ROM-Ecke: Pac Man ROM - Android gibt alles
Viele Nutzer von Android-Geräten geben sich nicht mit dem vorinstallierten Android-System zufrieden – sei es, weil es keine Updates mehr gibt, weil ihnen das System zu langsam ist oder ihnen der Funktionsumfang nicht ausreicht. Für diese Fälle gibt es für die meisten Android-Smartphones oder -Tablets alternative Android-Distributionen . Aus dem Wust an Android-ROMs sucht Golem.de ab sofort regelmäßig interessante Kandidaten heraus und stellt sie vor. Heute: Pac Man ROM.
Die Macher von Pac Man ROM(öffnet im neuen Fenster) gehören eher zu den unauffälligeren Programmiererteams alternativer Android-Distributionen – wie das Team von Slimkat aus dem ersten Teil der ROM-Ecke von Golem.de. Nichtsdestotrotz ist ihr ROM eines der umfangreichsten und interessantesten auf dem Markt, bietet es doch fast alle Extrafunktionen der bekannten ROMs von Cyanogenmod, Paranoid Android und AOKP. Nicht umsonst zeigt das Logo des ROMs einen Pac Man, der sich auf drei Android-Männchen stürzt, von denen eines wie ein rosa Einhorn aussieht (AOKP) und eines blau ist (Cyanogenmod).

Die aktuellen Nightly Builds basieren noch auf Android 4.4.4 alias Kitkat. Wie bei Github ersichtlich ist, arbeitet das Team allerdings aktuell an einer neuen Version, der Android 5.0 Lollipop zugrunde liegt. Das Design der grundsätzlichen Benutzeroberfläche von Pac Man ROM unterscheidet sich nicht sonderlich von anderen alternativen Android-ROMs. Sobald der Nutzer die Systemeinstellungen öffnet, beginnt aber der Spaß.
Flut an Einstellungsmöglichkeiten
In den sogenannten Pac-Einstellungen stehen dem Nutzer insgesamt 17 Möglichkeiten zur Verfügung, in das System einzugreifen – solche optischer Natur sowie zahlreiche nützliche Zusatzfunktionen. Hier sollten sich Nutzer die nötige Zeit nehmen, da die Einstellungsmöglichkeiten eine extreme Personalisierung des Android-Systems ermöglichen. Der Detailgrad dabei geht weit über das hinaus, was beispielsweise AOKP und Paranoid Android bieten – zwei ROMs, die dafür bekannt sind, dem Nutzer einen ziemlich großen Freiraum zu geben.
Beim Design kann unter anderem die Fortschrittsanzeige personalisiert, die Belegung der Navigationsleiste geändert und das Verhalten der Tastatur- und Menüeinblendungen sowie weiterer Animationen eingestellt werden. Auch das allgemeine Scroll-Verhalten lässt sich umfassend konfigurieren: Die Beschleunigung, der Scroll-Widerstand und andere Parameter kann der Nutzer seinen Vorlieben anpassen. Die Statuszeile und die Navigationsleiste kann er farblich an den Bildschirminhalt anpassen – einzeln oder auch beide zusammen.
Viele, viele Zusatzfunktionen
Zu den Extrafunktionen gehört eine Appbar, die wahlweise vom linken oder rechten Bildschirmrand beim Wischen in das Display erscheint und eine frei wählbare Auswahl an Apps anzeigt. Größte und Ausrichtung des Reaktionsbereichs, auf den die Appbar reagiert, können eingestellt werden. Das ist praktisch und auch nötig, wenn der Nutzer eine oder mehrere weiterer Funktionen aktiviert hat, die am Bildschirmrand erscheinen oder dort auf eine Geste reagieren.
Dies betrifft unter anderem die Benachrichtigungsfunktion Halo, die vom Programmier-Team von Paranoid Android entwickelt wurde und mittlerweile ihren Weg in zahlreiche andere ROMs gefunden hat. Systembenachrichtigungen werden hier in einer kleinen Blase am Display-Rand angezeigt, die verschoben und bei mehreren eingehenden Benachrichtigungen auch ausgeklappt werden kann.
Die Gestensteuerung ist frei konfigurierbar
Pac Man ROM hat auch eine Gestensteuerung, mit der zahlreiche Funktionen und jede beliebige App mit einem selbst definierten Zeichen gestartet werden kann. Für Google Maps müssen wir jetzt beispielsweise nur noch ein großes M auf den Bildschirm malen. Der Gestenbereich wird mit einem Wisch in das Display hinein aktiviert. Sind mehrere der vorigen Optionen aktiv, empfiehlt es sich auch hier, den Reaktionsbereich mit den anderen Funktionen abzustimmen.
Dies ist insbesondere dann nötig, wenn der Nutzer noch die Pie-Steuerung aktiviert hat; ja, auch die hat Pac Man ROM zu bieten. Damit lässt sich per Wisch in das Display ein ringförmiges Menü einblenden, das neben den Navigationstasten weitere Verknüpfungen und Informationen beinhaltet. Besonders praktisch ist das beim Vollbildmodus, wenn die eigentliche Navigationsleiste ausgeblendet ist.
Heads-up-Benachrichtigungen und Omni-Switch
Wer die Halo-Benachrichtigungen nicht mag, aber nicht nur per Statuszeile über neue Nachrichten und andere Systemmeldungen benachrichtigt werden will, kann bei Pac Man ROM auch Heads-up-Notifications aktivieren. Hier erscheinen Meldungen dann als kleiner Balken am oberen Rand des Bildschirms. Nutzer der klassischen Android-Benachrichtigungsanzeige können auch diese konfigurieren: Der Stil des Hintergrunds der ausgeklappten Leiste lässt sich ändern, ebenso deren Transparenz. Die Schnelleinstellungen können konfiguriert oder einfach komplett mit in die Benachrichtigungsanzeige integriert werden. Die Icons der Statuszeile können vom Nutzer ebenfalls bearbeitet werden.
Die Übersicht der zuletzt genutzten Apps kann gegen den sogenannten Omni-Switch ausgetauscht werden. Dann erscheint statt der aus Kitkat gewohnten Übersicht ein schmaler Streifen auf dem Display, in dem die letzten Apps sowie die Navigationstasten angezeigt werden. Dieses Menü kann wahlweise auch – wer hätte es gedacht – über eine Schaltfläche am Bildschirmrand aktiviert werden.
Nicht verwirren lassen!
All die verschiedenen über die Ränder des Displays auslösbaren Funktionen mögen auf den ersten Blick verwirrend und überfrachtet wirken. Allerdings ist es auch nicht sinnvoll, all diese Optionen gleichzeitig zu aktivieren: Die beiden Benachrichtigungssysteme Halo und die Heads-Up-Notifications zu verwenden, ist doppelt gemoppelt. Auch die gleichzeitige Verwendung der Gestensteuerung und der App-Leiste finden wir nicht sinnvoll – entweder wir nutzen wichtige Apps und Funktionen über Gesten oder über die Shortcuts am Rand. Beides zusammen ergibt für uns keinen Sinn. Beachtet man dies, lassen sich die verbliebenen Funktionen gut an unterschiedliche Positionen der Ränder legen.
Unerwünschte App-Starts verhindern
Eine weitere interessante Funktion von Pac Man ROM ist der Wakelock Blocker: Mit ihm kann der Nutzer verhindern, dass Apps und Systemprozesse unbemerkt im Hintergrund den Standby-Zustand aushebeln und den Akkustand senken sowie zu erhöhtem Datenaustausch führen. Zu den blockbaren Prozessen gehören nahezu alle Google-Apps, der Wecker, zahlreiche Systemprozesse und die Vibrationseinheit. Das Blockieren von Systemprozessen kann allerdings zu Abstürzen und anderen Fehlfunktionen führen, weshalb Nutzer hier vorsichtig agieren sollten.
Direkt von Cyanogenmod übernommen hat das Pac-Man-Team die Design Engine. Damit kann schnell und umfassend das Aussehen inklusive der Icon-Auswahl und der Systemtöne gewechselt werden. Auch der Datenschutz-Manager findet sich bei dem ROM: Hier lassen sich entweder für jede installierte App einzeln alle Berechtigungen entziehen, oder – per langem Druck auf den App-Namen – auch einzelne Zugriffserlaubnisse verweigern.
Fazit
Pac Man ROM ist eine der umfangreichsten ROMs auf dem Markt, bei der der Nutzer noch mehr Einstellungen vornehmen kann als bei AOKP, Paranoid Android oder Carbon ROM. Was die Zusatzfunktionen betrifft, haben die Programmierer das Beste von anderen ROMs übernommen: Halo, die Pie-Steuerung und die Heads-up-Benachrichtigungen – alles findet der Nutzer bei Pac Man ROM. Dadurch lassen sich Smartphones und Tablets optimieren, der Nutzungsgewinn ist enorm.
Der Detailgrad geht bei den Einstellungen stellenweise deutlich über das hinaus, was andere ROMs bieten. Diese Fülle an Möglichkeiten könnte manchen Nutzer zunächst überfordern, Zeit für die Einrichtung ist bei Pac Man ROM sollte man sich schon nehmen. Der Gewinn an Nutzungskomfort rechtfertigt aber den Zeitaufwand.
Pac Man ROM ist für zahlreiche Android-Smartphones und Tablets(öffnet im neuen Fenster) erhältlich. Neben einem auf Android 4.4.4 basierenden Release Candidate für zahlreiche Geräte veröffentlicht das Programmierteam beinahe täglich einen Nightly Build, der in unserem Test absolut fehlerfrei und flüssig läuft. Pac Man ROM hat keinen Installer, das ROM muss manuell installiert werden – beispielsweise über eine Custom Recovery.
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