüs und schließlich: die Wahlscheibe.
Wählscheibe für kleine Finger
Aus Platzgründen ist diese ohne Aufsatz eingebaut - es fehlen also Nummernbeschriftungen, zudem lässt sich die Scheibe mit einem Finger nur schwer bedienen. Mr. Volt nutzt stattdessen einen Stylus, mit dem er leicht in die Löcher kommt.
Das Rotary Cell Phone kann eine Nummer speichern, alle anderen muss der Nutzer über die klackernde Wahlscheibe eingeben. Das Handy kann an diese Nummer auch Nachrichten verschicken, wobei der Text mit einer Art T9-System über die Wählscheibe eingegeben werden muss - bequem ist anders. Ein kleines Highlight ist das quäkende FM-Radio, das ebenfalls über den Menü-Drehknopf erreichbar ist.
Fona Feather von Adafruit
Das technische Herz des Rotary Cell Phones ist ein Fona-Feather-Board von Adafruit, auf dem ein in C++ selbst geschriebenes System läuft. Im Inneren steckt ein Akku mit einer Nennladung von 2.000 mAh. Da Mr. Volt der Wählscheibenmechanismus so gut gefällt wie uns, hat er in der Holzrückseite ein kleines Guckfenster eingebaut. Hierdurch ist der Mechanismus gut zu erkennen.
Angaben dazu, ob er sein Wähltastenhandy noch weiter verbessern will oder gar mehrere Exemplare bauen will, macht Mr. Volt leider nicht. Bei uns in der Redaktion gäbe es bereits einige Interessenten.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed








Okay xD
Ich! Der Mann aus dem Video! :) Aber das Ding ist trotzdem eine Katastrophe... Nicht die...
Handgestanzter Binärcode, das wäre passend und stylish gewesen. Am besten in der Packung...
Wählscheibentelefone klingen viel wärmer.