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Rosenkrieg: Arduino verklagt Arduino

Die Arduino-Gründergruppe um Massimo Banzi geht gegen den Hersteller der Arduino-Boards vor. Dahinter steht ein Richtungsstreit um die Zukunft des Arduino-Projektes.
/ Alexander Merz
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Arduino Uno R3-Platine (Bild: Arduino.cc)
Arduino Uno R3-Platine Bild: Arduino.cc

Am 23. Januar 2015 hat die Arduino LLC, nach eigener Meinung Inhaberin der Arduino-Markenrechte, eine Klage gegen Arduino S.R.L, Produzentin der offiziellen Arduino-Boards, am Massachusetts District Court eingereicht(öffnet im neuen Fenster) . In der Klage geht es um die Rechte am Markennamen Arduino. Bekannt wurde die Klage, als Anfang Februar der anscheinend schon länger schwelende Streit um die Führungshoheit des Arduino-Projektes in die Öffentlichkeit getragen wurde.

Obwohl sich die Arduino-Macher gegen unlizenzierte Nachahmer aussprechen , bekennt sich(öffnet im neuen Fenster) die Gruppe um den Arduino-Erfinder Massimo Banzi zu offener Hardware und zur Maker-Bewegung. Durch das Arduino-at-Heart-Programm für andere Hersteller, wie zum Beispiel Intel , wird versucht, die Arduino-Idee auf eine breitere Hardware-Basis zu stellen. Banzi schließt dabei nicht aus, sich stärker in China zu engagieren, um preiswerte lizenzierte Arduino-Boards anbieten zu können. Diese Strategie steht im Widerspruch zu den Interessen des derzeitigen italienischen Herstellers der offiziellen Arduino-Boards. Dieser fürchtet, dadurch Umsatz zu verlieren – oder die Produktion in Italien aufgeben und verlagern zu müssen.

Ohne dass etwas an die Öffentlichkeit drang, schien dieser Interessenskonflikt bereits 2014 zu eskalieren und wandelte sich zu einem Kampf um die Frage, wer eigentlich Arduino repräsentiere und das Projekt steuere. Dabei spielt der Streit um die Arduino-Marke genauso eine Rolle wie die Bedeutung Massimo Banzis als Führungsfigur des Arduino-Projektes.

Wem gehört Arduino?

Seitdem das Arduino-Projekt 2004 um das Team von Massimo Banzi anfing, wurden die offiziellen Arduino-Boards stets von Smart Project S.R.L.(öffnet im neuen Fenster) produziert. Diese italienische Firma gehört Gianluca Martino, der ebenfalls zu den Arduino-Gründungsmitgliedern zählt. Im September 2014 benannte sich Smart Projects S.R.L. in Arduino S.R.L. um.

Laut Massimo Banzi erfolgte diese Umbenennung ohne Billigung durch die übrigen Gründungsmitglieder und die Arduino SA(öffnet im neuen Fenster) . Diese schweizerische Aktiengesellschaft unter der Führung von Banzi betreibt die bekannte Arduino.cc-Webseite sowie -Community und versteht sich selbst als institutionelle Organisation des Arduino-Projektes. Der Arduino SA gehören aber nicht die Arduino-Markenrechte. Die Marke Arduino wurde 2009 in Italien durch die Smart Projects S.R.L registriert(öffnet im neuen Fenster) und gilt für die Nizza-Klassen(öffnet im neuen Fenster) 9 und 42.

Zeitgleich dazu wurde die Marke in den USA auch durch die amerikanische Arduino LLC registriert, aber nur für die Klasse 9. Diese Firma wird von David Mellis geführt, er gehört ebenfalls zum Arduino-Gründungsteam. Anscheinend als Reaktion auf die Firmenumbenennung von Smart Projects S.R.L. in Arduino S.R.L. hat die Arduino LLC im Oktober 2014 erneut die Marke Arduino in den USA eintragen lassen(öffnet im neuen Fenster) , allerdings diesmal für die Nizza-Klassen 35 und 41.

Außerdem hat die Arduino S.R.L. nun neben ihrer bekannten Shop-Webseite(öffnet im neuen Fenster) auch die generische arduino.org-Webseite eröffnet. Diese erinnert stellenweise nicht nur optisch stark an die orginale arduino.cc(öffnet im neuen Fenster) -Seite, sondern erweckt durchgängig den Eindruck einer offiziellen Arduino-Seite.

Inwieweit diese parallelen Eintragungen der Markenrechte und deren Nutzung nun zulässig sind, darum wird es in dem angestrengten Gerichtsprozess gehen. Dieser wäre wohl von der Öffentlichkeit weitgehend übersehen worden, wenn der bis dato nahezu unbekannte Federico Musto nicht versucht hätte, eine neue Strategie für das gesamte Arduino-Projekt vorzugeben und Massimo Banzi zu entmachten.

Der Putschversuch im Arduino-Reich

Federico Musto wurde von Arduino S.R.L. als neuer CEO verpflichtet. Vorher war er CEO von Dog Hunter(öffnet im neuen Fenster) gewesen, davor hatte er die italienische Red-Hat-Vertretung mit aufgebaut. Im Arduino-Projekt war er bis dahin kaum aufgefallen.

In der zweiten Februarwoche 2015 äußerte er sich in der italienischen Presse. Musto spricht davon(öffnet im neuen Fenster) , dass Arduino mit multinationalen Konzernen konkurrieren müsse. Den bisherigen Jahresumsatz der Arduino S.R.L. von knapp 15 Millionen Euro hält er für zu gering, dieser müsse deutlich steigen. Deswegen solle sich das Arduino-Projekt stärker als Industriepartner engagieren, ein globales Vertriebsnetz sei notwendig. Selbst einen Börsengang der Arduino S.R.L. betrachtet er als möglichen Schritt. Die zukünftige Rolle von Massimo Banzi reduziert er(öffnet im neuen Fenster) auf repräsentative Aufgaben für den Open-Source-Zweig von Arduino.

Massimo Banzi erwiderte darauf(öffnet im neuen Fenster) , indem er darauf hinwies, dass die Firma Arduino S.R.L. nicht mit dem Arduino-Projekt gleichzusetzen sei und deutete den laufenden juristischen Streit an. Außerdem betonte er, dass er in keiner Beziehung zu Arduino S.R.L. stehe, und diese über seine Funktion innerhalb des Arduino-Projektes nicht bestimmen könne.

In der Antwort(öffnet im neuen Fenster) von Gianluca Martino und Federico Musto heißt es, dass Arduino S.R.L. die Rechte an Arduino besitze, und das Arduino-Projekt ohne sie keine Boards produzieren oder lizenzieren könne. Außerdem hätten sie Massimo Banzi dafür bezahlt, dass er Öffentlichkeitsarbeit für Arduino betreibe.

Weitere Reaktionen oder offizielle Statements seitens Arduino SA oder Arduino LLC stehen bislang aus. Wie der Machtkampf ausgeht, wird nun wohl von einem US-amerikanischen Gericht entschieden. Aber unabhängig davon, wie das Urteil lauten wird, Ansehen und Entwicklungsfähigkeit des Arduino-Projektes werden darunter leiden.


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